Darlehensschulden: Tilgung, Erbschaft und Kündigung des Darlehens

Kurz & knapp: Das Wichtigste zu Darlehensschulden

  1. Die Begriffe Kredit- und Darlehensschulden bezeichnen Schulden aus einem Kredit- oder Darlehensvertrag bzw. anderen (meist langfristig angelegten) Finanzierungsvereinbarungen.
  2. Die Tilgung der Darlehensschulden findet in vorab festgelegten Tilgungsraten über einen bestimmten Zeitraum hinweg statt. Zusätzlich werden Zinsen erhoben.
  3. Grundsätzlich können Darlehensschulden vorzeitig beglichen werden. Unter Umständen wird dann aber eine Vorfälligkeitsentschädigung gefordert.
  4. Darlehensschulden sind vererbbar. Der Erbe muss diese aber nicht übernehmen, wenn er die gesamte Erbschaft fristgerecht ausschlägt.

Darlehen und Darlehensschulden: Eine Definition

Darlehensschulden: Eine Definition finden Sie hier.
Darlehensschulden: Eine Definition finden Sie hier.

Darlehensschulden sind solche Schulden, die durch die Bereitstellung eines Geldbetrages (durch Banken oder Kreditinstitute) entstehen. Dafür kommt zwischen dem Darlehensgeber und dem Darlehensnehmer ein Vertrag zustande, dieser kann schriftlich oder mündlich geschlossen werden und beinhaltet wichtige Bedingungen (z. B. Laufzeit, Zinssatz, Tilgungsrate).

Darlehen bedeutet ein mittel- oder langfristiges Überlassen von Geld. Im allgemeinen Sprachgebrauch kann es als „Geld leihen“ verstanden werden. Die Begriffe „Darlehen“ und „Kredit“ werden üblicherweise synonym gebraucht.

In der Regel sind Kredite kurzfristige Verbindlichkeiten, wohingegen Darlehensschulden über längere Zeiträume, in manchen Fällen sogar über mehrere Jahre oder Jahrzehnte hinweg, getilgt werden. Die wichtigsten Regelungen zum Darlehen bzw. Darlehensschulden finden sich in § 488 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

Der Unterschied zwischen Kredit- und Darlehensschulden: Kredite können kurzfristig sein und Kosten immer Zinsen. Darlehen hingegen können auch zinslos sein und eignen sich meist für längere Laufzeiten.

Tilgung der Darlehensschulden

Darlehensschulden können in festen Tilgungsraten (+ Zinsen) zurückgezahlt werden.
Darlehensschulden können in festen Tilgungsraten (+ Zinsen) zurückgezahlt werden.

Die Tilgung der Darlehensschulden richtet sich zunächst nach der Art des Darlehens. Es wird zwischen verschiedenen Darlehensarten unterschieden:

Das endfällige bzw. tilgungsfreie Darlehen

Diese Darlehensart eignet sich am besten für kurzfristige Kredite. Sie ist tilgungsfrei, weil während der vereinbarten Laufzeit keine Tilgung erfolgt. Vielmehr werden die Darlehensschulden am Ende der Laufzeit insgesamt zurückgezahlt. Während der Vertragsdauer zahlt der Darlehensnehmer „nur“ die Zinsen.

Das Annuitätendarlehen

Die Rate bzw. Annuität (Annuität = Zins + Tilgung) bleibt immer gleich. So nimmt der Tilgungsanteil während der Laufzeit zu, der Zinsanteil der Rate jedoch ab.

Beispiel: Die Darlehensschulden belaufen sich auf 10.000 Euro. Die Laufzeit wird auf fünf Jahre festgesetzt bei einem Zinssatz von 7 Prozent. Die jährliche Rate (Annuität) beträgt 2.438,91 Euro. Der zu zahlende Betrag bleibt also oberflächlich betrachtet gleich. Tatsächlich sinkt der Zinsanteil jährlich, während der Tilgungsanteil steigt: Im ersten Jahr fallen 700 Euro Zinsen und ein Tilgungsanteil von 1.738,91 Euro an, im zweiten Jahr 578,23 (Zins) und 1.860,70 (Tilgung).

Das Abzahlungs- bzw. Tilgungsdarlehen

Der Tilgungsanteil (Tilgungsanteil = Darlehenssumme / Laufzeit) bleibt bei dieser Darlehensart konstant bei jeweils sinkenden Zinsen. Der Zinsanteil sinkt deshalb, weil er jeweils anhand der Restschuld ermittelt wird. Das bedeutet aber auch, dass die Belastung zu Beginn der Rückzahlung der Darlehensschulden noch höher ist und während der Laufzeit sinkt.

Beispiel: Die Darlehenssumme liegt bei 10.000 Euro, der Zinssatz bei 7 Prozent und die Tilgungsrate bei 2.000 Euro. Die Laufzeit wird auf fünf Jahre festgesetzt. Der Darlehensnehmer muss deshalb im ersten Jahr 2.000 Euro (fester Tilgungsanteil) + 700 Euro (Zinsen), also 2.700 Euro zahlen. Im zweiten Jahr sind es 2.560 Euro, weil der Tilgungsanteil mit 2.000 Euro zwar gleich bleibt, die Zinsrate (bemessen an der Restschuld) jedoch sinkt. Im fünften Jahr fallen nur noch 140 Euro Zinsen an, sodass die letzte Rate 2.140 Euro beträgt.

Macht eine Restschuldversicherung Sinn?

Wer nicht sicher ist, ob er die Darlehensschulden langfristig oder kurzfristig begleichen kann, sollte eine RSV erwägen.
Wer nicht sicher ist, ob er die Darlehensschulden langfristig oder kurzfristig begleichen kann, sollte eine RSV erwägen.

Die Frage, ob bei Darlehensschulden langfristig oder kurzfristig geplant werden kann, hängt in erster Linie von der finanziellen Stabilität des Darlehensnehmers ab. In einer Zeit, in der unbefristete Arbeitsverträge schwer zu ergattern sind und Arbeitsplatzsicherheit nicht mehr garantiert ist, müssen langfristige Darlehen gut überlegt sein.

Was ist, wenn der Betroffene arbeitslos wird und die Darlehensschulden nicht mehr tilgen kann? Ältere Darlehensnehmer, die im Todesfall ihren Kindern bzw. Verwandten nicht die Darlehensschulden zumuten möchten, sind ebenso besorgt.

Diesen Sorgen soll eine Restschuldversicherung (RSV) begegnen, ein Versicherungsschutz, der die Raten im Todesfall, bei eintretender Arbeitslosigkeit oder Krankheit übernimmt. Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten: Der Versicherungsschutz erschwert die Darlehensschulden erheblich. Seine Kosten werden meist nicht in den effektiven Jahreszins eingerechnet. Die Provision an die Versicherung darf auch nicht unterschätzt werden.

Stolperfallen finden sich außerdem im Kleingedruckten. Bestimmte Abschlussklauseln beschränken oft die Zahlungspflicht erheblich (z. B. werden unter Umständen die Raten der Darlehensschulden nicht unbedingt für die gesamte Dauer der Arbeitslosigkeit gezahlt).

Bei kurzfristigen Darlehensschulden macht eine Restschuldversicherung keinen Sinn.

Es ist dringend anzuraten, die Darlehensangebote mit und ohne Restschuldversicherung zu vergleichen und sich von einer neutralen Beratungsstelle (die nicht von der Versicherungsprämie profitiert) beraten zu lassen.

Rückzahlung der Darlehensschulden bei Kündigung des Darlehensvertrages

Bei vorzeitigem Begleichen der Darlehensschulden kann der Darlehensgeber u. U. eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.
Bei vorzeitigem Begleichen der Darlehensschulden kann der Darlehensgeber u. U. eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen.

Ein Darlehensvertrag kann nach § 489 BGB ordentlich oder nach § 490 BGB außerordentlich gekündigt werden. Die Kündigungsfrist richtet sich im Einzelfall nach der Art der Darlehensschulden, beträgt aber zwischen ein und drei Monaten.

Doch was passiert mit den restlichen Darlehensschulden zum Zeitpunkt der Kündigung? Der geschuldete Betrag muss schließlich trotz Kündigung zurückgezahlt werden. Nach § 488 Abs. 3 BGB müssen die restlichen Darlehensschulden innerhalb von zwei Wochen nach Wirksamwerden der Kündigung beglichen werden.

Es ist gemäß § 271 Abs. 2 BGB möglich, die Darlehensschulden vorzeitig, also vor Ende der vereinbarten Laufzeit, zurückzuzahlen. Sollte eine vorzeitige Rückzahlung durch den Vertrag ausgeschlossen worden sein, kann der Darlehensgeber eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangen. Die Bank wird – einfach gesagt – für die Zinsen entschädigt, die sie bis zum Ende der Laufzeit erhalten hätte.

Darlehensschulden geerbt – was nun?

Darlehensschulden sind vererbbar.
Darlehensschulden sind vererbbar.

Im Todesfall geht das Vermögen des Verstorbenen auf den Erben über. Zu beachten ist dabei, dass auch alle Nachlassverbindlichkeiten damit auf den Erben übertragen werden, vorausgesetzt dieser nimmt die Erbschaft an.

Für alle finanziellen Verbindlichkeiten, die der Erblasser zu Lebzeiten eingegangen ist und nicht mehr erfüllen konnte (z. B. die volle Tilgung der Darlehensschulden), haftet dann der Erbe. Es handelt sich um sogenannte Erblasserschulden (zu unterscheiden von sog. Erbfall- oder Nachlasserbenschulden).

Eine Person muss die Darlehensschulden nicht übernehmen, wenn sie die Erbschaft fristgerecht beim zuständigen Nachlassgericht ausschlägt. Dafür hat sie in der Regel sechs Wochen (ab Bekanntwerden der Erbschaft) Zeit. Wer diese Frist versäumt und auch erst nachträglich erfährt, dass die Erbschaft mit Darlehensschulden belastet ist, kann die Ausschlagungsfrist anfechten und rückwirkend geltend machen.

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