Insolvenz: Selbständig und pleite, was nun?

Kurz & knapp: Das Wichtigste zur „Insolvenz: Selbständig und insolvent“

    1. Schuldner können in die Privatinsolvenz gehen, wenn sie selbständig arbeiten oder ein Kleingewerbe betreiben, wobei sie weniger als 20 Gläubiger und keine offenen Forderungen aus Beschäftigungsverhältnissen mit Arbeitnehmern haben sollten.
    2. Damit die restlichen Schulden erlassen werden, müssen innerhalb von drei Jahren mindestens 35 Prozent der Forderungen und die Kosten des Verfahrens für das Gericht und den Insolvenzverwalter beglichen werden.
    3. Trotz Insolvenz können Sie selbständig bleiben oder ein Gewerbe beantragen, wenn Sie einen erfolgversprechenden Businessplan haben und keine weiteren Schulden machen.
    4. Nach Eröffnung der Insolvenz wird für Selbständige das fiktive Einkommen berechnet, aufgrund dessen die Höhe der Zahlungen ermittelt wird, welche der Schuldner an die Gläubiger leisten muss.

Was bedeutet eine Insolvenz für Selbständige?

Wie läuft das Verfahren der Privatinsolvenz für Selbständige ab?
Wie läuft das Verfahren der Privatinsolvenz für Selbständige ab?

Neben natürlichen Personen können auch Personen in die Insolvenz gehen, die selbständig arbeiten oder ein Kleingewerbe betreiben, wobei sie weniger als 20 Gläubiger und keine offenen Forderungen aus Beschäftigungsverhältnissen mit Arbeitnehmern haben sollten.

Es wird zwischen einem aktiven Selbständigen und einem ehemaligen Selbständigen unterschieden. Ein aktiver Selbständiger muss als eine natürliche Person einen Antrag auf Insolvenz, auf Restschuldbefreiung und auf Verfahrenskostenstundung stellen.

Auf dieser Weise muss der Schuldner die Kosten für das Insolvenzverfahren erst nach der Restschuldbefreiung zahlen.

Ehemalige Selbständige müssen dann Regelinsolvenz beantragen, wenn 20 Gläubiger oder mehr vorhanden sind und noch Verbindlichkeiten aus früheren Beschäftigungsverhältnissen bestehen, da seine Vermögensverhältnisse nach § 304 der Insolvenzordnung (InsO) nicht mehr als überschaubar gelten.

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens sind alle betrieblichen und privaten Verbindlichkeiten einbezogen, auch das private sowie das betriebliche Vermögen werden in dem Verfahren verwertet.

Anders als bei Arbeitnehmern erhalten selbständige Schuldner die Einnahmen bis zur Freigrenze. Alles über der Pfändungsgrenze wird einbehalten und an den Gläubiger abgeführt.

Ab 01. Juli 2014 sollen Betroffene der Privatinsolvenz schneller die Chance bekommen, in ein schuldenfreies Leben zurückzukehren. Demnach müssen sie nicht mehr sechs Jahre warten, bis ihnen die restlichen Schulden erlassen werden, sondern unter Umständen nur noch drei Jahre.

Damit Ihnen die restlichen Schulden erlassen werden, müssen Sie innerhalb von drei Jahren mindestens 35 Prozent der Forderungen und die Kosten des Verfahrens für das Gericht und den Insolvenzverwalter, auch Treuhändler genannt, beglichen haben. Die Verfahrenskosten betragen üblicherweise zwischen 1500 und 2000 Euro.

In die Privatinsolvenz können auch Freiberufler gehen. Bei Insolvenz können Freiberufler jedoch unter Umständen ihre Berufszulassung verlieren.

Können Sie trotz Insolvenz selbständig bleiben?

Ob Sie trotz Privatinsolvenz selbständig bleiben dürfen, entscheidet der Insolvenzverwalter.
Ob Sie trotz Privatinsolvenz selbständig bleiben dürfen, entscheidet der Insolvenzverwalter.

Viele fragen sich, ob sie trotz laufender Privatinsolvenz ihre selbständige Tätigkeit fortführen dürfen.

Grundsätzlich darf die selbständige Tätigkeit weiter nachgegangen werden, wenn der Insolvenzverwalter im Insolvenzverfahren die Tätigkeit freigibt.

Nach § 35 Abs. 2 und 3 der Insolvenzordnung (InsO), die am 01.07.2007 in Kraft trat, sollten selbständige Erwerbstätigkeiten trotz der Privatinsolvenz gefördert werden.

Demnach haben Insolvenzverwalter drei Möglichkeiten mit der Selbständigkeit zu verfahren:

  • Gemeinsam mit dem Schuldner dessen Tätigkeit als Betriebsfortführung organisieren.
  • Das Wirtschaften des Schuldners dulden und dieses gleichzeitig überwachen.
  • Die Selbständigkeit des Schuldners während des Insolvenzverfahrens freigeben.

In der Praxis kann die Freigabe der selbständigen Tätigkeit nicht erfolgen, wenn weder eine Betriebsfortführung noch ein selbständiges Wirtschaften unter Aufsicht angebracht ist. Das ist der Fall, wenn keine Überschüsse zu erwarten sind oder die Aussicht auf eine erfolgreiche Sanierung nicht besteht.

Demnach macht es nur Sinn, trotz Privatinsolvenz weiter als Selbständiger zu arbeiten, wenn das Geschäftsmodell funktioniert. Das bedeutet unter anderem, dass der Selbständige mit seinem Unternehmen hinreichende Überschüsse erzielen muss, dass er mindestens seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren kann.

Können Sie ein Gewerbe anmelden trotz Privatinsolvenz?

Können Sie Gewerbe anmelden trotz Privatinsolvenz?
Können Sie Gewerbe anmelden trotz Privatinsolvenz?

Häufig wollen Schuldner ein Kleingewerbe trotz Privatinsolvenz anmelden, wenn sie schwer vermittelbar sind, aber nicht Arbeitslosengeld-II-Empfänger werden wollen. Grundsätzlich können Sie als ein nicht selbständig tätiger Insolvenzschuldner nach Eröffnung der Privatinsolvenz ein Gewerbe anmelden. Das Problem dabei ist, dass Sie aufgrund des Schufa-Eintrages möglicherweise keine Kredite mehr aufnehmen können.

Nichtsdestotrotz können Sie ein Gewerbe trotz Insolvenzverfahren anmelden. Sie müssen mit Privatinsolvenz Ihre Tätigkeit als Selbständiger jedoch wesentlich sorgfältiger planen als ein normaler Arbeitnehmer. Andererseits können Sie in der Insolvenz nur selbständig bleiben oder werden, wenn keine neuen Schulden entstehen.

Darüber hinaus gehen Sie mit dem Antrag auf Restschuldbefreiung die Verpflichtung zur Bemühung um zumutbare Arbeit ein. Wollen Sie selbständig werden, trotz Privatinsolvenz, müssen Sie dem Insolvenzverwalter ein schlüssiges Konzept oder einen Businessplan vorlegen. Erteilt Ihnen dieser seine Zustimmung, können Sie selbständig werden trotz Insolvenzverfahren. Hat er aber Bedenken, sollten Sie Ihren Plan aufarbeiten, damit Ihnen die Restschuldbefreiung nicht versagt wird.

Welche Folgen hat die Freigabe der selbständigen Tätigkeit für Sie?

Die Freigabe Ihrer selbständigen Tätigkeit erhalten Sie immer schriftlich. Mit dieser wird Ihnen zudem mitgeteilt, dass Sie als Selbständiger in der Insolvenz finanziell so eingestuft werden, wie Sie als Angestellter aufgrund Ihres erlernten Berufes verdienen würden. Es ist dabei unerheblich, welche Gewinne Ihr Unternehmen erzielt, da die Gewinne durch die Freigabeerklärung nicht in die Insolvenzmasse fallen. Die Erlöse verbleiben grundsätzlich bei dem Schuldner und müssen nicht zu 100 % abgeführt werden.

Nach Eröffnung der Privatinsolvenz klären Insolvenzverwalter die Schuldner nicht immer ordnungsgemäß auf, wie sie eingestuft werden und in welcher Höhe sie Beträge abführen müssen. Es wird daher geraten, bereits beim Insolvenzantrag einen Anwalt für Insolvenz zu konsultieren, der Sie beraten und Ihnen zur Seite stehen kann, damit ihnen die Restschuldbefreiung nicht versagt wird.

Nach Eröffnung der Insolvenz wird bei Selbständigen das fiktive Einkommen berechnet. Bei der Berechnung des fiktiven Einkommens orientiert sich der Insolvenzverwalter an Tarifverträgen und anhand von Daten, die er von der Agentur für Arbeit hat. Dabei werden Aspekte wie Alter, Berufserfahrung und regionale Besonderheiten auf dem Arbeitsmarkt ebenfalls berücksichtigt.Wenn Sie Privatinsolvenz eröffnet haben und Ihre Selbständigkeit fortführen möchten, müssen Sie gewährleisen, dass Ihre Zahlungen an die Gläubiger durch Ihre Selbständigkeit nicht niedriger ausfallen als im Falle einer unselbständigen Tätigkeit. Andernfalls kann Ihnen die Restschuldbefreiung versagt werden.

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