Insolvenz: Bedeutung, Gründe, Ablauf

Kurz & knapp: Das Wichtigste zur Insolvenz

  1. Insolvent ist, wer die Forderungen seiner Gläubiger nicht aus eigener Kraft befriedigen kann.
  2. Insolvenz kann bei drohender oder vorhandener Zahlungsunfähigkeit sowie bei einer Überschuldung angemeldet werden.
  3. Rechtlich wird zwischen Privat- und Regelinsolvenz unterschieden.
  4. Nicht alle Gläubiger bekommen denselben Anteil als Entschädigung aus der Insolvenzmasse.

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Was ist Insolvenz? Eine Definition

Insolvenz bedeutet, dass der Schuldner die Forderungen des Gläubigers nicht mehr selbst erfüllen kann.
Insolvenz bedeutet, dass der Schuldner die Forderungen des Gläubigers nicht mehr selbst erfüllen kann.
Obwohl den Begriff der Insolvenz vermutlich jeder schon einmal gehört hat, sind sich viele Menschen unsicher, wenn es um dieses Thema geht. Deshalb wollen wir im Folgenden die wichtigsten Fragen klären. Wann spricht man von einer Insolvenz? Wer ist insolvent? Was bedeutet eine Insolvenz konkret für den Betroffenen?
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Die Bezeichnung „Insolvenz“ ist dem lateinischen Wort „insolvere“ entlehnt, was so viel wie „nicht lösen“ bedeutet. Konkret wird sie verwendet, um den Zustand von Schuldnern zu beschreiben, die zahlungsunfähig sind, also ihre Schulden beim Gläubiger nicht ablösen können. Insolvent ist demnach derjenige, der die ausstehenden Forderungen seiner Gläubiger nicht selbst befriedigen kann.

Reichen Geldmittel und vorhandenes Vermögen nicht aus, um die Schulden zu tilgen, haben die Betroffenen die Möglichkeit, eine Insolvenz zu beantragen. Das Insolvenzrecht, welches 1999 reformiert wurde, unterscheidet zwischen Regel- und Privatinsolvenz. Während letztere natürlichen Personen, sprich Privatleuten offen steht, ist die Regelinsolvenz juristischen Personen, also Unternehmern oder Selbstständigen vorbehalten. Häufig spricht man dann davon, dass bankrotte Unternehmen Konkurs anmelden müssen.

Überschuldete Privatpersonen müssen im Übrigen keine Insolvenz anmelden, wenn sie nicht wollen. Hingegen sind Unternehmen bei vorhandener oder drohender Zahlungsunfähigkeit verpflichtet, die Insolvenzanmeldung vorzunehmen, um die Schulden auf diese Weise abzubauen und die geprellten Gläubiger zu entschädigen. Andernfalls machen sie sich der Insolvenzverschleppung schuldig.

Voraussetzungen für den Insolvenzantrag

Nehmen die Schulden überhand, lassen sich diese oftmals nur noch durch eine Insolvenz abbauen.
Nehmen die Schulden überhand, lassen sich diese oftmals nur noch durch eine Insolvenz abbauen.
Laut Definition liegt eine Insolvenz bei Zahlungsunfähigkeit des Schuldners vor, dennoch kann nicht jeder, der Rückzahlungsschwierigkeiten hat, einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens stellen. Vielmehr gibt es auch hier Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen.

Die Privat- und Firmeninsolvenz sind in der Insolvenzordnung (InsO) geregelt. Bei beiden Formen muss die Insolvenz eigens beim zuständigen Insolvenzgericht beantragt werden. Nach dem Insolvenzrecht kennt das Gesetz drei mögliche Gründe, die es ermöglichen, eine Insolvenz zu beantragen.

Insolvenzgründe:

  • Insolvenz bei Zahlungsunfähigkeit: Kann eine Firma die Forderungen der Gläubiger nicht erfüllen, muss sie nach § 17 InsO die Insolvenz für das Unternehmen beantragen. Eine Zahlungsunfähigkeit liegt dann vor, wenn das Unternehmen weniger als 90 Prozent der ausstehenden Verbindlichkeiten begleichen kann.
  • Insolvenz bei drohender Zahlungsunfähigkeit: Liegt zwar momentan noch keine Zahlungsunfähigkeit vor, aber diese ist für die Zukunft absehbar, ist dies laut § 18 InsO dennoch ein Insolvenzgrund.
  • Insolvenz wegen Überschuldung: Auch eine Überschuldung begründet nach § 19 InsO ein Insolvenzverfahren. Als überschuldet gilt ein Unternehmen, wenn sein vorhandenes Vermögen geringer ist als die ausstehenden Schulden, sodass die bestehenden Zahlungsverbindlichkeiten nicht mehr gedeckt werden können.

Wann kann die Regelinsolvenz beantragt werden?

Es gibt also drei Gründe, die die Beantragung eines Insolvenzverfahrens möglich machen. Liegt auch nur einer davon vor, ist der Geschäftsführer verpflichtet, innerhalb von drei Wochen beim zuständigen Amts- bzw. Insolvenzgericht die Unternehmensinsolvenz anzumelden. Ansonsten läuft er Gefahr, wegen Insolvenzverschleppung mit einer Geld- oder gar einer Haftstrafe (§ 15a InsO) von bis zu drei Jahren bestraft und auf Schadensersatz verklagt zu werden.

Eine Regelinsolvenz ist für…

  • Unternehmen,
  • Selbstständige und
  • Ehemals Selbstständige mit mehr als 19 Gläubigern oder bei Schulden aus Arbeitsverhältnissen ausgelegt.
Ist der Arbeitgeber zahlungsunfähig und kann aufgrund der Insolvenz das Gehalt der Arbeitnehmer nicht mehr zahlen, haben diese die Möglichkeit bei der Agentur für Arbeit Insolvenzgeld zu beantragen. Ob ihnen bei der Kündigung wegen der Insolvenz eine Abfindung zusteht, hängt davon ab, ob sie auch unter normalen Umständen einen Abfindungsanspruch haben.

Wann ist eine Privatinsolvenz möglich?

Privatleute können, müssen aber keine Insolvenz anmelden.
Privatleute können, müssen aber keine Insolvenz anmelden.
Die Privatinsolvenz wird auch als Verbraucherinsolvenz bezeichnet, da sie nur natürlichen Personen und ehemaligen Selbstständigen offen steht. Seit 1999 haben damit auch Privatpersonen die Möglichkeit ein vereinfachtes Insolvenzverfahren zu durchlaufen, um die Forderungen Gläubigern zu befriedigen.

Hat ein Schuldner überschaubare Vermögensverhältnisse, also maximal 19 Gläubiger, kann er privat Insolvenz anmelden. Besitzt ein ehemals Selbstständiger hingegen mehr Gläubiger oder bestehen noch Schulden aus Arbeitsverhältnissen, Lohnsteuer und Sozialversicherungen kommt eine Verbraucherinsolvenz nach dem Insolvenzgesetz für den Betroffenen nicht in Frage. Er muss dann die Regelinsolvenz durchlaufen.

Demnach ist eine Privatinsolvenz nur möglich für Personen, die…

  • Aus einem der genannten Gründe eine Insolvenz beantragen möchten,
  • Die bei Antragstellung nicht oder nicht mehr selbstständig sind,
  • Die keine Schulden aus Arbeitsverhältnissen besitzen und
  • die nicht mehr als 19 Gläubiger haben.

Hat jemand mehr als 19 Gläubiger gelten seine Vermögensverhältnisse als unüberschaubar und er muss das aufwendigere Regelinsolvenzverfahren durchlaufen.

Für eine Privatperson besteht gemäß der Insolvenzverordnung im Übrigen keine Pflicht eine Insolvenz zu beantragen. Entscheidet sie sich dagegen, kann sie deshalb nicht wegen Insolvenzverschleppung belangt werden.

Insolvenzantrag

Das Insolvenzverfahren wird erst mit dem Antrag auf Eröffnung der Insolvenz und nicht etwa von Amts wegen eingeleitet. Der Insolvenzantrag kann schriftlich eingereicht oder in der Geschäftsstelle des Insolvenzgerichts zu Protokoll gegeben werden. Um den Antrag zu prüfen, benötigen die dortigen Mitarbeiter allerdings einige Unterlagen von den Betroffenen.

  • Nachweis über den gescheiterten außergerichtlichen Einigungsversuch mit den Gläubigern z. B. durch einen Anwalt (bei privater Insolvenz)
  • Ein Schuldenbereinigungsplan (bei privater Insolvenz)
  • Die Beantragung der Restschuldbefreiung
  • Ein Vermögensverzeichnis (Aufstellung über Einkommen und vorhandenes Vermögen)
  • Eine Vermögensübersicht
  • Auflistung bestehender Forderungen der Gläubiger
  • Versicherung über die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben

Wollen Sie eine Insolvenz beantragen, kann Ihnen dabei ein Anwalt helfen.
Wollen Sie eine Insolvenz beantragen, kann Ihnen dabei ein Anwalt helfen.
Um den Insolvenzantrag korrekt zu stellen und unnötige Verzögerungen durch mögliche Nachforderungen zu vermeiden, können Betroffene auch einen Insolvenzanwalt zu Rate ziehen, der auf Insolvenzberatung spezialisiert ist und ihre Interessen im Verfahren vertritt.

Wer darf eigentlich die Insolvenz beantragen? Der Antrag kann durch den Insolvenzschuldner selbst oder durch einen Gläubiger gestellt werden. Will Letzterer das Insolvenzverfahren initiieren, muss er nachweisen, dass er ein rechtliches Interesse am Verfahren hat und Forderungen gegenüber dem Schuldner bestehen. Erst wenn er den Richter davon überzeugen konnte, dass es einen Eröffnungsgrund gibt, kann dieser das Insolvenzverfahren einleiten.

Ablauf des Insolvenzverfahrens

Nachdem der Antrag auf Insolvenz beim Gericht eingegangen ist, wird im Eröffnungsverfahren in der Folgezeit zunächst einmal geprüft, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet oder der Antrag abgelehnt wird.

In dieser Phase prüfen die Verantwortlichen, ob der Schuldner insolvenzfähig ist und zumindest einer der genannten Eröffnungsgründe für eine Insolvenz vorliegt. Außerdem wird anhand der eingereichten Unterlagen überprüft, ob noch genügend Insolvenzmasse vorhanden ist, um die Kosten für das Gericht und den Insolvenzverwalter zu decken. Ist die Firma so weit heruntergewirtschaftet, dass dies nicht der Fall ist, oder die Forderungen der Gläubiger partout nicht zu erfüllen sind, kann der Antrag auf Insolvenz abgelehnt werden.

Um zu verhindern, dass weiteres Vermögen verloren geht, kann auch ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt werden, der die Geschäftsführung übernimmt.

Wurde das Insolvenzverfahren eröffnet, darf ab diesem Zeitpunkt das Unternehmen keine wirtschaftlichen Aktivitäten mehr ausführen. Das Gericht bestimmt einen Insolvenzverwalter, der an Stelle der bisherigen Geschäftsleitung die Konzernführung übernimmt.

Insolvenz: Das gesamte Vermögen des Schuldners wird durch den Insolvenzverwalter betreut.
Insolvenz: Das gesamte Vermögen des Schuldners wird durch den Insolvenzverwalter betreut.
Dieser nimmt detailliert das vorhandene Vermögen des Schuldners in den Blick und versucht dieses zu vergrößern, um die Ansprüche der Gläubiger am Ende bestmöglich begleichen zu können. Zur Vergrößerung des Firmenvermögens führt er den Betrieb fort und zieht ausstehende Forderungen der Firma gegen ihre Kunden ein.

Zugleich fertigt er eine Aufstellung aller Gläubiger an, die sich bei ihm melden. Diese müssen die Insolvenzforderung, den Grund und die Höhe ihrer Ansprüche beim Insolvenzverwalter offiziell anmelden. Daraus erstellt er eine Insolvenztabelle, die ihm anschließend hilft, das Vermögen unter den Gläubigern zu verteilen.

Gläubiger haben unterschiedliche Ansprüche bei der Insolvenz

Trotz angemeldeter Insolvenz haben die Gläubiger dennoch recht unterschiedliche Aussichten, was die Erfüllung ihrer Ansprüche anbelangt. Es gibt unter ihnen nämlich welche, deren Forderungen Vorrang vor denen der anderen haben.

In dieser Rangfolge werden die Schulden bei der Insolvenz bezahlt:

  1. Gläubiger mit Aussonderungsrecht
  2. Gläubiger mit Absonderungsrecht
  3. Aufrechnungen mit anderen Unternehmen
  4. Kosten für das Insolvenzverfahren
  5. Einfache Gläubiger
  6. Nachrangige Gläubiger
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