Der Insolvenzantrag: Erster Schritt zur Schuldenfreiheit

Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Insolvenzantrag

  • Der Insolvenzantrag kann bei Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit gestellt werden.
  • Sowohl natürliche als auch juristische Personen können in der Regel einen solchen Antrag einreichen.
  • Das zuständige Insolvenzgericht ist normalerweise das Amtsgericht am Wohnort des Schuldners.
  • Unternehmen sind bei Zahlungsunfähigkeit verpflichtet, die Insolvenz anzumelden.
  • Stellt ein Gläubiger den Insolvenzantrag, sollte der Schuldner schnellstmöglich einen eigenen Antrag auf den Weg bringen.
  • Nach einem Insolvenzverfahren existieren Sperrfristen, ehe ein weiteres beantragt werden kann.
  • Insolvenzgeld hilft Arbeitnehmern bei Firmeninsolvenzen.

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Gehaltsabtretung Insolvenzantrag durch Gläubiger Insolvenzantragspflicht

Was ist ein Insolvenzantrag?

Wie stelle ich einen Insolvenzantrag?
Wie stelle ich einen Insolvenzantrag?
Unternehmen und Privatpersonen, die in die Überschuldung rutschen, haben häufig nur noch eine einzige Möglichkeit, die Firma zu retten bzw. wieder ein schuldenfreies Leben zu führen. Das Insolvenzverfahren soll sowohl die Gläubiger befrieden als auch dem jeweiligen Schuldner einen Neustart ermöglichen.

Um die Insolvenz anzumelden, ist es nötig, beim zuständigen Insolvenzgericht einen entsprechenden Antrag zu stellen. Doch welche Bedingungen sollten insbesondere Privatpersonen beachten?

Insolvenzantrag einer Privatperson: Voraussetzungen

Wer kann einen Insolvenzantrag stellen? Grundsätzlich steht dies allen überschuldeten Privatpersonen und Unternehmen offen. Letztere müssen bei Zahlungsunfähigkeit sogar von Gesetzes wegen den Insolvenzantrag einreichen (bspw. GmbH).

Bei natürlichen Personen bestehen jedoch noch weitere Voraussetzungen. Damit das Gericht die Insolvenz zulässt, muss zuvor zwingend ein außergerichtlicher Einigungsversuch im Rahmen einer Schuldnerberatung durchgeführt worden sein. Ohne die darüber ausgestellte Bescheinigung nach § 305 Insolvenzordnung (InsO) hat der Antrag in der Regel keine Chance auf Bewilligung.

Außergerichtlicher Einigungsversuch

Um eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen, arbeitet die Schuldnerberatung in der Regel in enger Zusammenarbeit mit dem Schuldner einen Plan zur Rückzahlung der Schulden aus. Stimmen der oder die Gläubiger zu, konnte die Privatinsolvenz abgewendet werden. Andernfalls erhält der Schuldner die Bescheinigung über das Scheitern des Versuchs.

Wo den Insolvenzantrag stellen? Zuständiges Gericht

In der Regel ist das Insolvenzgericht jenes Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner seinen allgemeinen Gerichtsstand hat (§ 3 Abs. 1 InsO). Gewöhnlich richtet sich der Gerichtsstand

  • bei Privatpersonen nach ihrem Wohnsitz.
  • bei Unternehmen nach dem Sitz der Gesellschaft.
Daher ist normalerweise bei jenem Amtsgericht der Insolvenzantrag zu stellen, in dessen Stadt oder Kommune der Antragsteller wohnt.

Häufig gestellte Fragen zum Insolvenzantrag

Pflicht zum Insolvenzantrag: Unternehmen müssen bei Zahlungsunfähigkeit reagieren.
Pflicht zum Insolvenzantrag: Unternehmen müssen bei Zahlungsunfähigkeit reagieren.
Schuldner befinden sich meist in einer extrem angespannten Situation – finanziell und emotional. Viele Fragen tauchen wiederholt auf. Wer die Situation jedoch einschätzen kann und die Antworten kennt, ist vorbereitet und dementsprechend entspannter.

Wann muss der Insolvenzantrag gestellt werden?

Geschäftsführer bzw. der Vorstand eines Unternehmens sind verpflichtet, die Frist für den Insolvenzantrag einzuhalten. Welche Frist aber besteht für Privatpersonen? Wann muss man dann den Insolvenzantrag stellen?

Eine Verpflichtung, das Insolvenzverfahren anzustreben, existiert für Verbraucher in der Regel nicht. Bei hohen Schulden, Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit ist aber zumindest der Besuch einer Schuldnerberatung dringend anzuraten. Auch wenn dieser Weg vielen Menschen schwerfallen dürfte, ist es doch der erste Schritt hin zur Schuldenfreiheit.

Wer darf einen Insolvenzantrag stellen?

Normalerweise können jede Privatperson und jedes Unternehmen die Insolvenz anmelden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Arbeitnehmer, Beamte, Rentner, Hausfrauen, Selbstständige, Freiberufler oder Hartz-4-Empfänger handelt. Auch nicht-deutsche Staatsangehörige können einen Insolvenzantrag stellen – Bedingung ist lediglich ein Wohnsitz in Deutschland.

Allerdings kann der Insolvenzantrag auch durch einen Gläubiger gestellt werden. Dann sollten Schuldner unverzüglich reagieren!

  • Prüfen Sie, ob Sie die Insolvenz durch die Zahlung der Forderung an den antragstellenden Gläubiger noch abwenden können.
  • Andernfalls: Reichen Sie innerhalb der vom Gericht festgesetzten Erklärungsfrist (i. d. R. zwei Wochen) einen eigenen Insolvenzantrag ein! Setzen Sie sich dafür umgehend mit einer anwaltlichen Schuldnerberatung in Verbindung!
Achtung! Wird kein eigener Insolvenzantrag innerhalb der Erklärungsfrist gestellt, kann dies dazu führen, dass dem Schuldner am Ende des Insolvenzverfahrens keine Restschuldbefreiung gewährt werden kann!

Welche Kosten fallen im Insolvenzverfahren an?

Die Kosten nach dem Insolvenzantrag richten sich nach dem Vermögen des Schuldners.
Die Kosten nach dem Insolvenzantrag richten sich nach dem Vermögen des Schuldners.
Weder der Anwalt noch das Gericht und auch nicht der Insolvenzverwalter arbeiten entgeltlos. Daher entstehen Kosten nach einem Insolvenzantrag für die Insolvenz. In welcher Höhe diese anfallen, kann pauschal nicht beantwortet werden, denn sie richten sich nach der Insolvenzmasse, die sich – vereinfacht gesagt – aus dem Vermögen des Schuldners zum Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung ergibt.

Normalerweise wird Schuldnern allerdings die Stundung der Verfahrenskosten bewilligt, sodass diese auch erst im Zuge der Vermögensverwertung und der Wohlverhaltensphase beglichen werden können. Für die anwaltliche Beratung im Vorfeld der Insolvenz besteht die Möglichkeit der Beratungshilfe.

Wurde der Insolvenzantrag durch Dritte gestellt und wird dieser abgewiesen, haftet der Antragsteller als sogenannter Zweitschuldner sowohl für die Verfahrensgebühr als auch die Auslagen, die das Gericht bis zu diesem Zeitpunkt tätigen musste – sofern die Kosten beim Schuldner nicht eingetrieben werden können.

Wie oft kann man einen Insolvenzantrag stellen?

Nicht jede Insolvenz endet auch mit der Restschuldbefreiung des Schuldners. Eine ganze Reihe von Gründen wie etwa eine Obliegenheitsverletzung während der Wohlverhaltensphase können zur Versagung der Befreiung führen.

Grundsätzlich gibt es keine zahlenmäßige Begrenzung für Insolvenzen. Allerdings existieren laut § 287a InsO verschiedene Sperrfristen:

  • Dreijährige Sperrfrist: Versagung der Restschuldbefreiung aufgrund von Obliegenheitsverletzungen, falschen Angaben über vorhandenes Vermögen etc.
  • Fünfjährige Sperrfrist: Versagung der Restschuldbefreiung aufgrund einer rechtskräftigen Verurteilung wegen einer Insolvenzstraftat
  • Zehnjährige Sperrfrist: Erteilung der Restschuldbefreiung nach einem Insolvenzverfahren

Was passiert nach einem Insolvenzantrag?

Nach dem Insolvenzantrag: Privat und geschäftlich kann sich einiges ändern. Es besteht z. B. eine Erwerbsobliegenheit.
Nach dem Insolvenzantrag: Privat und geschäftlich kann sich einiges ändern. Es besteht z. B. eine Erwerbsobliegenheit.
Hat das Gericht den Insolvenzantrag erhalten, prüft es in der Regel, ob die Bedingungen für eine Insolvenz gegeben sind. Ist dies der Fall, setzt das Gericht einen Insolvenzverwalter ein und informiert die Gläubiger des Schuldners. Der Verwalter beginnt damit, ein Forderungs- und Gläubigerverzeichnis sowie eine Übersicht über das Vermögen des Schuldners zu erstellen.

Der pfändbare Teil des Schuldnervermögens wird anschließend verwertet und nach Abzug der Verfahrenskosten quotenmäßig an die Gläubiger verteilt. Daran anschließend folgt die Wohlverhaltensphase, in der der Schuldner den pfändbaren Teil seines Einkommens an den Insolvenzverwalter abtreten muss und bestimmte Verpflichtungen wie die Erwerbsobliegenheit zu erfüllen hat.

Nur wenn nach dem Insolvenzantrag die natürliche Person alle Obliegenheiten und Verpflichtungen eingehalten hat, wird das Gericht am Ende die Restschuldbefreiung gewähren.

Hilfe beim Insolvenzantrag

Die Insolvenz zu beantragen, kann kompliziert sein; unabsichtlich falsche Angaben haben unter Umständen weitreichende Folgen für den Schuldner. Zwar kann beim Gericht in der Regel ein amtliches, für den Insolvenzantrag vorbereitetes Formular bezogen werden, das Ausfüllen stellt jedoch gerade für juristisch und wirtschaftlich unerfahrene Laien eine Herausforderung dar.

Schuldner sollten daher ihrer Schuldnerberatung bzw. ihrem Insolvenzanwalt überlassen, wie der Insolvenzantrag zu stellen ist, statt auf einen Insolvenzantrag-Vordruck zurückzugreifen.

Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit

Wer hat den Insolvenzantrag gestellt? War es der Arbeitgeber, besteht evtl. Anspruch auf Insolvenzgeld.
Wer hat den Insolvenzantrag gestellt? War es der Arbeitgeber, besteht evtl. Anspruch auf Insolvenzgeld.
Von Unternehmensinsolvenzen sind vor allem die Arbeitnehmer betroffen, denn die Zahlungsunfähigkeit mit anschließendem Insolvenzantrag führt nicht selten auch dazu, dass die Gehälter nicht mehr ausgezahlt werden können.

Wurde die Insolvenz des Arbeitgebers eröffnet, können betroffene Arbeitnehmer innerhalb von zwei Monaten einen Insolvenzgeldantrag bei der Agentur für Arbeit stellen.

Bei Bewilligung erhält der Arbeitnehmer einmalig Insolvenzgeld, das normalerweise in Höhe des Nettoverdienstes, der für die letzten 3 Monate des Arbeitsverhältnisses vor Eröffnung des Insolvenzverfahrens aussteht, gezahlt wird.

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