Insolvenzverfahren: Der Ablauf von Verbraucher- und Regelinsolvenz

Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Insolvenzverfahren und seinem Ablauf

  1. Im Insolvenzrecht wird zwischen der Regelinsolvenz und der Privatinsolvenz unterschieden.
  2. Der größte Unterschied im Ablauf beider Insolvenzverfahren liegt im obligatorischen außergerichtlichen Einigungsversuch vor Beantragung der Privatinsolvenz.
  3. Bei der Regelinsolvenz hingegen ist ein solcher Einigungsversuch mit den Gläubigern nicht notwendig, um Insolvenz anmelden zu können.
  4. Für natürliche Personen enden beide Insolvenzverfahren gleich im Ablauf: Sie werden auf Antrag von ihren Restschulden befreit.
  5. Ein weiterer Unterschied liegt in der Antragspflicht beim Regelinsolvenzverfahren.

Ablauf eines Insolvenzverfahrens bei Privatinsolvenz

Wie läuft ein Insolvenzverfahren ab? Der Ablauf der Insolvenz ist in der Insolvenzordnung geregelt.
Wie läuft ein Insolvenzverfahren ab? Der Ablauf der Insolvenz ist in der Insolvenzordnung geregelt.
Privathaushalte, Verbraucher, Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler – sie alle können vor dem Problem stehen, dass ihr Geld nicht mehr ausreicht, um ihren finanziellen Verbindlichkeiten nachzukommen. Im Falle einer solchen (drohenden) Zahlungsunfähigkeit oder einer Überschuldung besteht die Möglichkeit, Insolvenz anzumelden.

Bis 1999 konnten nur Unternehmen Insolvenz anmelden. Doch seit diesem Zeitpunkt können auch Privatpersonen ein gerichtliches Insolvenzverfahren durchlaufen, um ihre Schulden loszuwerden.

Beide Insolvenzverfahren und ihr Ablauf sind in der Insolvenzordnung (InsO) geregelt. Sie verfolgen dasselbe Ziel: Die Schulden des Betroffenen sollen geordnet abgewickelt und weitestgehend ausgeglichen werden.

Natürliche Personen, die nicht selbstständig waren oder die im Falle einer Selbstständigkeit nicht mehr als 19 Gläubiger hatten, können die private Insolvenz anmelden.

Verbraucherinsolvenz und Privatinsolvenz meinen dasselbe Insolvenzverfahren. Der Ablauf ist hier also identisch.

Keine Privatinsolvenz ohne den Versuch einer außergerichtlichen Einigung

Beim privaten Insolvenzverfahren besteht im Ablauf eine Besonderheit: Die Verbraucherinsolvenz ist nur zulässig, wenn der Betroffene zuvor erfolglos versucht hat, eine außergerichtliche Einigung mit seinen Gläubigern zu erzielen. Nur wenn dieser Versuch scheitert, kann der Schuldner Privatinsolvenz beantragen. Diesen erfolglosen Versuch muss er sich von einer anerkannten Stelle oder Person bescheinigen lassen, z. B. von einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle oder einem Rechtsanwalt.

Im Ablauf vom Insolvenzverfahren einer Privatperson besteht eine Besonderheit, der obligatorische Einigungsversuch mit den Gläubigern.
Im Ablauf vom Insolvenzverfahren einer Privatperson besteht eine Besonderheit, der obligatorische Einigungsversuch mit den Gläubigern.
Diese Bescheinigung muss der Schuldner zusammen mit dem Eröffnungsantrag und einigen anderen Unterlagen beim zuständigen Gericht einreichen.

Dieses prüft, ob der Insolvenzantrag zulässig ist, insbesondere ob eine (drohende) Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung als Eröffnungsgrund vorliegt.

Außerdem ermittelt es, ob das Schuldnervermögen ausreicht, um wenigstens die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken. Sind diese Voraussetzungen gegeben, eröffnet das Gericht das Insolvenzverfahren.

Das eigentliche private Insolvenzverfahren – Ablauf einfach erklärt

Nach der Insolvenzeröffnung wirkt das Insolvenzgericht zunächst auf eine gerichtliche Einigung mit den Gläubigern hin. Wenn ein solcher gerichtlicher Versuch scheitert, beginnt das vereinfachte Insolvenzverfahren.

Im Privatinsolvenzverfahren wird das vorhandene Vermögen des Schuldners an die Gläubiger verteilt, um so deren Forderungen so weit wie möglich zu tilgen. Doch zuerst werden die Kosten für das Verfahren ausgeglichen. Diese haben Vorrang vor den Insolvenzforderungen.

Mit der Eröffnung des Verfahrens setzt das Insolvenzgericht einen Treuhänder ein, der ab sofort das gesamte Vermögen des Schuldners verwaltet und verwertet. Der Schuldner hat hierauf keinen Zugriff mehr. Er darf nur das unpfändbare Einkommen behalten.

Privates Insolvenzverfahren: Der Ablauf der Wohlverhaltensphase

Wie lange läuft ein privates Insolvenzverfahren? 3 Jahre, wenn der Schuldner 35 Prozent seiner Schulden und die Verfahrenskosten zahlt.
Wie lange läuft ein privates Insolvenzverfahren? 3 Jahre, wenn der Schuldner 35 Prozent seiner Schulden und die Verfahrenskosten zahlt.
In der Regel reicht der Schuldner zusammen mit dem Eröffnungsantrag auch einen Antrag auf Erteilung der Restschuldbefreiung beim Gericht ein. Dieses Ziel erreicht er jedoch nur, wenn er nach dem Insolvenzverfahren eine Wohlverhaltensphase durchläuft. Diese Phase dauert zwischen drei und sechs Jahre ab Verfahrenseröffnung.

Gelingt es dem Schuldner, innerhalb von drei Jahren 35 Prozent seiner Schulden und die Verfahrenskosten zu zahlen, so kann er eine vorgezogene Restschuldbefreiung beantragen.

Bezahlt er innerhalb von fünf Jahren die Verfahrenskosten, so kann er die Insolvenz nach fünf Jahren beenden. Anderenfalls endet das Verfahren nach sechs Jahren, unabhängig davon wie viel Schulden getilgt wurden.

Während der Wohlverhaltensphase muss der Schuldner den pfändbaren Teil seines Einkommens an den Treuhänder abgeben. Wie hoch dieser Anteil im Einzelfall ausfällt, bemisst sich nach der Pfändungstabelle.

Außerdem muss er den folgenden Obliegenheiten nachkommen, wenn er nicht die Versagung der Restschuldbefreiung riskieren möchte:

  • Erwerbslose Insolvenzschuldner müssen sich z. B. ernsthaft um eine angemessene Erwerbstätigkeit bemühen und diese Bemühungen auf Verlangen auch nachweisen können.
  • Wechselt der Betroffene seinen Wohnort oder nimmt er einen neuen Job an, so muss er das Insolvenzgericht und den Treuhänder unverzüglich hierüber informieren.
  • Auch Änderungen über Einkünfte, z. B. eine Gehaltserhöhung oder ein anderer Vermögenszuwachs sind mitteilungspflichtig.
  • Im Falle einer Erbschaft hat der insolvente Erbe die Hälfte hiervon an den Treuhänder abzuführen.
  • Der Schuldner darf nur noch an den Treuhänder zahlen. Zahlungen an die Gläubiger sind ihm untersagt.

Die Restschuldbefreiung nach Ablauf einer Insolvenz

Geldbußen und -strafen sind nicht von der Restschuldbefreiung nach Ablauf der Insolvenz umfasst.
Geldbußen und -strafen sind nicht von der Restschuldbefreiung nach Ablauf der Insolvenz umfasst.
Nach Ablauf der privaten Insolvenz erteilt das Insolvenzgericht dem Schuldner die Restschuldbefreiung, vorausgesetzt er hat diese beantragt und sich im Laufe das Verfahrens redlich verhalten. Verletzt er hingegen seine Pflichten, so kann ihm die Restschuldbefreiung auf Antrag eines Gläubigers versagt werden.

Damit werden ihm alle Altschulden erlassen, sodass Gläubiger wegen dieser Forderungen nicht mehr gegen den Insolvenzschuldner vorgehen können.

Neue Verbindlichkeiten, die der Schuldner während des Insolvenzverfahrens oder der Wohlverhaltensphase eingeht, bleiben bestehen. Für sie gilt die Restschuldbefreiung ebenso wenig wie für Bußgelder und Geldstrafen.

Regelinsolvenz: Ablauf vom Insolvenzverfahren bei GmbH und ähnlichen Unternehmen

Dieses Insolvenzverfahren teilt sich im Wesentlichen in drei Verfahrensabschnitte, in das Eröffnungsverfahren, das eigentliche Insolvenzverfahren und den Verfahrensabschluss.

Beantragung der Insolvenz und der Ablauf des Eröffnungsverfahrens

Genau wie bei der Verbraucherinsolvenz gilt auch bei der Regelinsolvenz der Antragsgrundsatz. Das heißt, dass Insolvenz nur auf Antrag eröffnet werden kann und nicht von Amts wegen.

Anders als bei der Privat- bzw. Verbraucherinsolvenz muss der Schuldner, also das Unternehmen oder der Selbstständige keinen außergerichtlichen Einigungsversuch unternehmen. Vielmehr kann er sofort Insolvenz beantragen.

Antragsberechtigt sind neben dem Insolvenzschuldner auch dessen Gläubiger, vorausgesetzt

  • sie haben ein rechtliches Interesse an der Insolvenzeröffnung und
  • Können ihre Forderungen sowie den Eröffnungsgrund glaubhaft machen.

Ablauf vom Regelinsolvenzverfahren: Zuerst prüft das Gericht, ob die Voraussetzungen der Insolvenzeröffnung vorliegen.
Ablauf vom Regelinsolvenzverfahren: Zuerst prüft das Gericht, ob die Voraussetzungen der Insolvenzeröffnung vorliegen.
Zuerst prüft das Insolvenzgericht, ob das Verfahren eröffnet werden kann, ob also wirklich ein Eröffnungsgrund vorliegt und ob das vorhandene Vermögen ausreicht, um die Kosten des Verfahrens auszugleichen.

Als Eröffnungsgrund gelten die Zahlungsunfähigkeit, die drohende Zahlungsunfähigkeit und die Überschuldung.

  • Zahlungsfähigkeit bedeutet, dass der Schuldner die fälligen Forderungen seiner Gläubiger nicht bezahlen kann.
  • Drohende Zahlungsfähigkeit liegt vor, „wenn [der Schuldner] voraussichtlich nicht in der Lage sein wird, die bestehenden Zahlungspflichten im Zeitpunkt der Fälligkeit zu erfüllen“ (§ 18 Abs. 2 InsO).
  • Ein Unternehmen gilt als überschuldet, wenn die gesamten, d. h. nicht nur die fälligen Verbindlichkeiten das Vermögen des Schuldners übersteigen.

Das eigentliche Insolvenzverfahren und sein Ablauf

Wenn ein Eröffnungsgrund vorliegt und das Unternehmensvermögen für die Deckung der Verfahrenskosten ausreicht, eröffnet das Insolvenzgericht das Verfahren mit einem entsprechenden Eröffnungsbeschluss.

In diesem Beschluss bestellt das Insolvenzgericht einen Insolvenzverwalter, dessen Aufgabe unter anderem darin besteht, das Unternehmen zu führen, sofern keine Eigenverwaltung beantragt wurde, und die Insolvenzmasse, sprich das Restvermögen des Unternehmens, zu sichern.

Der Insolvenzverwalter fordert alle Gläubiger auf, ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anzumelden. Deren Forderungen sind Gegenstand des Prüfungstermins, in welchem sich entscheidet, ob Forderungen als festgestellt oder bestritten in die Insolvenztabelle eingetragen werden.

Doch zuerst findet der Berichtstermin statt. In diesem Termin erläutert der Verwalter die wirtschaftliche Situation des Insolvenzschuldners. Hier wird auch festgelegt, ob das Unternehmen saniert oder liquidiert wird.

Der Abschluss des Regelinsolvenzverfahrens

Zum Ablauf des Insolvenzverfahrens gehören z. B. der Berichtstermin und der Prüftermin, die beide vom Insolvenzgericht anberaumt werden.
Zum Ablauf des Insolvenzverfahrens gehören z. B. der Berichtstermin und der Prüftermin, die beide vom Insolvenzgericht anberaumt werden.
Nach der Liquidierung bzw. Sanierung des Unternehmens und nachdem alle Forderungen befriedigt wurden, reicht der Insolvenzverwalter beim Gericht den Schlussbericht und die Schlussrechnungslegung ein.

Anschließend findet der sogenannte Schlusstermin statt, in dem der Insolvenzverwalter über das Verfahren berichtet.

Werden keine Einwendungen erhoben, bewilligt das Insolvenzgericht die Schlussverteilung der Erlöse auf die Gläubiger. Anschließend wird das Verfahren aufgehoben.

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