Kindergeld ist nicht pfändbar – oder etwa doch?

Kurz & knapp: Das Wichtigste zur Pfändung bzw. Pfändbarkeit von Kindergeld

  1. Eigentlich ist Kindergeld pfändungsfrei, kann aber unter Umständen vom Unterhaltsberechtigten (d. h. vom Kind selbst) gepfändet werden.
  2. Sollten Sie noch kein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) eingerichtet haben, kann es zu einer uneingeschränkten Kontopfändung kommen. Das Kindergeld ist indirekt pfändbar.
  3. Andere Sozialleistungen oder Lohnersatzleistungen sind in der Regel in begrenztem Maße pfändbar (Pfändungsfreigrenze beachten).

Normalerweise ist Kindergeld nicht pfändbar

Das Kindergeld ist indirekt pfändbar – aber nur ohne P-Konto.
Das Kindergeld ist indirekt pfändbar – aber nur ohne P-Konto.

Eigentlich kann bzw. darf man Kindergeld nicht pfänden. Wenn Sie also gerade aufgrund von Schulden eine Privatinsolvenz durchlaufen und befürchten, dass das monatliche Kindergeld als pfändbares Einkommen gilt und damit ein wichtiger Teil der familiären Versorgung wegfällt, können wir Sie beruhigen.

Anders als andere Sozial- oder Lohnersatzleistungen, die durchaus bis zu einer bestimmten Höhe gepfändet werden dürfen, ist Kindergeld nicht pfändbar. Allerdings sind Ausnahmen möglich, auf die wir weiter unten genauer eingehen möchten:

  • Es besteht kein P-Konto und es kommt zur uneingeschränkten Kontopfändung.
  • Das unterhaltsberechtigte Kind erhält das Geld nicht und kann deshalb die Pfändung erwirken.

Besonders problematisch ist es, wenn Ihr Konto noch nicht über einen Pfändungsschutz verfügt bzw. noch kein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) vorliegt. Das Kindergeld ist dann pfändbar, und zwar indirekt über eine Kontopfändung. Früher war das Kindergeld noch sieben Tage lang vor einer Pfändung geschützt, heute gilt diese Schonfrist nicht mehr. Dafür ist es aber unter Umständen möglich, das P-Konto rückwirkend einzurichten und so das Kindergeld zu retten.

Wenn Sie sich rechtzeitig um die Einrichtung eines P-Kontos bemühen und keine offenen Unterhaltsforderungen haben, ist das Kindergeld also nicht pfändbar.

Wenn es um die Einforderung gesetzlicher Unterhaltsansprüche geht, ist Kindergeld pfändbar

Darf oder kann Kindergeld überhaupt gepfändet werden? Nur wenn es um Unterhaltsansprüche des Kindes geht.
Darf oder kann Kindergeld überhaupt gepfändet werden? Nur wenn es um Unterhaltsansprüche des Kindes geht.

Im Regelfall haben Eltern ihren Kindern gegenüber eine Unterhaltspflicht, die bis zum 25. Lebensjahr des Kindes andauern kann. In dieser Zeit kann viel passieren. Nicht wenige unter 25-Jährige ziehen früh aus dem Elternhaus aus, um z. B. eine Ausbildung zu beginnen.

Das entbindet Eltern aber nicht von ihrer Pflicht, teilweise für den Lebensunterhalt des Kindes aufzukommen. Gesetzliche Regelungen zur Pfändbarkeit von Kindergeld finden sich im Ersten Sozialgesetzbuch (SGB I) und dem Einkommenssteuergesetz (EStG):

Der Anspruch auf Kindergeld kann nur wegen gesetzlicher Unterhaltsansprüche eines Kindes, das bei der Festsetzung des Kindergeldes berücksichtigt wird, gepfändet werden (§ 54 Abs. 5 Satz 1 SGB I und § 76 Satz 1 EStG).

Weigert sich der Verantwortliche, für den Unterhalt des Kindes zu sorgen, ist das Kindergeld pfändbar – aber eben nur durch den Unterhaltsberechtigten selbst. Doch wie viel von dem Kindergeld ist pfändbar, wenn mehrere Kinder im Haushalt leben? Da die Beträge je nach Anzahl der Kinder gestaffelt sind, wird das gesamte Kindergeld zu gleichen Stücken aufgeteilt.

Die Pfändung von Kindergeld ist also nur möglich, wenn es um gesetzliche Unterhaltsansprüche geht. Diese können unabhängig davon eingefordert werden, ob der Betroffene gerade eine Privatinsolvenz durchläuft oder nicht.
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