Was sind Lieferantenschulden und wie wird Bilanz gezogen?

Kurz & knapp: Das Wichtigste zu Lieferantenschulden

  1. Lieferantenschulden entstehen, wenn ein Unternehmen Verbindlichkeiten für Lieferungen oder Dienstleistungen eingeht.
  2. Bei Barkäufen können keine Lieferantenschulden entstehen, weil die Bilanz ohne Verzögerung gezogen wird und damit keine Verbindlichkeiten eingegangen werden.
  3. Wer Schulden bei seinen Lieferanten hat, muss unter Umständen mit einem Eintrag in der Schufa rechnen. Im schlimmsten Fall können die Lieferantenschulden die Insolvenz herbeiführen. juristische Personen (Unternehmen mit der Rechtsform GmbH oder AG) sind verpflichtet, diese rechtzeitig zu beantragen.
  4. Unternehmen sollten sich durch stichprobenartige Saldenbestätigungen vergewissern, dass die Lieferantenverbindlichkeiten nicht zur Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit führen.

Wie entstehen Lieferantenschulden?

Lieferantenschulden entstehen, wenn Lieferungen oder Leistungen in Anspruch genommen werden.
Lieferantenschulden entstehen, wenn Lieferungen oder Leistungen in Anspruch genommen werden.

Lieferantenschulden lassen sich nur vermeiden, wenn Betroffene die benötigte Ware oder Dienstleistung immer sofort bar bezahlen. Ansonsten gilt: Sobald eine finanzielle Verbindlichkeit eingegangen, aber nicht umgehend bezahlt wird, entstehen Schulden (in diesem Fall: Lieferantenschulden). Nur die Bilanz muss am Ende stimmen. Das bedeutet, solange ein Unternehmen liquide und damit in der Lage ist, diese Schulden zu begleichen, sind diese in der Regel unproblematisch.

Meist handelt es sich also um kurzfristige Lieferantenschulden. Bereits bei Abschluss der Verbindlichkeit wird deshalb ein Zahlungsdatum bzw. der Stichtag für die Bilanz genannt. Diese liegt normalerweise bei 14 bis 30 Tagen, in besonderen Fällen bei bis zu einem Jahr.

Problematisch wird es daher erst dann, wenn die Lieferantenschulden bis zum vereinbarten Zeitpunkt nicht bezahlt werden können.

Werden die Lieferantenschulden nicht beglichen, können Gläubiger Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa über das Zahlungsverhalten informieren, was unter Umständen einen Schufa-Eintrag zur Folge hat.

Lieferantenschulden können zur Insolvenz führen

Können Unternehmer die Lieferantenschulden regelmäßig nicht mehr bezahlen und geraten so in die Überschuldung, muss unter Umständen ein Insolvenzverfahren angestrengt werden. Ähnlich ging es 2012 einer deutschen Drogeriekette, die aufgrund von Lieferantenschulden in zweistelliger Millionenhöhe Insolvenz anmelden musste.

Problematisch wird es erst, wenn die Lieferantenschulden bis zur Bilanz nicht beglichen werden können.
Problematisch wird es erst, wenn die Lieferantenschulden bis zum Bilanz-Stichtag nicht beglichen werden können.

Insbesondere Unternehmen mit der Rechtsform GmbH oder AG sollten bei zunehmenden Lieferantenschulden schnell handeln, da die Insolvenzverschleppung strafbar ist.

Gemäß § 15a der Insolvenzordnung (InsO) muss in solchen Fällen unverzüglich nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung die Insolvenzeröffnung beantragt werden.

Eine Geld- oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren droht, wenn die Insolvenzeröffnung wegen Lieferantenschulden gar nicht, nicht rechtzeitig oder nicht richtig gestellt wurde (§ 15a Abs. 4 InsO).

Rechtzeitig feststellen, ob Lieferantenschulden zur Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit führen

Besonders kleine und mittelständische Unternehmen müssen ihre Finanzen sorgfältig im Auge behalten, damit eine Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit nicht zu spät auffällt. Um dem vorzubeugen, können stichprobenartig Saldenbestätigungen eingeholt werden.

Um sicherzugehen, dass Lieferantenschulden nicht etwa aufgrund nicht erhaltener Rechnungen oder Buchungsfehler entstehen, ist es ratsam, die Lieferanten gelegentlich zu kontaktieren und sich offene Forderungen bestätigen zu lassen.

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