Nachlassinsolvenzverfahren: Ablauf und Kosten

Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Nachlassinsolvenzverfahren

  1. Erben können nicht nur Vermögensmassen und Nachlassgegenstände, sondern auch Schulden erben. Um ihr eigenes Vermögen zu schützen, können Erben ein Nachlassinsolvenzverfahren eröffnen.
  2. Bei einem Nachlassinsolvenzverfahren wird ein Nachlassverwalter bestellt, der die gleichen Aufgaben hat wie ein Insolvenzverwalter. Im Rahmen des Nachlassinsolvenzverfahrens listet der Nachlassverwalter zunächst sämtliche Verbindlichkeiten auf und tritt mit den Gläubigern in Kontakt, um mögliche Tilgungsvorschläge zu unterbreiten.
  3. Ein Nachlassinsolvenzverfahren bringt Kosten für den Nachlassinsolvenzverwalter sowie Gerichtskosten mit sich.

Was ist ein Nachlassinsolvenzverfahren?

Erbe schützen: Ein Nachlassinsolvenzverfahren kann dabei helfen.
Erbe schützen: Ein Nachlassinsolvenzverfahren kann dabei helfen.

Nach deutschem Erbrecht geht bei einem Erbfall der Nachlass in das Eigentum der Erben über, die nach gesetzlicher oder gewillkürter Erbfolge erbberechtigt sind. Bei der Erbschaft handelt es sich aber nicht nur um Vermögensmassen und Nachlassgegenstände, sondern auch um offene Schulden des Erblassers.

Wenn der Erblasser überschuldet war, kann das Eigenvermögen der Erben angegriffen werden. In dem Fall dürfen die Nachlassgläubiger gegenüber den Nachlassempfängern ihre offenen Schulden einfordern.

Um Erben zu schützen, gibt es gemäß §§ 317 bis 319 der Insolvenzordnung (InsO) das Nachlassinsolvenzverfahren, das beim Insolvenzgericht beantragt werden kann. Nach § 1980 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) sogar dazu verpflichtet, ein Nachlassinsolvenzverfahren zu beantragen, wenn er eine solche Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit erkennt.

Für ein Nachlassinsolvenzverfahren kann der Antrag bei Erbengemeinschaft nur von einem Miterben erfolgen. Wenn das Nachlassinsolvenzverfahren eingeleitet wird, bleibt das Eigenvermögen der Erben unangetastet. Nur das Erbe kann für die Tilgung offener Forderungen eingesetzt werden.

Grundsätzlich muss durch das Nachlassinsolvenzverfahren der Erbe als Insolvenzschuldner gegenüber Gläubigern nur mit dem ihm zugesprochenen Nachlass haften und nicht mit seinem selbst erwirtschafteten Vermögen. Es erfolgt eine strenge Trennung der Vermögen:

  • das Vermögen, das der Erbe bereits vor dem Eintritt des Erbfalles besaß
  • das Ererbte

Gläubiger können demnach Forderungen nur in Bezug auf den Nachlass stellen. Das eigene Vermögen des Erben bleibt unangetastet.

Welchen Ablauf hat ein Nachlassinsolvenzverfahren?

Wie ist bei einem Nachlassinsolvenzverfahren der Ablauf?
Wie ist bei einem Nachlassinsolvenzverfahren der Ablauf?

Bei einem solchen Insolvenzverfahren wird ein Nachlassverwalter bestellt, der die gleichen Aufgaben hat wie ein Insolvenzverwalter. Im Rahmen des Nachlassinsolvenzverfahrens listet der Nachlassverwalter zunächst sämtliche Verbindlichkeiten auf und tritt mit den Gläubigern in Kontakt, um mögliche Tilgungsvorschläge zu unterbreiten.

Ist der Nachlass so wenig, dass die Schulden nicht komplett beglichen werden können, ist es die Aufgabe des Nachlassverwalters, mit den Gläubigern Absprachen zu treffen und sich zu einigen. Das Ziel beim Nachlassinsolvenzverfahren ist es, dass alle Gläubiger einen Großteil der Schulden zurückbekommen. Endet das Nachlassinsolvenzverfahren, ist die Restschuldbefreiung anzustreben.

Beim Nachlassinsolvenzverfahren wird keine Frist festgelegt.

Wie lange dauert ein Nachlassinsolvenzverfahren?
Beim Nachlassinsolvenzverfahren hängt die Dauer von der Anzahl der Gläubiger und den offenen Verbindlichkeiten ab und kann nicht pauschal vorher bestimmt werden.

Welche Kosten bringt ein Nachlassinsolvenzverfahren mit sich?

Wird ein Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet, entstehen zunächst Kosten für den Nachlassinsolvenzverwalter. Die Höhe der angemessenen Vergütung nach § 1987 BGB richtet sich nach der Profession des Verwalters sowie dem Umfang seiner Arbeit. Des Weiteren entstehen Gerichtskosten.

Steht von vornherein fest, dass der Nachlass nicht ausreicht, um die Kosten des Nachlassinsolvenzverfahren zu decken, kann die Eröffnung nach § 1981 BGB abgelehnt werden. Es ist auch möglich, das Erbe auszuschlagen, um die Kosten für das Nachlassinsolvenzverfahren zu umgehen.

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