Pfändungsfreigrenze: Was ist vor dem Gläubiger sicher?

Was ist für Sie der beste Weg aus den Schulden?
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten!
Online Schuldenanalyse →

Kurz und knapp: Das Wichtigste zum Thema „Pfändungsfreigrenze“

  1. Auch bei einer Gehaltspfändung oder bei der Privatinsolvenz darf nicht Ihr gesamtes Vermögen gepfändet werden, sondern nur jenes, das die Pfändungsfreigrenze übersteigt. Bei einer Kontopfändung gibt es hingegen keinen automatischen Pfändungsschutz, dieser muss eigens durch ein P-Konto beantragt werden.
  2. Wie hoch die Pfändungsfreigrenze zu veranschlagen ist, hängt davon ab, wie viel Sie verdienen und wie viele unterhaltsberechtigte Personen Sie mitzuversorgen haben.
  3. Bis zu welchem Betrag Ihre Einnahmen vor der Pfändung geschützt sind, können Sie der aktuellen Pfändungstabelle entnehmen.

Weitere Ratgeber zum Thema Pfändungsfreigrenze

Pfändungsfreigrenze für Ehepaare Pfändungsschutzgrenze

Wenn Schulden zum Problem werden

Nicht sämtliches Vermögen darf gepfändet werden. Wie hoch ist die Pfändungsgrenze?
Nicht sämtliches Vermögen darf gepfändet werden. Wie hoch ist die Pfändungsgrenze?

Seit Jahren steigt die Zahl der Personen an, die sich in Deutschland verschulden. Scheinbar war es nie einfacher sich Geld von den Kreditinstituten zu leihen und größere Anschaffungen zu tätigen, auf die so mancher verzichten müsste, sollte er die Summe gleich bezahlen. Die Werbung führt den Verbraucher zusätzlich in Versuchung und verspricht unschlagbare Angebote, die Sie bequem in Raten abstottern können.

All dies muss natürlich nicht zwangsläufig zum Problem werden, so lange Sie genügend Einnahmen haben, um die Schulden in der gesetzten Frist zu begleichen. Fatale Auswirkungen haben sie erst, wenn Sie sich finanziell übernommen haben oder sich Ihre finanzielle Situation unerwartet verschlechtert.

Kommen Sie Ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nach, können die Gläubiger einen Vollstreckungstitel beantragen, damit bspw. Ihr Lohn gepfändet wird. Allerdings darf nicht sämtliches Vermögen von Ihnen durch den Gerichtsvollzieher eingezogen werden. Alles unterhalb der sogenannten Pfändungsfreigrenze unterliegt dem Pfändungsschutz.

Die gesetzliche Grundlage zur Pfändungsfreigrenze

Im Internet können Sie sich den Pfändungsfreibetrag berechnen oder anhand der Tabelle ermitteln.
Im Internet können Sie sich den Pfändungsfreibetrag berechnen oder anhand der Tabelle ermitteln.

Dass das Arbeitseinkommen nicht komplett zur Schuldentilgung herangezogen werden kann, wird in § 850c Absatz 1 Satz 1 der Zivilprozessordnung (ZPO) mit der Pfändungsfreigrenze geregelt. Erst mit dem Teil des Gehalts, das den Pfändungsfreibetrag übersteigt, dürfen die Gläubiger entschädigt werden.

Diese Pfändungsschutzgrenze soll sicherstellen, dass dem Schuldner auch nach Abzug des pfändbaren Einkommens genug Vermögen erhalten bleibt, um davon eigenständig seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Somit soll verhindert werden, dass der Betroffene nach der Lohnpfändung auf Sozialleistungen angewiesen ist und somit indirekt die Allgemeinheit für die Schulden aufkommen muss. Hat er Frau und Kinder, die ebenfalls von seinem Gehalt abhängig sind, erhöht sich das ihm zustehende Existenzminimum.

Was ist für Sie der beste Weg aus den Schulden?
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten!
Online Schuldenanalyse →

Wie hoch ist der Pfändungsfreibetrag?

Wer wissen möchte, was von seinem Lohn bei einer drohenden Gehaltspfändung noch übrigbleibt, kann anhand der Pfändungstabelle die aktuelle Pfändungsfreigrenze herausfinden. Schließlich unterscheiden sich die pfändbaren Beträge je nach individueller Situation der Schuldner. Wie viel Geld Ihrem Gläubiger zusteht, hängt maßgeblich von zwei Faktoren ab:

  • Wie hoch ist Ihr Nettoeinkommen?
  • Wie viele Personen haben Anspruch auf Unterhalt?
So steigt die Pfändungsfreigrenze je mehr Unterhalt Sie zahlen müssen. Ein kleines Beispiel soll dies veranschaulichen. Der Pfändungsfreibetrag läge mit einem Kind bei 1.569,99 Euro, mit zwei Kindern hingegen bei 1.799,99 Euro, während die Pfändungsgrenze bei Kindesunterhalt mit einem dritten Kind bei 2.039,99 Euro enden würde. Liegt Ihr Nettoeinkommen unterhalb dieses Betrags, ist es vor der Pfändung geschützt. Zum Vergleich: Bei einer alleinstehenden Person beliefe sich die Pfändungsfreigrenze lediglich auf 1.139,99 Euro.
Auch bei der Privatinsolvenz gibt es eine Pfändungsfreigrenze, damit Sie nicht auf Sozialleistungen angewiesen sind.
Auch bei der Privatinsolvenz gibt es eine Pfändungsfreigrenze, damit Sie nicht auf Sozialleistungen angewiesen sind.

Die Pfändungsfreigrenze für ein Ehepaar wäre ebenfalls höher als bei Alleinstehenden, da der Schuldner dem Partner auch Unterhalt gewähren müsste. Damit läge die Pfändungsfreigrenze, wenn Sie verheiratet sind, bei 1.569,99 Euro. Die Pfändungsgrenze bei Verheirateten unterscheidet sich somit nicht von der mit einem unterhaltsberechtigten Kind.

Da viele Rentner von Altersarmut bedroht sind, fragen sie sich, ob es auch eine Pfändungsgrenze für die Rente gibt oder ob diese überhaupt gepfändet werden darf. Da die Rente als Einkommen gewertet wird, kann sie auch von einer Pfändung betroffen sein. Die Pfändungsgrenze bei Rentnern unterscheidet sich nicht von berufstätigen Schuldnern, sondern ist nur davon abhängig, ob sie alleinlebend oder verheiratet sind. Hinterbliebenenrente und Altersvorsorge werden in der Regel nicht gepfändet – lediglich, wenn sie die Pfändungsfreigrenze für Rentner übersteigen sollten.

Die Pfändungsfreigrenze lässt sich mithilfe der Tabelle leicht ermitteln. Es gibt im Internet allerdings auch spezielle Rechner, durch die Sie erfahren, welcher Betrag von Ihrem Verdienst gepfändet werden kann.

Zwar müssen Sie die Rechnung nicht selbst durchführen, dafür ist Ihr Arbeitgeber zuständig, der auch den ermittelten Anteil Ihres Gehalts direkt dem Gläubiger überweist, allerdings kann auch Ihrem Chef ein Fehler unterlaufen. Prüfen Sie deshalb, ob Ihr Wert und der Ihres Arbeitgebers übereinstimmen. Es ist nämlich durchaus möglich, dass er die Zahl Ihrer Unterhaltsberechtigten nicht immer im Kopf hat.

Wer sich wegen seiner Schulden mit dem Gedanken trägt, Privatinsolvenz anzumelden, dem wird die Pfändungsfreigrenze wieder begegnen. Bei einer Privatinsolvenz ist die Pfändungsgrenze sogar die gleiche, wie bei der gewöhnlichen Gehaltspfändung. Dadurch, dass auch hier nicht das gesamte Vermögen der Pfändung anheimfällt, ist der Schuldner auch in der Insolvenz – dank Pfändungsgrenze – in der Lage seinen Lebensunterhalt selbst zu bestreiten.

Können Sie die Pfändungsfreigrenze erhöhen?

In der Tat ist es unter Umständen möglich, den Pfändungsfreibetrag erhöhen zu lassen. Reicht der geschützte Betrag unterhalb der Pfändungsfreigrenze nicht aus, damit Sie die notwendigen Ausgaben für Miete, Strom, Wasser oder Nahrung leisten können, besteht die Chance, dass die Grenze nach oben verrückt wird. Ziel ist es, dass Sie Ihre Lebenshaltungskosten alleine tragen können.

Die Pfändungsfreigrenze erhöht sich mit 1 Kind auf 1.569,99 Euro.
Die Pfändungsfreigrenze erhöht sich mit 1 Kind auf 1.569,99 Euro.

Zunächst einmal müssen Sie einen mündlichen oder schriftlichen Antrag auf Anhebung der Pfändungsfreigrenze beim Vollstreckungsgericht stellten. Handelt es sich um einen öffentlichen Gläubiger (z.B. das Finanzamt), ist der Antrag bei selbigem einzureichen. In jedem Fall empfiehlt es sich, nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen. Es gilt zwar keine Fristen einzuhalten, aber dafür wird die Anhebung erst mit dem Tag der Antragstellung gewährt und nicht rückwirkend.

Dem Antrag ist außerdem eine Bedarfsbescheinigung beizulegen, aus der der Bedarf des Schuldners hervorgeht. Für die Ermittlung desselben ist es notwendig, alle für den Lebensunterhalt relevanten Kosten zusammenzutragen. Eine solche sozialhilferechtliche Bedarfsbescheinigung kann sowohl eine Schuldnerberatung als auch das Sozialamt ausstellen.

Außerdem sollten Sie Kopien der betreffenden Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse vorlegen. Auch Angaben zur Miethöhe und den bestehenden Versicherungen sollten ebenso wenig fehlen wie die Nachweise zum Einkommen.

Mit der Bedarfsbescheinigung wurde zwar bereits ermittelt, welche Einnahmen zur Abdeckung des Existenzminimums nötig wären, aber das Vollstreckungsgericht kann den Anspruch des Schuldners selber prüfen und mitunter auch auf andere Werte kommen. Wird dem Antrag stattgegeben, wird die Pfändungsfreigrenze für den Betroffenen erhöht, sodass er künftig mehr Geld in der Tasche hat. Wird er abgewiesen oder sind die Antragsteller nicht mit der neuen Festsetzung einverstanden, können sie innerhalb von zwei Wochen Beschwerde gegen die Entscheidung einlegen.

Wann ist eine Erhöhung der Pfändungsfreigrenze möglich?

  • Wird Unterhalt gezahlt, erhöht sich die Pfändungsfreigrenze.
  • Erhält der Betroffene für gemeinsame Kinder Kindergeld, wird die Grenze entsprechend angepasst.
  • Zahlen Sie Unterhalt an Dritte, auch wenn Sie dazu nicht gezwungen sind (z. B. Geschwister), kann die Pfändungsfreigrenze ebenfalls erhöht werden.
  • Bei besonderen Kosten, bspw. für eine besondere Ernährung oder für Klassenfahrten, können die Freibeträge ebenfalls angepasst werden.
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (31 Bewertungen, Durchschnitt: 4,42 von 5)
Loading...
Was ist für Sie der beste Weg aus den Schulden?
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten!
Online Schuldenanalyse →

Ersten Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.