Wie können private Schulden ohne Vertrag eingefordert werden?

Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Thema „private Schulden“

  1. Private Schulden stellen auch ohne Vertrag finanzielle Verbindlichkeiten dar, die eingefordert werden können. Die wichtigsten Regelung diesbezüglich finden sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).
  2. Wenn freundliches Bitten nicht hilft, sollten Betroffene ihr Geld zunächst schriftlich einfordern (Mahnung). Im schlimmsten Fall können die Privatschulden nur noch über eine Klage zurückgefordert werden.
  3. Auch bei Privatschulden kann eine Verjährung eintreten. Die Frist dafür beträgt drei Jahre, kann jedoch durch z. B. ein eingeleitetes Insolvenzverfahren gehemmt werden.

Privatschulden ohne Vertrag einfordern: Erste Schritte

Wenn Freunde oder Verwandte um Geld fragen, möchten die meisten ihre Hilfe nicht verwehren. Allerdings besteht trotz aller Freundschaft immer ein Risiko, private Schulden nicht einfordern zu können.

Privatschulden: In Deutschland vor allem durch das BGB geregelt.
Privatschulden: In Deutschland vor allem durch das BGB geregelt.

Schulden, die bei einem Unternehmen anfallen (z. B. unbezahlte Rechnungen oder Beiträge), können normalerweise durch einen entsprechenden Vertrag (z. B. Kaufvertrag) nachgewiesen werden. Auch sind in der Regel die Rechtsfolgen bei Nichteinhaltung der Verbindlichkeit vertraglich festgehalten. Was private Schulden so problematisch macht ist, dass die Angelegenheit meist bar und ohne Vertrag abgewickelt wird.

Zwar gelten private Schulden in Deutschland auch ohne Vertrag als finanzielle Verbindlichkeit, jedoch gestaltet es sich im Zweifelsfall schwierig, den genauen Betrag oder die vereinbarten Bedingungen nachzuweisen. Im Streitfall kann es deshalb helfen, Zeugen zu benennen oder relevante Belege (z. B. Kontoauszüge) zur Hand zu haben.

Der Freundschaft zuliebe können Sie natürlich mündlich an die Schulden erinnern. Sicherer wäre es allerdings, private Schulden schriftlich und unter Angabe einer Frist zurückzufordern. Dieser Schritt ist wichtig, damit sich der Schuldner später nicht etwa auf die Verjährung berufen kann.

Die private Verschuldung in Deutschland nimmt laut Schuldner-Atlas zu. Die Hauptursachen für Überschuldung sind vor allem unvorhersehbare Umstände wie Arbeitslosigkeit, Krankheit und Trennung.

Private Schulden eintreiben mit einem Anwalt

Verjährung von Schulden, die privat gemacht wurden: Gibt es das?
Verjährung von Schulden, die privat gemacht wurden: Gibt es das?
Grundsätzlich ist es ratsam, bereits beim ersten Mahnschreiben einen Anwalt zu konsultieren, damit das Prozedere von Anfang an rechtlich in Ordnung ist. Hat jedoch alles Bitten und Mahnen nichts gebracht, lassen sich private Schulden auch einklagen.

Ein Anwalt kann zunächst klären, ob und wie die Privatverschuldung im Streitfall belegt werden kann. Es gibt beispielsweise die Möglichkeit, den Schuldner zur Unterzeichnung eines notariellen Schuldanerkenntnisses zu bewegen. Darin können Sie dann unter anderem eine Ratenzahlung vereinbaren.

Der letzte Weg, private Schulden zurückzufordern, ist die Klageerhebung. Weil diese mit erheblichen Kosten verbunden ist, sollte ein Anwalt vorab die Erfolgsaussichten abwägen. Das zuständige Gericht ist vom Streitwert abhängig. Bei Beträgen bis 5000 Euro sollten Sie beim Amtsgericht Klage erheben. Bei Beträgen über 5000 Euro ist das Landgericht zuständig.

Verjährungsfrist: Wann verjähren Schulden bei Privatpersonen?

Die Verjährung von Privatschulden tritt nach § 199 BGB nach drei Jahren ein. Dabei beginnt die Frist erst mit Schluss des Jahres, in dem der Anspruch (hier: private Schulden) entstanden ist oder in dem der Gläubiger Kenntnis über den Anspruch erlangte.

Beispiel: Sie machen im Februar private Schulden bei einem Bekannten. Die Verjährungsfrist beginnt aber erst mit dem Ende des Jahres (also dem 31. Dezember).

Nach der Verjährung können Sie private Schulden kaum mehr einklagen.
Nach der Verjährung können Sie private Schulden kaum mehr einklagen.

Nun ist es nicht nur eine moralische Frage, ob Sie private Schulden einfach verjähren lassen können. Zu beachten ist, dass die Frist auch gehemmt werde kann und sich folglich verlängert. Das ist nach §§ 203-209 BGB zum Beispiel dann der Fall, wenn …

  • noch über die Verbindlichkeiten verhandelt wird,
  • der Gläubiger (hier: der Bekannte, bei dem Sie private Schulden aufnehmen) Klage erhebt oder einen Mahnbescheid schickt,
  • ein Verfahren zur Schlichtung der Angelegenheit begonnen hat,
  • ein selbstständiges Beweisverfahren beantragt wurde oder
  • ein Insolvenzverfahren eingeleitet wurde. (Liste nicht abschließend).

In manchen Fällen beträgt die Verjährungsfrist nicht drei sondern 30 Jahre:

  • Ansprüche aus einem Insolvenzverfahren
  • Schadenersatzansprüche (bei Verletzung von Körper, Leben, Gesundheit oder Freiheit)
  • Titulierte Ansprüche (Urteil oder Vollstreckungsbescheid)
  • Erb- oder familienrechtliche Ansprüche
Bei den genannten Forderungen handelt es sich jedoch selten um private Schulden. Wann die Verjährung eintritt, kann im Einzelfall ein Anwalt beurteilen.
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