Privatinsolvenz: Auf welchen Ablauf müssen Schuldner sich einstellen?

Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Ablauf einer Privatinsolvenz

  1. Die Privatinsolvenz hat festgelegte Bestandteile: außergerichtliche Schuldenregulierung, Verfahrenseröffnung, Wohlverhaltensphase und Restschuldbefreiung.
  2. Die Restschuldbefreiung kann auch verwehrt bleiben, wenn der Schuldner sich nicht an die Bedingungen der Wohlverhaltensphase hält.
  3. Unter Umständen kann die Privatinsolvenz auf drei oder fünf Jahre Dauer reduziert werden.

Wie läuft eine Privatinsolvenz ab?

Die Privatinsolvenz verunsichert viele - den Ablauf zu kennen, kann helfen.
Die Privatinsolvenz verunsichert viele – den Ablauf zu kennen, kann helfen.
Für Insolvenzgerichte ist die Privatinsolvenz meist Routine. Der Schuldner dagegen befindet sich nicht nur finanziell, sondern auch emotional in einer extrem angespannten Situation. Zudem stehen am Anfang einer Privatinsolvenz viele Ängste: Wie funktioniert eine Privatinsolvenz? Wie läuft ein Insolvenzverfahren ab? Was passiert bei einer Privatinsolvenz? Da kann es sehr hilfreich sein, über das Verfahren der Privatinsolvenz und dessen Ablauf Bescheid zu wissen.

Übersicht über die Privatinsolvenz: Verfahrensablauf

Jede Privatinsolvenz hat denselben Verlauf, muss aber nicht immer mit der Restschuldbefreiung enden. Welche Bestandteile sind typischerweise in einer Privatinsolvenz anzutreffen?

Schritt 1: Außergerichtliche Schuldenregulierung

Der Ablauf der Privatinsolvenz folgt immer demselben Muster. Am Anfang steht der außergerichtliche Einigungsversuch mit den Gläubigern. Mit Hilfe einer Schuldnerberatung wird versucht, einen Plan zur Regulierung der Schulden zu erstellen, der sowohl den Schuldner als auch die Gläubiger zufriedenstellt. Der Vorteil einer solchen Einigung liegt vor allem in der Kosten- und Zeitersparnis, denn eine Privatinsolvenz ist langwierig und nicht billig.

Erst mit einer Bescheinigung nach § 305 der Insolvenzordnung (InsO) über das Scheitern des Einigungsversuchs, die staatlich anerkannte Schuldnerberatungen ausstellen können, ist es überhaupt möglich, das Insolvenzverfahren zu beantragen.

Wenden Sie sich aus diesem Grund im Vorfeld immer an eine Schuldnerberatungsstelle, damit die Privatinsolvenz einen geordneten Ablauf nehmen kann. Dies kann eine kostenlose Schuldnerberatung (z.B. staatliche Beratungen, von kirchlichen Trägern oder Wohlfahrtsverbänden), ein Rechtsanwalt oder auch eine gewerbliche Schuldnerberatung sein. Prüfen Sie jedoch insbesondere bei Letzteren, ob die Schuldnerberatung seriös und nach § 305 InsO anerkannt ist!

Schritt 2: Antrag und Eröffnung des Verfahrens

Wie funktioniert die Privatinsolvenz? Im Vorfeld müssen Unterlagen eingereicht werden.
Wie funktioniert die Privatinsolvenz? Im Vorfeld müssen Unterlagen eingereicht werden.
Der Antrag zur Privatinsolvenz muss beim Amtsgericht des Wohnortes des Schuldners eingehen. Folgende Unterlagen sind beizufügen:

  • Bescheinigung über das Scheitern des außergerichtlichen Einigungsversuches
  • Antrag auf Erteilung der Restschuldbefreiung bzw. Verzicht auf die Restschuldbefreiung
  • Vermögensverzeichnis des Schuldners
  • Gläubiger- und Forderungsverzeichnis
  • Schuldenbereinigungsplan

Insbesondere den Schuldenbereinigungsplan prüft das Gericht auf seine Durchführbarkeit. Nur, wenn diese gegeben ist, nimm die Privatinsolvenz ihren Verlauf. Zusätzlich kann auch der Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten sinnvoll sein.

Das Gericht verschickt den Bereinigungsplan und die Vermögensübersicht an alle Gläubiger. Dies ist Teil von jeder Privatinsolvenz und ihrem Ablauf. Mindestens 50 Prozent müssen zustimmen, dann kann das Gericht die Zustimmung der restlichen Gläubiger auf Antrag ersetzen.

Schritt 3: Das eigentliche Privatinsolvenzverfahren

Zwischen Antragstellung und Verfahrenseröffnung vergehen etwa fünf bis sechs Wochen. Das anschließende Verfahren ist die eigentliche Privatinsolvenz. Der Ablauf ist meist derselbe. Der durch das Gericht eingesetzte Treuhänder beginnt mit der Erstellung einer Insolvenztabelle und der Pfändung des pfändbaren Anteils des Schuldnervermögens.

Der Treuhänder ist als Vermögensverwalter für die ordnungsgemäße Durchführung der Privatinsolvenz und der anschließenden Ausschüttung verantwortlich. Er wahrt sowohl die Rechte des Schuldners als auch der Gläubiger.

Pfändbare Besitztümer des Schuldners werden veräußert. Der sich daraus ergebende Erlös und das pfändbare Vermögen werden nach Abzug der Verfahrenskosten und der Treuhändervergütung anteilig an die Gläubiger ausgeschüttet.

Schritt 4: Die Wohlverhaltensphase

Die Wohlverhaltensphase ist im Ablauf vom Privatinsolvenzverfahren die längste Periode und währt mehrere Jahre. In dieser Zeit muss der Schuldner verschiedene Auflagen erfüllen. Dazu gehören beispielsweise:

Im Verlauf der Privatinsolvenz muss in der Regel gearbeitet werden.
Im Verlauf der Privatinsolvenz muss in der Regel gearbeitet werden.
  • Erwerbsobliegenheit: Der Schuldner muss alles ihm mögliche tun, um eine Erwerbstätigkeit zu finden bzw. auszuüben. Er muss jede zumutbare Arbeit annehmen. Dies gilt für jede Privatinsolvenz / den gesamten Ablauf.
  • Auskunftspflicht: Der Schuldner ist verpflichtet, jedwede Änderung seiner Vermögensverhältnisse (Wechsel/Verlust der Arbeitsstelle, Gehaltserhöhung, Erbschaften, Nebeneinkünfte etc.) dem Treuhänder und dem Insolvenzgericht melden. Auch ein Umzug fällt unter die Auskunftspflicht.
  • Einkommensabtretung: Während dem weiteren Verlauf der Privatinsolvenz muss der Schuldner den pfändbaren Teil seines Einkommens an den Treuhänder abtreten. Dieser schüttet die Beträge jährlich abzüglich der Verfahrenskosten an die Insolvenzgläubiger aus.

Anhand der offiziellen Pfändungstabelle können Schuldner ermitteln, welche Beträge ihres Nettoeinkommens pfändbar sind. Berücksichtigt werden zudem die Anzahl der unterhaltsberechtigten Personen. Die Pfändungsfreigrenze liegt aktuell bei 1140 Euro (Stand 2018).

Vorteil der Privatinsolvenz ist, dass während des Verfahrens die Gläubiger keine weiteren Zwangsvollstreckungsmaßnahmen gegen den Schuldner durchsetzen können!

Schritt 5: Die Restschuldbefreiung

Wie verläuft eine Privatinsolvenz? Ihr Ablauf endet nicht in jedem Fall mit der Restschuldbefreiung. Nur redlichen Schuldnern wird diese nach § 1 Satz 2 InsO gewährt. Außerdem kann es vorkommen, dass bereits alle Schulden bezahlt wurden.

Im Verfahren der Privatinsolvenz ist meist, aber nicht immer mit dem Schuldenerlass zu rechnen.
Im Verfahren der Privatinsolvenz ist meist, aber nicht immer mit dem Schuldenerlass zu rechnen.

Versagung der Restschuldbefreiung

Nach § 290 InsO kann die Restschuldbefreiung verwehrt werden, wenn

  • der Schuldner wegen einer Insolvenzstraftat rechtskräftig verurteilt wurde.
  • der Schuldner vorsätzlich bzw. grob fahrlässig unrichtige Angaben in den Vermögens-, Forderungs- oder Gläubigerverzeichnissen gemacht hat.
  • der Schuldner seine Auskunfts- und Mitwirkungspflicht verletzt hat.
  • der Schuldner durch eigene Schuld seine Erwerbsobliegenheit verletzt hat.

Die Restschuldbefreiung kann entsprechend auf Antrag, etwa eines Gläubigers im Schlusstermin versagt werden.

Grundsätzlich von der Restschuldbefreiung nicht betroffen sind Steuerschulden aus Steuerstraftaten sowie rückständige Unterhaltszahlungen. Diese müssen unabhängig vom Insolvenzverfahren weiterhin abgegolten werden!

Erteilung der Restschuldbefreiung

Die Gewährung der Befreiung von allen restlichen, noch nicht bezahlten Schulden ist für den Schuldner meist eine große Erleichterung. Denn damit gilt er als schuldenfrei.

Ist die Privatinsolvenz im Ablauf erstmal geschlossen, gleicht die Restschuldbefreiung daher oftmals einem Neustart im Leben der Betroffenen, nicht nur finanziell. Aber auch rechtlich hat der Schuldenerlass einige positive Auswirkungen für den Schuldner.

Die Restschuldbefreiung gilt grundsätzlich nicht nur für die Insolvenzgläubiger – auch Gläubiger, die nicht an der Privatinsolvenz teilgenommen haben, können nach einer Restschuldbefreiung keine offenen Forderungen mehr eintreiben. Offene Forderungen können durch den Schuldner jedoch noch freiwillig beglichen werden.

Nach der Privatinsolvenz: Was passiert mit SCHUFA-Einträgen?

Negative SCHUFA-Einträge werden mit einem Erledigungsvermerk versehen, wenn die Restschuldbefreiung am Ende der Privatinsolvenz eintritt. Nach Ablauf von drei Jahren erfolgt die vollständige Löschung. Damit ist auch die Kreditwürdigkeit des ehemaligen Schuldners wiederhergestellt.

Wie lange läuft eine Privatinsolvenz?

In der Privatinsolvenz hängt die Dauer vom Verfahren von der Höhe der Rückzahlungen ab.
In der Privatinsolvenz hängt die Dauer vom Verfahren von der Höhe der Rückzahlungen ab.
Ein privates Insolvenzverfahren hat einen Ablauf, der sich in der Regel nicht verändert. Auch die Dauer ist vorgeschrieben, kann jedoch seit 2014 variieren. Seitdem ist es möglich, die Insolvenz auch zu verkürzen – unter bestimmten Bedingungen.

Ohne die verkürzte Laufzeit dauert es etwa sechs Jahre bis zum Erlass der Schulden. Das eigentliche Gerichtsverfahren benötigt davon etwa ein Jahr.

Eine Verkürzung der Wohlverhaltensphase auf fünf Jahre ist möglich, wenn bis zu diesem Zeitpunkt alle Verbindlichkeiten der Verfahrenskosten abbezahlt sind.

Eine Verkürzung auf drei Jahre ist möglich, wenn alle Verfahrenskosten und mindestens 35 Prozent aller Forderungen der Insolvenzgläubiger beglichen sind.

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2 Comments

  1. Wilfried P. said:

    Hallo, un wertes Team !
    Zunächtst sioll ich als Rentner eine Eidesstatliche Erklärung abgeben, über einen Fon den es namentlich so nicht gibt. Des witeren liegen mir in der Gerichtlichen Auseinandersetzungen bis heute nicht vor. Mein Anwalt ist einfach nicht zu sprechen.
    Alle Information und Korrespondenzen erfolgten über das Internet .
    Zur Sache !
    Es geht um eine Schiffsankage / Tonagesteuer. Geplant als Rentenausgleich meiner Frau. Der Fon war auf 17 Jahre angelegt . Wert der Anlage 40.000€. Gezahlt wurden 6000€ Es hat inzwischen Verhandlunge vor dem LG O. sowie dem LG . gegeben, deren Verlauf mir bis heute nicht vorliegt,
    Es geht hier um Betrug , Täschung und und vorsätzliche falsche Prospekt Auslegung.
    Nun werde ich über den Insolvensverwalter aufgefordert eine Eidestattliche Erklärung abzugeben deren Nahmenlicher Fon mir nich bekannt ist.
    Darf ich die Aussage verwiegern ohne die rechlichen Konsequenzen verantworten zu müssen.

    Anlage zum Schreiben
    Meine Schufa 100% sauber
    Kene Verbindlichkeiten

    Auf eine erfreuliche E Mail
    Wilfried P.

    12. Mai 2018
    Reply
    • schuldnerberatung.com said:

      Hallo Wilfried,

      wir dürfen an dieser Stelle keine kostenlose Rechtsberatung anbieten und müssen Sie deshalb an einen Anwalt verweisen.

      Ihr Team von schuldnerberatung.com

      3. Juli 2018
      Reply

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