Privatinsolvenz: Haben Gläubiger besondere Rechte?

Von schuldnerberatung.com, letzte Aktualisierung am: 22. November 2020

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Kurz & knapp: Das Wichtigste zu „Rechte der Gläubiger im Insolvenzverfahren“

Welche Rechte haben Gläubiger in der Privatinsolvenz?

Insolvenzgläubiger dürfen z. B. den Insolvenzantrag stellen und Akteneinsicht beantragen. Mehr zu den Rechten von Insolvenzgläubigern erfahren Sie, wenn Sie hier klicken.

Haben in der Privatinsolvenz alle Gläubiger dieselben Rechte?

Nein, es gibt eine Rangordnung. Manchen Gläubigern werden besondere Rechte zuteil (z. B. Aussonderungsrecht). Klicken Sie hier, um mehr zu diesen Rechten nachzulesen.

Dürfen Gläubiger vom Insolvenzverwalter Informationen über den Schuldner anfordern?

Nein. Allerdings gibt es die Möglichkeit, beim Insolvenzgericht Akteneinsicht zu beantragen.

Die Rechte der Gläubiger im Insolvenzverfahren hängen von deren Rang ab

Privatinsolvenz: Haben Gläubiger besondere Rechte?
Privatinsolvenz: Haben Gläubiger besondere Rechte?

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens obliegt es dem Insolvenzverwalter, die Forderungen der Gläubiger aus der Insolvenzmasse des Schuldners zu befriedigen. Dabei gilt Gleichberechtigung. Das heißt, keiner der Gläubiger darf bevorzugt behandelt werden. Ein Schuldner macht sich sogar strafbar, wenn er bestimmte Gläubiger begünstigt, also Zahlungen am Insolvenzverwalter vorbei leistet.

Allerdings haben im Zuge einer Privatinsolvenz nicht alle Gläubiger dieselben Rechte. Die Gleichberechtigung gilt innerhalb eines Ranges. Dieser richtet sich wiederrum nach der Art der Forderungen. Folgende Rechte hält die Insolvenzordnung (InsO) für bestimmte Gläubiger bereit:

  1. Aussonderungsrecht gem. § 47 InsO: Befindet sich in der Insolvenzmasse ein Gegenstand, der dem Schuldner gar nicht gehört, hat dessen Eigentümer das Recht, diesen zurückzuverlangen. Er ist dann ein sogenannter aussonderungsberechtigter Gläubiger.
  2. Absonderungsrechte gem. §§ 49-52 InsO: Ein absonderungsberechtigter Gläubiger sind Inhaber bestimmter, zur Insolvenzmasse gehörender Rechte (z. B. Pfandrecht unbeweglicher Gegenstände aus der Insolvenzmasse). Üblicherweise wird entsprechender Gegenstand (z. B. eine Immobilie) verwertet (z. B. bei einer Zwangsversteigerung). Das Absonderungsrecht stellt sicher, dass der Inhaber des Pfandrechts zuerst aus dem Erlös befriedigt wird.
  3. Recht auf bevorzugte Berichtigung von Masseverbindlichkeiten gem. § 53-55 InsO: Dieses Recht haben nur sog. Massegläubiger, also Gläubiger, deren Forderungen aus Masseverbindlichkeiten stammen. Dazu gehören beispielsweise die Kosten des Insolvenzverfahrens oder die Vergütung des vorläufigen Insolvenzverwalters.

Abschließend gibt es noch die Gruppe der Insolvenzgläubiger und der Insolvenzgläubiger mit nachrangigen Forderungen in der Privatinsolvenz. Diese Gläubiger stehen nicht ohne Rechte da, wie wir im nachfolgenden Abschnitt näher erläutern werden.

Üblicherweise winkt dem Schuldner unter bestimmten Voraussetzungen nach sechs Jahren (ggf. ist eine Verkürzung möglich) die Restschuldbefreiung. Diese ist oft zum Nachteil der Gläubiger, weil nicht alle Schulden beglichen werden. Sofern wichtige Gründe vorliegen (z. B. wenn der Schuldner seinen Obliegenheiten nicht nachgekommen ist), können die Gläubiger die Versagung der Restschuldbefreiung beantragen.
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Diese Rechte haben Gläubiger im Insolvenzverfahren

Gläubigerrechte in der Insolvenz: Gläubiger dürfen z. B. Akteneinsicht beantragen.
Gläubigerrechte in der Insolvenz: Gläubiger dürfen z. B. Akteneinsicht beantragen.
  • Antragsrecht: Nicht nur Schuldner dürfen Privatinsolvenz anmelden. Gläubiger sind ebenso antragsberechtigt. Sie müssen dann allerdings glaubhaft machen, dass ein Eröffnungsgrund vorliegt bzw. ob und welches rechtliche Interesse sie daran haben, dass der Schuldner den Weg der Privatinsolvenz einschlägt.
  • Teilnahme am Prüfungstermin: Gläubiger dürfen zum Prüfungstermin erscheinen.
  • Akteneinsicht: Insolvenzgläubiger dürfen Akteneinsicht beim Insolvenzgericht beantragen.
  • Informationsrecht in der Privatinsolvenz: Beteiligte Gläubiger haben zwar Rechte, der Zugang zu Informationen über eventuelle Änderungen in den Lebens- und Vermögensumständen des Schuldners gehört jedoch nicht dazu. Diese Angaben sind seitens des Schuldners gegenüber den Insolvenzgläubigern freiwillig. Informationen erhalten Gläubiger höchstens über die oben genannte Akteneinsicht oder – falls vorhanden – die Gläubigerversammlung.
  • Geltendmachung der Forderungen nach Insolvenzaufhebung: Laut § 201 InsO haben Gläubiger im Falle einer Aufhebung des Insolvenzverfahrens das Recht, die erhobenen Forderungen wieder vollumfänglich durchzusetzen.
Wichtig in der Privatinsolvenz: Gläubiger müssen ihre Rechte auch geltend machen, indem sie ihre Forderungen zu Beginn des Verfahrens anmelden. Nachrangige Gläubiger (vgl. § 39 InsO) sind hier rechtlich sehr beschränkt. Ihre Forderungen werden zuletzt berücksichtigt, also nachdem alle anderen Gläubiger bedient wurden. Sie erhalten selten etwas zurück und dürfen ihre Forderungen auf ausdrückliche Aufforderung des Insolvenzgerichts anmelden.
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