Privatinsolvenz als Hartz-4-Empfänger – Ihre Mitarbeit ist gefragt

Kurz & knapp: Das Wichtigste zur Privatinsolvenz bei Hartz-4-Bezug

  1. Eine Privatinsolvenz mit gleichzeitigem Hartz-4-Bezug ist möglich. Oftmals ist sie für betroffene Schuldner der einzige Weg aus der Schuldenfalle.
  2. Können Betroffene die Kosten für das Verfahren nicht selbst tragen, müssen sie rechtzeitig einen Stundungsantrag stellen.
  3. Während der Privatinsolvenz müssen sich Hartz-4-Empfänger ernsthaft darum bemühen, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen.

Arbeitslose sind besonders oft von Schulden betroffen

Privatinsolvenz und Hartz-4-Bezug schließen sich nicht aus.
Privatinsolvenz und Hartz-4-Bezug schließen sich nicht aus.
Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes stellt die Arbeitslosigkeit den häufigsten Auslöser für die Anhäufung von Schulden sowie eine Überschuldung dar. Von Letzterem wird gesprochen, wenn das Einkommen nicht mehr dazu ausreicht, um die finanziellen Verpflichtungen, wie etwa Raten für einen Kredit, zu bezahlen.

Dieser Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Schulden bzw. Überschuldung ist nicht verwunderlich. Verliert eine Person plötzlich ihren Job, entfällt das regelmäßige Einkommen. Posten, die zuvor ohne Schwierigkeiten bezahlt werden konnten, werden dann zum Problem.

Dies gilt vor allem für Hartz-4-Empfänger. Sie müssen ihren Lebensunterhalt mit dem Regelsatz bestreiten, der es ihnen in der Regel nicht möglich macht, Geld beiseite zu legen, mit welchem Schulden getilgt werden könnten. Eine Privatinsolvenz ist für Hartz-4-Empfänger deshalb häufig der einzige Weg aus den Schulden.

Hartz 4 und Privatinsolvenz: Wann können Sie ein Verfahren anmelden?

Eine private Insolvenz und der Hartz-4-Bezug schließen sich nicht aus. Auch wenn Schuldner über kein Vermögen oder Einkommen verfügen, mit welchem die Forderungen der Gläubiger zumindest zum Teil befriedigt werden können, steht ihnen die Privatinsolvenz offen. Hierfür müssen jedoch einige wichtige Schritte durchlaufen werden.

Bevor die Privatinsolvenz von einem Hartz-4-Empfänger angemeldet werden kann, müssen seine Gläubiger kontaktiert werden. Der Schuldner muss versuchen, mit ihnen eine außergerichtliche Einigung zur Schuldenbereinigung zu finden. Hierbei ist die Beratung durch eine offizielle Schuldnerberatung oder einen Anwalt unverzichtbar. Erst danach kann die private Insolvenz beim zuständigen Insolvenzgericht angemeldet werden.

Während viele gemeinnützige Schuldnerberatungsstellen eine kostenfreie Beratung anbieten, muss ein Anwalt für seine Dienste bezahlt werden. Solche Kosten können Hartz-4-Empfänger in der Regel nicht selbst aufbringen. Sie haben jedoch die Möglichkeit, einen Beratungshilfeschein zu beantragen. Nach einer Zahlung von 15 Euro ist die folgende Beratung durch den Anwalt dann kostenlos.

Darauf ist bei der Privatinsolvenz bei Hartz-4-Bezug zu achten

Während der Privatinsolvenz müssen sich Hartz-4-Empfänger um einen Job bemühen.
Während der Privatinsolvenz müssen sich Hartz-4-Empfänger um einen Job bemühen.
Eine Privatinsolvenz wird nur dann durchgeführt, wenn im Vorhinein abzusehen ist, dass die Kosten für das Verfahren vom Schuldner getragen werden können. Hartz-4-Empfänger verfügen jedoch meist nicht über das benötigte finanzielle Polster, um diese Voraussetzung für die Privatinsolvenz zu erfüllen. Trotzdem können Sie eine private Insolvenz durchlaufen. Hierzu ist es jedoch nötig, dass Sie bereits bei der Anmeldung einen Antrag auf Stundung der Kosten für das Verfahren stellen.

Eine Privatinsolvenz stellt für Hartz-4-Empfänger und andere Schuldner einen steinigen Weg dar, an dessen Ende jedoch die Restschuldbefreiung und damit ein Leben ohne Schulden winkt. Während der privaten Insolvenz und der sich anschließenden Wohlverhaltensperiode müssen jedoch strenge Regeln eingehalten werden.

Hierzu gehört es unter anderem, dass sich Schuldner ernsthaft darum bemühen, eine zumutbare Arbeitsstelle zu finden und eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Das Insolvenzgericht ist in diesem Zusammenhang auch dazu befugt, Nachweise über die Bemühungen – also etwa Belege über die abgeschickte Bewerbungen – einzufordern.

Wurde die Wohlverhaltensphase durchlaufen, endet die Privatinsolvenz für Hartz-4-Empfänger nach maximal 6 Jahren mit der Restschuldbefreiung. Alle noch bestehenden Schulden werden – bis auf einige wenige Ausnahmen – getilgt.
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