Privatinsolvenz: Kosten und Möglichkeiten der Finanzierung

Kurz & knapp: Das Wichtigste zu den Kosten einer Privatinsolvenz

  1. Eine Privatinsolvenz kostet Geld.
  2. Gericht, Anwalt, Schuldnerberatung und Treuhänder erhalten jeweils Vergütungen für ihre Arbeit.
  3. Durch Beratungshilfe und Stundung der Verfahrenskosten lässt sich aber auch die Privatinsolvenz finanzieren.
  4. Unter Umständen ist die Treuhändervergütung steuerlich absetzbar.

Die Privatinsolvenz: Welche Kosten fallen an?

Eine Privatinsolvenz ist mit Kosten verbunden.
Eine Privatinsolvenz ist mit Kosten verbunden.
Eine Privatinsolvenz ist nicht kostenlos. Wer sowieso schon einen Berg an Schulden hat, der scheut sich, erneut finanzielle Verbindlichkeiten einzugehen. Was prinzipiell der richtige Weg ist, ist im Fall einer Privatinsolvenz jedoch die einzige Möglichkeit.

Um einen Weg aus der Schuldenfalle zu finden, fallen zwangsläufig weitere Kosten für die Privatinsolvenz an: Verfahrenskosten, Gerichtskosten, Anwaltskosten etc. Am Ende steht oft die Restschuldbefreiung. Aber die gute Nachricht ist: Es gibt Finanzierungsmöglichkeiten!

Was kostet eine Privatinsolvenz?

Welche Finanzposten sollten Schuldner beachten, wenn sie den Weg in die Privatinsolvenz gehen? Kosten können für folgende Bestandteile im Ablauf der Privatinsolvenz entstehen:

Außergerichtliche Schuldenregulierung

Hier hat der Verschuldete mehrere Möglichkeiten. Es gibt viele Angebote auch kostenloser Schuldnerberatungen. Das können beispielsweise staatliche Beratungen der Kommunen und Länder sein, aber auch kirchliche Träger und Wohlfahrtsverbände wie die Caritas beraten zum Thema Schulden. Allerdings sind diese Angebote häufig stark nachgefragt – ein kurzfristiger Termin kann meist nur in besonders dringenden Fällen gewährt werden. Ansonsten sind Wartezeiten von mehreren Monaten keine Seltenheit.

Ihr außergerichtlicher Einigungsversuch ist gelungen? Dann fallen für eine Privatinsolvenz keine weiteren Kosten an, da sie überflüssig geworden ist. Auch hier sollte am Ende eine Restschuldbefreiung stehen. Dies ist zweifellos der günstigste Weg für Sie!

Die gewerbliche Schuldnerberatung dagegen ist kostenpflichtig, das Angebot riesig. Die Seriosität der Beratung sollte genau geprüft werden. Außerdem müssen Schuldnerberatungen nach § 305 Insolvenzordnung (InsO) anerkannt sein. Andernfalls können sie keine Bescheinigung über das Scheitern des außergerichtlichen Einigungsversuchs ausstellen. Diese ist jedoch Voraussetzung für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Hier richten sich die Kosten meist nach der Anzahl der Gläubiger.

In der Privatinsolvenz ist z.B. der Anwalt nicht ohne Kosten zu bekommen.
In der Privatinsolvenz ist z.B. der Anwalt nicht ohne Kosten zu bekommen.
Die dritte Möglichkeit umfasst die Schuldnerberatung durch einen Anwalt. Vorteilhaft ist dabei das juristische Fachwissen und die Möglichkeit, Schuldnerberatung und Privatinsolvenz in dieselben Hände zu geben.

Verfahrenskosten der Privatinsolvenz

Scheitert der Einigungsversuch, kommt es zur Verbraucherinsolvenz, auch Privatinsolvenz genannt. Sie ist im Gegensatz zur Regelinsolvenz deutlich vereinfacht. Nichtsdestotrotz entstehen durch die Privatinsolvenz Kosten von nicht unbeträchtlicher Höhe.

Die Höhe der Gerichtskosten bei einer Privatinsolvenz richten sich gewöhnlich nach dem Verfahrenswert. Im Fall einer Insolvenz ist damit der Wert der Insolvenzmasse gemeint. Diese beschreibt alles Vermögen des Schuldners, das er zu Beginn des Verfahrens besitzt und in seinem Verlauf erwirbt. Eine pauschale Antwort zu den in der Privatinsolvenz anfallenden Kosten ist daher nicht möglich. Meist liegen die Gerichtskosten jedoch zwischen 300 und 500 Euro.

Die Kosten für den Insolvenzverwalter der Privatinsolvenz, der auch Treuhänder genannt wird, richten sich ebenfalls nach der Insolvenzmasse, von der der Treuhänder 15 Prozent erhält, mindestens jedoch 800 Euro. Zudem erhält er einen geringen Anteil der jährlich an die Gläubiger ausgeschütteten Zahlungen.

Achtung: Wenn das pfändbare Einkommen des Schuldners nicht ausreicht, um die Treuhändervergütung zu begleichen, ist der Schuldner verpflichtet, die Summe aus dem nicht pfändbaren Teil seines Vermögens aufzubringen!

Zudem fallen in der Privatinsolvenz Anwaltskosten an, oft ein pauschaler Satz. In der Regel ist für die Privatinsolvenz mit Kosten von mindestens 2.000 bis 3.000 Euro zu rechnen – vorausgesetzt, es besteht kein nennenswertes Vermögen des Schuldners.

Finanzierungsmöglichkeiten: Ist für die Privatinsolvenz eine Kostenübernahme möglich?

Auch Justitia will bezahlt werden: Während der Privatinsolvenz müssen Gerichtskosten bedacht werden.
Auch Justitia will bezahlt werden: Während der Privatinsolvenz müssen Gerichtskosten bedacht werden.
Im Gegensatz zu vielen anderen gerichtlichen Auseinandersetzungen steht in der Privatinsolvenz der Weg der Prozesskostenhilfe nicht offen. Es müssen andere Finanzierungsansätze gefunden werden. Meist geschieht dies durch Beratungshilfe und die Stundung der Verfahrenskosten.

Stundung der Verfahrenskosten

Schuldner, die in der Regel bereits einen enormen finanziellen Druck durch ihre Gläubiger verspüren, fragen sich angesichts der Gerichtskosten der Privatinsolvenz, wie sie diese Summen bezahlen sollen. Insbesondere, wenn die für die Privatinsolvenz anfallenden Kosten bei Hartz-4-Bezug beglichen werden sollen, ist die Ratlosigkeit groß.

Hilfebedürftige können jedoch die Stundung der Prozesskosten beantragen. Dann müssen diese nicht sofort beglichen werden, sondern können zusammen mit der Treuhändervergütung während der Wohlverhaltensphase abgegolten werden, indem ein Teil der auszuschüttenden Insolvenzmasse zu diesem Zweck verwendet wird.

Die in der Privatinsolvenz für einen Anwalt bestehenden Kosten sollten im Vorfeld pauschal vereinbart werden. So wissen Schuldner, welcher Betrag fest auf sie zukommt. Informieren Sie sich auch, ob eine Ratenzahlung möglich ist. Meist können die Anwaltskosten jedoch auch bereits durch die eingesparten Zinsen und Mahngebühren beglichen werden, da diese während der Insolvenz nicht länger anfallen.

Beratungshilfe beantragen

In der Privatinsolvenz können einige Kosten des Verfahrens nicht übernommen werden.
In der Privatinsolvenz können einige Kosten des Verfahrens nicht übernommen werden.
Die Stundung der Prozesskosten schließt nicht jene Kosten der Privatinsolvenz ein, die im Vorfeld für die außergerichtliche Schuldenregulierung entstehen. Hilfebedürftige haben allerdings Anspruch auf Beratungshilfe.

Noch bevor die Privatinsolvenz zu beantragen ist, können Kosten der anwaltlichen Schuldnerberatung so auf eine geringe Gebühr von 15 Euro reduziert werden. Der Anwalt rechnet dann direkt mit dem Gericht ab. Ein Beratungshilfeschein kann beim Amtsgericht des Wohnortes erworben werden.

Insbesondere dieser Teil der Kosten einer Privatinsolvenz können von Hartz-4-Berechtigten und anderen Hilfebedürftigen so umgangen werden. Hilfebedürftigkeit liegt normalerweise bei insolventen Schuldnern vor.

Viele Anwälte bieten kostenfreie Erstgespräche an. Informieren Sie sich bei dieser Gelegenheit über die Möglichkeiten der Kostenübernahme!

Welche Kosten der Privatinsolvenz sind steuerlich absetzbar?

Sogenannte „außergewöhnliche Belastungen“ sind steuerlich absetzbar. Darunter können in der Privatinsolvenz auch die Kosten für Insolvenzverwalter/Treuhänder fallen. Diese müssen jedoch laut Bundesfinanzhof zwangsläufig sein (Az: VI R 47/13). Das bedeutet: Hat der Steuerpflichtige durch eigenes Verhalten das Insolvenzverfahren verursacht, kann er die Kosten nicht absetzen.

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2 Comments

  1. Stephan M. said:

    Hallo,meine Frage.Ich bin Pleite kein Vermoegen lebe getrennt von meiner Frau und gehe in die Insolvents.Mein Insolventberater ist auch mein Anwalt der die Scheidung von meiner Frau beantragen wird.Da ich die kosten von 500€ nicht tragen kann für die verfahren die gerade laufen und ich auch so eben Unterhalt für meine zwei kinder zahlen kann,meine Frage wie das jetzt von statten geht weil ich es nicht bezahlen kann die Rechnung vom Anwalt.Gibt es da eine möglichkeit wie man das handhaben kann.Momentan weiß ich nicht wie es weiter gehen soll.

    3. Januar 2019
    Reply
    • schuldnerberatung.com said:

      Hallo Stephan,

      grundsätzich haben Sie die Möglichkeit, Beratungs- bzw. Prozesskostenhilfe zu beantragen. Inwiefern dies in Ihrer Situation jedoch nachträglich möglich wäre, kann Ihr Anwalt beantworten. Beachten Sie, dass bei einer Privatinsolvenz keine Prozesskostenhilfe gewährt wird. Hier können Sie jedoch eine Stundung der Verfahrenskosten beantragen. Grundsätzliche Informationen zum Thema Schulden erhalten Sie bei einer Schuldnerberatungsstelle.

      Ihr Team von schuldnerberatung.com

      11. Januar 2019
      Reply

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