Privatinsolvenz vermeiden: Ist das sinnvoll und umsetzbar?

Von schuldnerberatung.com, letzte Aktualisierung am: 23. August 2020

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Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Thema „Privatinsolvenz vermeiden“

Wie kann ich eine Privatinsolvenz vermeiden?

Die Alternative zur Privatinsolvenz ist ein außergerichtlicher Schuldenvergleich.

Macht es Sinn, die Insolvenz zu verhindern?

Eine Privatinsolvenz birgt auch Nachteile, die Sie durch einen Schuldenvergleich umgehen können. Juristische Personen dürfen eine (Regel-)Insolvenz allerdings nicht verhindern. Sobald ein Insolvenzgrund vorliegt, sind sie verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen.

Wie kann ich die Gläubiger überzeugen, dem Schuldenvergleich zuzustimmen?

Bieten Sie Ihnen eine bessere Quote oder überzeugen Sie sie davon, dass sie im Falle einer Privatinsolvenz eine schlechtere Quote zu erwarten haben.

Lässt sich die Privatinsolvenz überhaupt vermeiden?

Können Schuldner die Privatinsolvenz überhaupt vermeiden?
Können Schuldner die Privatinsolvenz überhaupt vermeiden?

Bei (drohender) Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung ist es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen. Zu diesem Zeitpunkt sitzen Betroffene meist schon so tief in der Schuldenfalle, dass sie sich mit neuen Schulden Abhilfe verschaffen wollen, um die Privatinsolvenz zu vermeiden.

Dazu ist natürlich nicht zu raten. Trotzdem ist auch die Privatinsolvenz nicht immer die beste Lösung. Alternativ können Sie versuchen …

  • … mithilfe einer Schuldnerberatung einen soliden Schuldenbereinigungsplan zu erstellen und so die Schulden schrittweise aus eigener Kraft abzubauen und
  • … sich außergerichtlich mit den Gläubigern zu einigen.

Das ist im Vergleich zur Privatinsolvenz nicht unbedingt einfacher und erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Ein außergerichtlicher Schuldenvergleich lässt sich auf dem Weg zur Privatinsolvenz ohnehin nicht vermeiden, denn auch wer sich für den Insolvenzantrag entscheidet, muss sich zuerst um eine außergerichtliche Einigung bemühen. Der Nachweis eines gescheiterten Einigungsversuchs ist beim Insolvenzantrag Pflicht.

Im Nachfolgenden möchten wir genauer darauf eingehen, wie Sie mithilfe eines außergerichtlichen Schuldenvergleichs die Privatinsolvenz vermeiden können.

Schuldenvergleich als Alternative zur Privatinsolvenz

Durch den außergerichtlichen Schuldenvergleich können Sie die Privatinsolvenz vielleicht vermeiden.
Durch den außergerichtlichen Schuldenvergleich können Sie die Privatinsolvenz vielleicht vermeiden.

Der außergerichtliche Schuldenvergleich zielt darauf ab, die Schulden durch Einmal- oder Ratenzahlung zumindest teilweise zu begleichen und Sie von dem Rest der Schuldenlast zu befreien. Kurzfristig ist es auch Sinn und Zweck des Vergleichs, eine weitere Verschuldung durch anfallende Zinsen aufzuhalten.

Sie können die Privatinsolvenz nur vermeiden, wenn Sie auch die Voraussetzungen für einen Schuldenvergleich erfüllen:

  • Zahlungsunfähigkeit: Sie können die Schulden definitiv nicht mehr vollständig bezahlen, haben also auch kein anderes Vermögen mehr, das liquidiert werden könnte (z. B. ein Haus).
  • Vergleichsreife/Vergleichsberechtigung: Die Schuldensumme steht endgültig fest, es sind keine zusätzlichen Einkünfte oder Gläubigerforderungen zu erwarten.
Sie sollten anstelle der Privatinsolvenz den Schuldenvergleich vermeiden, wenn Sie nur über ein unregelmäßiges Einkommen verfügen. Für den Vergleich spielt es eine wichtige Rolle, ob Sie Raten- oder Einmalzahlungen stemmen können. Ist das nicht der Fall, ist die Privatinsolvenz möglicherweise die bessere Lösung.
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Gläubiger vom außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren überzeugen

Es gibt andere Wege aus den Schulden, mit denen Sie die Privatinsolvenz vermeiden können.
Es gibt andere Wege aus den Schulden, mit denen Sie die Privatinsolvenz vermeiden können.

Wenn auch nur einer der Gläubiger dem Vergleich nicht zustimmt, gilt dieser als gescheitert und dann lässt sich die Privatinsolvenz nicht mehr vermeiden. Es ist daher wichtig, dass Sie gute Überzeugungsarbeit leisten.

Ein überzeugendes Argument kann die sogenannte Quote sein. Es handelt sich dabei um den Anteil, den jeder Gläubiger seinen Forderungen entsprechend aus der Insolvenzmasse zu erwarten hat. Selten stehen die Chancen für Gläubiger gut, bei einer Privatinsolvenz die volle geschuldete Summe zurückzuerhalten.

Sie steigern Ihre Chancen, die Privatinsolvenz vermeiden zu können, wenn Sie den Gläubigern eine bessere Quote bieten können oder sie davon überzeugen, dass sie bei der Privatinsolvenz eine schlechtere Quote zu erwarten haben.

Mit den Gläubigern auf eigene Faust zu verhandeln, kann sich als überaus schwierig gestalten. Lassen Sie sich deshalb von einer Schuldnerberatung oder einem Anwalt helfen.
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Ist es sinnvoll, die Insolvenz zu verhindern?

Lässt sich die Privatinsolvenz verhindern oder ist der Antrag Pflicht?
Lässt sich die Privatinsolvenz verhindern oder ist der Antrag Pflicht?

Die Gläubiger sitzen Ihnen im Nacken und der scheinbar einzige Ausweg ist die Privatinsolvenz? Vermeiden oder Insolvenzantrag stellen – das ist die Frage. Verunsichert und überfordert mit der Situation denken viele Schuldner, es gäbe keine Alternative zur Insolvenz.

Mehr noch: Oft nehmen Betroffene an, sie könnten die Privatinsolvenz gar nicht vermeiden, wären sogar zum Insolvenzantrag verpflichtet. Hier können wir Sie zunächst beruhigen. Privatpersonen sind nicht dazu verpflichtet, einen Insolvenzantrag zu stellen (diese Pflicht gilt nur für die Regelinsolvenz).

Ist es überhaupt ratsam, die Privatinsolvenz zu vermeiden? Im Nachfolgenden möchten wir die Vor- und Nachteile des Insolvenzverfahrens verdeutlichen, um Ihnen bei dem Dilemma, ob Sie die Privatinsolvenz vermeiden sollten oder nicht, ein wenig unter die Arme zu greifen.

Wer schon so tief in der Schuldenfalle sitzt, dass er der Überblick verloren hat, kann möglicherweise nicht mehr selbst abwägen, ob es Sinn macht, die Privatinsolvenz zu vermeiden. In diesem Fall sollten Schuldner mit einer Schuldnerberatung Kontakt aufnehmen. Dort finden sie Hilfe und können wichtige Fragen zu anderen Möglichkeiten stellen.
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Nachteile der Privatinsolvenz

Juristische Personen dürfen eine Insolvenz  nicht verhindern oder Insolvenzgründe ignorieren.
Juristische Personen dürfen eine Insolvenz nicht verhindern oder Insolvenzgründe ignorieren.

Es gibt nicht viele Wege aus der Schuldenfalle und nicht alle sind so gut, wie sie klingen. So gibt es auch gute Argumente, sich gegen eine Privatinsolvenz zu entscheiden. Vermeiden sollten Sie diese z. B. aus folgenden Gründen:

  • Leben am Existenzminimum: Zwar ist es gesetzlich geregelt, dass Ihnen trotz aller pfändbaren Anteile Ihres Vermögens und Einkommens ein Selbstbehalt bleiben muss, allerdings deckt dieser gerade den Bedarf für eine bescheidene Lebensführung. Während der Privatinsolvenz, die in der Regel 6 Jahre dauert, ist daher wahrscheinlich wenig Raum für persönliche Wünsche oder gelegentlichen Luxus (z. B. eine Ferienreise).
  • Kein Zuverdienst: In 6 Jahren kann viel passieren. Vielleicht bekommen Sie einen neuen Job oder es fällt Ihnen eine Erbschaft zu. Doch immer, wenn sich Ihre wirtschaftliche Situation verbessert, ruft das auch den Insolvenzverwalter auf den Plan und zweigt von dem zusätzlichen oder geerbten Vermögen den pfändbaren Teil ab und nutzt ihn, um die Forderungen der Gläubiger zu Befriedigen.
  • Kontrolle abgeben: Während der Dauer der Privatinsolvenz sind Sie dem Insolvenzverwalter Rechenschaft schuldig. Jede Veränderung Ihrer Einkommens- oder Vermögensverhältnisse müssen Sie dem Insolvenzverwalter mitteilen. Auch bei einem Umzug ist die neue Adresse unverzüglich weiterzuleiten.
  • Zusätzliche Kosten: Wider allgemeiner Annahme ist eine Privatinsolvenz nicht kostenlos. Der Insolvenzverwalter hat Anspruch auf eine Vergütung und auch die Verfahrenskosten sind vom Schuldner zu tragen. Die Kosten der Insolvenz kommen daher zunächst noch zum Schuldenberg hinzu.
Der soziale Aspekt sollte ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Viele möchten die Privatinsolvenz allein deshalb vermeiden, weil sie einen sozialen Abstieg oder die Reaktionen im Bekanntenkreis fürchten. Das liegt mitunter daran, dass sich eine Privatinsolvenz schlecht verheimlichen lässt. Im Gegenteil: Jedes Insolvenzverfahren wird auf amtlichen Wegen bekannt gemacht, sodass sich Gläubiger rechtzeitig informieren und ggf. Forderungen anmelden können.
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Vorteile einer Privatinsolvenz

Ein guter Grund, die Privatinsolvenz nicht zu verhindern, ist die Restschuldbefreiung.
Ein guter Grund, die Privatinsolvenz nicht zu verhindern, ist die Restschuldbefreiung.

Trotz aller Nachteile ist es nicht unbedingt sinnvoll, die Privatinsolvenz zu vermeiden. Immerhin schafft sie einige Erleichterungen für Schuldner:

  • Geregelter Rahmen: Für viele mag dies ein Grund sein, die Privatinsolvenz zu vermeiden, tatsächlich hilft der geregelte Rahmen jedoch, die Schulden diszipliniert und konsequent abzubauen. Dies gelingt meist nicht, wenn Betroffene versuchen, sich aus eigener Kraft von den Schulden zu befreien.
  • Keine Pfändung durch einzelne Gläubiger: Alles wird über den Insolvenzverwalter abgewickelt, sodass nicht alle Gläubiger einzeln mit einem Vollstreckungstitel bei Ihnen pfänden dürfen. Der Insolvenzverwalter verschafft sich einen Überblick über die Insolvenzmasse und führt diese an die Gläubiger (je nach Rang und Quote) ab.
  • Restschuldbefreiung: Sofern Sie Ihre Obliegenheiten (z. B. Erwerbsobliegenheit) während der Privatinsolvenz nicht vermeiden bzw. verletzen, winkt am Ende die Restschuldbefreiung.
  • Verkürzung möglich: Wem es gelingt, die Verfahrenskosten innerhalb von 5 Jahren zu begleichen, kann die Privatinsolvenz verkürzen. Schaffen Sie es sogar, die Verfahrenskosten innerhalb von 3 Jahren und zusätzlich 35 Prozent der Schuldensumme zu bezahlen, kann sogar nach 3 Jahren bereits die vorzeitige Restschuldbefreiung beantragt werden.
  • Wenig Alternativen: Abgesehen vom außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren gibt es keine geeignete Alternative zur Privatinsolvenz. Vermeiden können Sie diese nur noch durch neue Schulden und dies würde Ihre Situation nur noch verschlechtern.
Möglicherweise können Sie eine Privatinsolvenz vermeiden. Bei einer Regelinsolvenz (für juristische Personen, Gesellschafter, Geschäftsführer einer GmbH etc.) ist es hingegen ab Vorliegen eines Insolvenzgrundes nicht mehr möglich, die Insolvenz zu verhindern. Laut § 15a der Insolvenzordnung (InsO) ist ein Insolvenzantrag in solchen Fällen Pflicht.
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