Schulden erben: So gehen Sie mit Erbschulden um

Kurz & knapp: Das Wichtigste zu „Schulden erben“

  1. Grundsätzliche Fragen: „Lassen sich Schulden vererben?“ Ja. „Muss man Schulden erben?“ Nein.
  2. Wenn Sie Schulden erben, haben Sie verschiedene Möglichkeiten damit umzugehen: Sie können das Erbe ausschlagen, eine Nachlassbeschränkung einrichten, die Schulden bezahlen oder mangels Masse Dürftigkeitseinrede stellen und damit die Befriedigung der Nachlassgläubiger verweigern.
  3. Sie können nicht nur die Schulden ablehnen, sondern müssen das gesamte Erbe ausschlagen, d. h. auch Ihren Pflichtanteil.
  4. Wenn Sie voreilig gehandelt haben, gibt es in manchen Fällen die Möglichkeit, die Ausschlagung oder Annahme des Erbes rückgängig zu machen.

Erbrecht zum Thema Schulden: So können Sie Erbschulden vermeiden

Das Erben von Schulden ist zwar möglich, kann durch Ausschlagung aber verhindert werden.
Das Erben von Schulden ist zwar möglich, kann durch Ausschlagung aber verhindert werden.

Im Laufe seines Lebens geht der Mensch viele Verbindlichkeiten ein, einige davon sind finanzieller Natur. Im Todesfall gehen diese Verbindlichkeiten gemäß § 1967 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) mit dem Nachlass dann an die Erben über. Diesen ist allerdings nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, dass sie nicht nur das Vermögen, sondern auch die Schulden des Erblassers erben.

Bevor Betroffene das Erbe annehmen, sollten Sie deshalb – ggf. mithilfe eines Nachlassverwalters – prüfen, ob und in welchem Umfang das Erbe mit Schulden einhergeht. Auskunft kann das Nachlassgericht darüber nämlich nicht geben. Es obliegt den Hinterbliebenen, etwaige Verbindlichkeiten und offenen Forderungen des Erblassers zu prüfen.

Stellt sich heraus, dass Sie mehr Schulden erben, als Sie aus dem Vermögen des Verstorbenen oder Ihrem eigenen begleichen können, haben Sie folgende Möglichkeiten:

  • Erbe ausschlagen gemäß §§ 1942 f. BGB: Damit verzichten Erben auch auf ihren Pflichtanteil.
  • Nachlassbeschränkung (auch: beschränkte Erbenhaftung) gemäß § 1975 BGB einrichten: Damit verhindert der Erbe, dass er mit seinem privaten Vermögen für die Schulden aufkommen muss. Möglich ist das aber nur, wenn eine Nachlasspflegschaft oder ein Nachlassinsolvenzverfahren eröffnet wurde.
  • Dürftigkeitseinrede nach §§ 1990 f. BGB erheben: Reicht die Erbmasse nicht aus, alle Verbindlichkeiten zu begleichen, kann der Erbe mit der Dürftigkeitseinrede verhindern, dass er die noch offenen Forderungen mit seinem eigenen Vermögen begleichen muss.
Angefallene Steuerschulden müssen die Erben in der Regel samt Zinsen bezahlen. Auch das lässt sich unter Umständen nur verhindern, wenn die gesamte Erbschaft ausgeschlagen wird.

Erbe ausschlagen, um Schulden zu vermeiden

Erbschulden ausschlagen oder zahlen? Prüfen Sie unbedingt zunächst alle offenen Forderungen.
Erbschulden ausschlagen oder zahlen? Prüfen Sie unbedingt zunächst alle offenen Forderungen.

Stellt sich nach eingehender Prüfung heraus, dass Sie mehr Schulden erben, als für Sie tragbar ist, können Sie die Erbschaft ausschlagen. Beachten Sie jedoch, dass Sie damit nicht nur die Erbschulden ablehnen, sondern auch Ihren Anteil am Erbe.

Außerdem müssen Sie bei der Ausschlagung richtig vorgehen. Zunächst gilt es, die Frist zu beachten. Ab dem Moment, in dem Sie von dem Erbe erfahren haben, beginnt die sechswöchige Frist zur Annahme oder Ausschlagung. Versäumen Sie es in dieser Zeit, dem Nachlassgericht gegenüber zu erklären, dass Sie die Erbschaft ausschlagen, weil Sie die Schulden nicht erben wollen, gilt die Erbschaft als angenommen.

Schulden erben ohne Testament: Eltern, Kinder, Onkel und Tanten – wer erbt die Schulden eigentlich, wenn kein Testament vorhanden ist? In diesem Fall gilt die gesetzliche Erbfolge nach §§ 1922 ff. BGB.

Voreilig gehandelt? Manchmal lässt sich die Entscheidung rückgängig machen

In § 1943 BGB heißt es:

Erbe ablehnen bei Schulden? Ein Nachlassverwalter kann bei der Entscheidung helfen.
Erbe ablehnen bei Schulden? Ein Nachlassverwalter kann bei der Entscheidung helfen.

Der Erbe kann die Erbschaft nicht mehr ausschlagen, wenn er sie angenommen hat oder wenn die für die Ausschlagung vorgeschriebene Frist verstrichen ist; mit dem Ablauf der Frist gilt die Erbschaft als angenommen.

Demnach lässt sich die Entscheidung per se zunächst nicht rückgängig machen. Trotzdem müssen sich Betroffene nicht unbedingt damit abfinden, dass Sie Schulden geerbt haben. Die Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft lässt sich nämlich anfechten. Dazu heißt es in § 1957 Abs. 1 BGB:

Die Anfechtung der Annahme gilt als Ausschlagung, die Anfechtung der Ausschlagung gilt als Annahme.

Sie können nach der Annahme nur noch verhindern, dass Sie die Schulden erben, wenn Sie einen guten Anfechtungsgrund haben. Eine Anfechtung kommt z. B. infrage, wenn ein Irrtum vorlag (z. B. der Erbe nicht wusste, dass der Nachlass mit Schulden behaftet war). Auch wer durch Täuschung oder Drohung zur Annahme oder Ausschlagung gedrängt wurde, kann die Entscheidung später anfechten.

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