Schuldenbefreiung: Welche Möglichkeiten gibt es?

Kurz & knapp: Das Wichtigste zur Schuldenbefreiung

  • Schuldner haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Schulden zu regulieren.
  • Sie können privat versuchen, Einnahmen und Ausgaben ins Gleichgewicht zu bringen.
  • Sie können mithilfe eines Schuldnerberaters versuchen, ihre Schulden außergerichtlich abzubezahlen.
  • Sie können nach gescheiterter außergerichtlicher Schuldenregulierung den Weg der Insolvenz gehen und die Restschuldbefreiung beantragen.
  • Die Restschuldbefreiung kann Schuldner von allen oder zumindest den meisten Schulden befreien.

Weitere Ratgeber zur Schuldenbefreiung:
schuldenfrei werden

Schuldenbefreiung: Mögliche Verfahren

Wenn die Schulden erdrückend werden, wünschen sich die meisten Schuldner schnellstmöglich die Schuldenbefreiung.
Wenn die Schulden erdrückend werden, wünschen sich die meisten Schuldner schnellstmöglich die Schuldenbefreiung.

Viele Schuldner schämen sich ihrer finanziellen Nöte und versuchen, ihre Schulden möglichst ohne fremde Hilfe in den Griff zu bekommen.

Manchmal ist das durchführbar – insbesondere, wenn der Schuldenberg noch nicht sehr hoch angewachsen ist und die Einkünfte des Schuldners ausreichen, um sowohl die laufenden Kosten als auch sukzessive die Schulden abzubezahlen.

Schwieriger wird es, wenn beispielsweise ein Jobverlust Ursache der Schulden ist. Dann ist häufig zu wenig Einkommen vorhanden, um ohne professionelle Hilfe eine Lösung zu finden.

Besonders Schuldner, die vor der Zahlungsunfähigkeit stehen oder überschuldet sind, sollten sich daher schnellstmöglich an eine Schuldnerberatung wenden.

Sinn und Zweck einer Schuldnerberatung

Viele Schuldner sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Eine Schuldnerberatung kann Ordnung ins Chaos bringen, Ausgaben und Einnahmen gegenüberstellen und auf deren Basis einen für die Schuldenbefreiung unerlässlichen Plan zur Zahlung aufstellen, der zugleich die Gläubiger befriedigt und den Lebensunterhalt des Schuldners sichert.

Zudem ist eine seriöse Schuldnerberatung nach § 305 der Insolvenzordnung (InsO) anerkannt und kann somit Bescheinigungen über das Scheitern der außergerichtlichen Schuldenregulierung ausstellen. Dieser Einigungsversuch zwischen Schuldner und Gläubiger ist Pflicht, um die Privatinsolvenz überhaupt beantragen zu können.

Insolvenz und Restschuldbefreiung

Privatinsolvenz und anschließende Restschuldbefreiung sind für Privatleute die letzte Möglichkeit zur Schuldenbefreiung. Während das eigentliche Insolvenzverfahren ohne die Restschuldbefreiung nur rund ein Jahr in Anspruch nimmt, dauert die anschließende Wohlverhaltensphase bis zu sechs Jahre.

Das Restschuldbefreiungsverfahren verlangt vom Schuldner viel Disziplin.
Das Restschuldbefreiungsverfahren verlangt vom Schuldner viel Disziplin.

Der Antrag auf Restschuldbefreiung ist bereits mit dem Insolvenzantrag beim Insolvenzgericht einzureichen. Meistens handelt es sich um die vereinfachte Verbraucher- bzw. Privatinsolvenz – aber auch nach der Regelinsolvenz ist die Restschuldbefreiung möglich.

Restschuldbefreiung: Gewährung und Versagung

Die deutsche Restschuldbefreiung wird am Ende der Wohlverhaltensphase durch das Insolvenzgericht gewährt oder versagt. Gründe, die der Schuldenbefreiung entgegenstehen, sind beispielsweise:

  • Insolvenzstraftaten
  • vorsätzlich oder fahrlässig falsche Angaben während des Insolvenzverfahrens
  • Verletzung der Mitwirkungs- und Auskunftspflichten des Schuldners
  • Verletzung der Erwerbsobliegenheit

Schließt das Restschuldbefreiungsverfahren positiv ab, bedeutet das in vielen Fällen die Schuldenbefreiung des Schuldners. Denn die Restschuldbefreiung gilt für Insolvenzgläubiger wie auch alle anderen Gläubiger, die bei Eröffnung des Insolvenzverfahrens begründete Forderungen an den Schuldner hatten.

Einzig während des Verfahrens neu gemachte Schulden und einige besondere Schulden wie solche aus Steuerstraftaten oder Unterhaltsverpflichtungen sind nicht von der gerichtlichen Schuldenbefreiung nach der Verbraucherinsolvenz erfasst.

Schuldenbefreiung bei Krankenversicherungsrückständen

Die Schuldenbefreiung gegenüber der Krankenkasse ist manchmal gar nicht nötig.
Die Schuldenbefreiung gegenüber der Krankenkasse ist manchmal gar nicht nötig.

Bevor 2007 die deutsche Krankenversicherungspflicht eingeführt wurde, war es insbesondere Selbstständigen selbst überlassen, ob sie krankenversichert waren oder nicht. Wer sich jedoch erst einige Jahre später versicherte, der musste die Beiträge seit 2007 nachzahlen. Allein diese Schulden führten oftmals dazu, dass eine gerichtliche Schuldenregulierung durchgeführt werden musste.

Seit 2013 ist die Schuldenbefreiung gegenüber der Krankenkasse aber oft nicht mehr nötig. Denn das „Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung“ verpflichtet zum Schuldenerlass für Nachzahlungen der versicherungsfreien Zeit.

Jemand, der sich also erst 2009 versichert hat, muss die seit 2007 aufgestauten Beiträge in der Regel nicht zahlen, sofern er in dieser Zeit keine Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch genommen hat.

Dies gilt indes nicht für andere Schulden aus Krankenkassenbeiträgen. Wer krankenversichert ist und aus verschiedenen Gründen die entsprechenden Beitragssätze nicht zahlen kann, der muss diese Schulden entweder abbezahlen oder diese müssen ihm im Zuge der gerichtlichen Schuldenbefreiung erlassen werden.
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