Steuerschulden: Was passiert, wenn Sie dem Finanzamt Geld schulden?

Kurz & knapp: Das Wichtigste zu Steuerschulden

  1. Wer die vom Finanzamt geforderten Steuern nicht bezahlen kann, macht Steuerschulden.
  2. Das Finanzamt kann ohne gerichtlichen Beschluss, die Steuerschulden durch Pfändung eintreiben.
  3. Wer seine Steuerschulden nicht begleichen kann, sollte einen Antrag auf Aussetzung der sofortigen Zahlung stellen und mit dem Amt über eine Ratenzahlung verhandeln.
  4. In der Regel verjähren Steuerschulden nach 5 Jahren. Es gibt aber auch Faktoren, durch die sich die Frist verlängert.

Angst vor dem Steuerbescheid

Wer seine Steuern nicht bezahlen kann, macht Steuerschulden.
Wer seine Steuern nicht bezahlen kann, macht Steuerschulden.
Viele Personen haben ein ungutes Gefühl, wenn Sie den Steuerbescheid aus dem Briefkasten holen. Sie wissen, dass eventuell eine gesalzene Steuernachzahlung oder eine Vorauszahlung auf Sie zukommen könnte. Über diese Aussicht wird sich wohl kaum jemand freuen, aber wirklich problematisch ist es für diejenigen, die nicht über die notwendigen Rücklagen verfügen, um die Steuerschulden zu begleichen.

Doch was passiert, wenn man die Steuerschulden nicht zahlen kann? Ist eine Stundung der Steuerschuld möglich? Wann verjähren die Schulden beim Finanzamt? Wir verraten Ihnen in diesem Ratgeber, was Sie bei Steuerschulden beachten müssen und inwiefern sich das Finanzamt von anderen Gläubigern unterscheidet.

Was sind Steuerschulden?

Steuerschulden sind Geldbeträge in Form von Steuern, auf die das Finanzamt Anspruch erhebt. Die Schulden können dabei aus allen möglichen Arten von Steuern (z. B. der Umsatzsteuer, Einkommenssteuer oder Kfz-Steuer) erwachsen. Prinzipiell kann eine Privatperson ebenso wie ein Unternehmen Steuerschulden anhäufen, wenn Sie über das Jahr gesehen, zu wenige Steuern bezahlt hat.

Besonders gefährdet in diese Schuldenfalle zu tappen, sind auch Selbstständige, da ihre Gewinne in der Regel erst später versteuert werden. Dadurch wird ein großer Betrag auf einmal fällig und die Rücklagen reichen dann oftmals nicht aus, um sie unverzüglich zu begleichen.

Steuerschulden sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Steuerschulden sollten Sie nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Erhalten Sie den Steuerbescheid mit der Nachforderung, ist dort zumeist schon eine Frist angegeben, innerhalb derer Sie die Steuerschulden überweisen sollen.

Diese umfasst in der Regel nur wenige Wochen. Vielen Betroffenen fällt es jedoch schwer, das Geld in der knapp bemessenen Zeit aufzubringen.

Wenn möglich sollten Sie die Schulden beim Finanzamt fristgerecht überweisen, andernfalls fallen hohe Versäumnisgebühren (1 Prozent pro Monat) auf die Steuerschulden an und es wird noch schwieriger diese abzutragen.

Steuerbescheid erhalten: Wie reagieren Sie richtig bei Zahlungsunfähigkeit?

  • Steuerbescheid auf Fehler prüfen. Wurden alle Aufwendungen im Bescheid berücksichtigt?
  • Bei Fehlern Einspruch gegen den Steuerbescheid einlegen.
  • Kontakt zum Finanzamt aufnehmen.
  • Zahlungsaufschub beantragen.
  • Antrag auf Aussetzung der Vollziehung stellen.

Weshalb sind Steuerschulden beim Finanzamt so unangenehm?

Wenn Sie die Steuerschulden nicht zahlen, droht u. a. die Kontopfändung.
Wenn Sie die Steuerschulden nicht zahlen, droht u. a. die Kontopfändung.
Wie gesagt, sind die Zinsen für eine verspätete Rückzahlung der Schulden recht beachtlich. Von den anfallenden Mahngebühren nicht zu reden. Allerdings sehen die Konsequenzen, wenn Sie die Steuerschulden nicht zahlen können, noch unangenehmer aus. Es gibt nämlich eine spezifische Besonderheit, wenn das Finanzamt Ihr Gläubiger ist: Das Amt benötigt nicht erst einen gerichtlichen Beschluss, um die Forderungen zu vollstrecken.

Kommen Sie der Zahlungsaufforderung Ihrer Steuerschulden nicht nach, verschickt das Finanzamt zunächst eine Mahnung, manchmal folgt auch noch eine zweite. Bewegen diese Sie nicht zur Zahlung, kann das ausstehende Geld innerhalb einer Woche von einem Vollziehungsbeamten gepfändet werden.

Die Steuerschulden beim Finanzamt können mittels Kontopfändung des Schuldners eingetrieben werden. Das bedeutet alle Ihre Konten werden eingefroren: Sie können also nicht mehr über Ihr Guthaben verfügen, Geld abheben oder Überweisungen tätigen.

Neben der Pfändung des Kontos ist auch die der Wertgegenstände des Schuldners möglich. Diese sogenannte Sachpfändung kann durch den Vollziehungsbeamten durchgeführt werden. Ihre eingezogenen Sachwerte werden anschließend versteigert und der Erlös geht an das Finanzamt, um die Steuerschulden zu begleichen.

Auch die Lohnpfändung beim Arbeitgeber ist denkbar, was bedeutet, dass ein Teil Ihres Gehalts direkt an den Gläubiger, in diesem Fall das Finanzamt geht.

Sie können die Steuerschulden nicht begleichen?

Bei Steuerschulden haben Sie meist nur wenige Wochen, um auf die Forderung zu reagieren.
Bei Steuerschulden haben Sie meist nur wenige Wochen, um auf die Forderung zu reagieren.
Wer dem Finanzamt die Schulden nicht überweisen kann, sollte unverzüglich einen Antrag auf Aussetzung der sofortigen Zahlung oder eine Absenkung der Vorauszahlung stellen. Damit können Sie sich etwas Zeit verschaffen, um das Geld doch noch zusammenzukratzen oder einen Kredit aufzunehmen.

Außerdem sollten Sie über die Stundung der Steuerschulden mit dem Finanzamt verhandeln. Stellen Sie zeitnah einen Stundungsantrag beim Finanzamt und legen Sie dar, dass Ihnen die Nachzahlung der Steuerschulden im Moment nicht möglich ist.

Grundsätzlich ist es möglich, die Schulden beim Finanzamt über eine Ratenzahlung abzutragen – zustimmen muss die Behörde dem Antrag aber nicht.

Welche Bedingungen müssen sie erfüllen, damit die Stundung durch das Finanzamt gestattet wird?

  • Stundungsbedürftigkeit: Ist durch die sofortige Rückzahlung der Steuerschulden die materielle Existenz des Schuldners gefährdet, gilt er als stundungsbedürftig. Dies wäre bspw. der Fall, wenn die Begleichung der Schulden beim Finanzamt in die Privatinsolvenz führen würde.
  • Stundungswürdigkeit: Befindet sich der Steuersäumige in einer finanziellen Notsituation, die z. B. auf eine lange Erkrankung zurückzuführen ist, gilt er als stundungswürdig.

Beide Kriterien müssen erfüllt sein, damit dem Antrag auf Ratenzahlung durch das Finanzamt entsprochen wird. Um die Steuerschulden mittels Ratenzahlung beim Finanzamt abtragen zu dürfen, müssen Sie deutlich machen, dass es sich lediglich um ein vorübergehendes Liquiditätsproblem handelt.

Damit Sie die Ratenzahlung der Steuerschuld nicht unnötig hinauszögern, ist der Zeitraum, innerhalb dessen die Schulden zu bezahlen sind, meist auf sechs Monate begrenzt.

Was tun, wenn Sie die Steuerschulden nicht stunden können?

Ein günstiger Kredit kann auch dabei helfen, die Steuerschulden zu begleichen.
Ein günstiger Kredit kann auch dabei helfen, die Steuerschulden zu begleichen.
Wird Ihr Antrag auf Stundung der Steuerschulden abgelehnt oder können Sie die vereinbarten Raten nicht mehr bezahlen, haben Sie verschiedene Optionen zur Verfügung, um die Schulden zu begleichen.

Sie können nach § 258 Abgabenordnung (AO) beim Finanzamt einen Aufschub der Vollstreckung beantragen. Dieser wird jedoch nur bewilligt, wenn Sie nachweisen, dass durch die Zahlung ein erheblicher Nachteil für Sie entsteht, Sie etwa Insolvenz anmelden müssten.

Da die Verzugsgebühren sehr hoch sind, kann es durchaus sein, dass die Aufnahme eines günstigen Kredits hier die richtige Wahl ist. Holen Sie dazu am besten verschiedene Angebote ein und wählen die Bank mit den besten Konditionen aus. Bei Steuerschulden kann die Aufnahme eines Kredits durchaus von Ihnen verlangt werden.

Ist absehbar, dass das Amt auch in Zukunft nicht die erhobene Steuerschuld von Ihnen erhalten wird, lässt es sich womöglich auf einen Vergleich ein. Auf diese Weise können beide Seiten profitieren: Sie müssen nicht den vollen Betrag überweisen und das Finanzamt erhält immerhin einen Teil der Steuerschulden.

Natürlich lässt sich das Finanzamt nur in Ausnahmefällen auf einen solchen Kompromiss ein. Noch geringere Aussichten bestehen für die Betroffenen, wenn es darum geht, dass die Behörde auf die Steuerschulden verzichtet. Ein Erlass der Schulden kann zwar beantragt werden, wird aber nur in Härtefällen abgenickt. Müsste bspw. ein Unternehmen Insolvenz wegen der Steuerschulden anmelden, kann dem Schuldenerlass stattgegeben werden, um die Arbeitsplätze nicht zu gefährden.

Steuerschulden in der Privatinsolvenz

Steuerschulden werden in der Insolvenz genauso behandelt wie andere Schulden auch.
Steuerschulden werden in der Insolvenz genauso behandelt wie andere Schulden auch.
Viele Betroffene fragen sich, wie die Privatinsolvenz bei Steuerschulden abläuft. Im Insolvenzverfahren wird grundsätzlich zwischen Privat- und Regelinsolvenz unterschieden. Welches Verfahren Sie wegen Ihrer Steuerschulden durchlaufen, richtet sich danach, ob Sie eine Privatperson oder eine juristische Person (Unternehmen etc.) nach § 304 der Insolvenzordnung (InsO) sind.

Die Steuerschulden bei der Insolvenz werden genauso behandelt, wie die Forderungen der anderen Gläubiger. Das heißt auch, dass prinzipiell eine Restschuldbefreiung bei Steuerschulden denkbar ist. Für eine solche dürfen Sie allerdings die letzten Jahre keine falschen Angaben in der Steuererklärung abgegeben haben oder wegen Delikten wie Steuerhinterziehung verurteilt worden sein.

Steuerschulden: Verjährung

Wie alle anderen Schulden verjähren auch die Schulden gegenüber dem Finanzamt irgendwann. In diesem Fall ist die sogenannte Zahlungsverjährung relevant, die besagt, dass Steuerschulden nach fünf Jahren verfallen. Diese Frist beginnt jedoch erst, mit dem Ende des alten Kalenderjahres zu laufen. Haben Sie z. B. im Juli 2017 die Steuerbescheinigung erhalten, startet die Verjährungsfrist erst am 1. Januar 2018.

Es gibt allerdings Faktoren, die die Verjährung der Steuerschulden verlängern. Dies wären bspw.:

  • Mahnungen
  • Zahlungsaussetzung
  • Ratenzahlung
  • Vollstreckung
  • Insolvenz des Schuldners
  • Ermittlung seines neuen Wohnsitzes
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2 Comments

  1. Nicole said:

    Hallo,
    Mein Konto wird schon vom Finanzamt gepfändet, nun hab ich die nächste Mahnung bekommen und muss die nächste Einkommensteuer bezahlen. Was natürlich von dem konto nicht möglich ist.
    Kann auch mein Freund von seinem Konto meine Einkommensteuer bezahlen?

    22. Dezember 2018
    Reply
    • schuldnerberatung.com said:

      Hallo Nicole,

      inwiefern dies möglich ist, kann ein Steuerberater klären. Eine Schuldnerberatungsstelle kann Ihnen dabei helfen, wieder Ordnung in Ihre Finanzen zu bringen.

      Ihr Team von schuldnerberatung.com

      3. Januar 2019
      Reply

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