Was ist eine Überschuldung und was können Sie dagegen tun?

Kurz & knapp: Das Wichtigste zur Überschuldung

  1. Eine Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen des Schuldners nicht mehr reicht, um seine bestehenden Verbindlichkeiten zu decken und das Unternehmen demnach nicht mehr fortgeführt werden kann.
  2. Die Überschuldung und die Zahlungsunfähigkeit sind zwei Gründe für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
  3. Bei eintretender Überschuldung soll eine Schuldnerberatung in Anspruch genommen werden.

Was bedeutet Überschuldung nach Insolvenzrecht?

Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung muss Insolvenz angemeldet werden.
Bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung muss Insolvenz angemeldet werden.

Neben der Zahlungsunfähigkeit ist die Überschuldung einer der Gründe für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Eine Überschuldung liegt laut Definition im § 19 Abs. 2 Insolvenzordnung (InsO) dann vor, wenn das Vermögen des Schuldners nicht mehr reicht, um seine bestehenden Verbindlichkeiten zu decken und das Unternehmen demnach nicht mehr fortgeführt werden kann.

Wie erfolgt bei Überschuldung die Rechnung? Aus einer aktuellen Bilanz wird in der Regel die sogenannte bilanzielle Überschuldung festgestellt, welche auch als buchmäßige Überschuldung bezeichnet wird. Stille Reserven und Rangrücktritte beispielsweise können dann in einer daraus abgeleiteten Überschuldungsbilanz berücksichtigt werden.

Eine bilanzielle Überschuldung liegt vor, wenn das Vermögen die Schulden nicht mehr deckt, sprich das Eigenkapital ist negativ.Bei Berücksichtigung der stillen Reserven wird der Marktwert, beispielsweise der einer Maschine, in einer Überschuldungsbilanz angesetzt, sodass das negative Eigenkapital dadurch weniger wird oder sogar verschwindet.

Der Schuldner könnte unter Umständen versuchen, von einem Gläubiger eine Rangrücktrittserklärung für sein Darlehen zu erwirken. In dem Fall tritt dieser im Rang hinter alle anderen Gläubiger zurück und das Darlehen muss nicht mehr in der Überschuldungsbilanz angesetzt werden.

Der Unterschied zwischen Verschuldung und Überschuldung

Wie erfolgt die Berechnung bei Überschuldung?
Wie erfolgt die Berechnung bei Überschuldung?

Bei vorhandenen Schulden gilt es zu unterscheiden, ob die Person nur verschuldet oder bereits überschuldet ist.

Wenn jemand beispielsweise für den Bau eines Hauses einen Kredit aufnimmt und die Raten regelmäßig zurückzahlt, gilt er als verschuldet, aber nicht als überschuldet.

Verschuldet bedeutet demnach, dass die betreffende Person Schulden hat. Kann sie die Schulden aus eigener Kraft zurückzahlen, stellt die Verschuldung kein Problem dar, sondern erst, wenn diese zu einer Überschuldung mutiert. Wann liegt demnach eine Überschuldung tatsächlich vor?

Der Definition zufolge ist Überschuldung die Zuspitzung der Verschuldung hin zu einem Punkt, an dem es nicht mehr gelingt, alle Verbindlichkeiten abzubauen. Dabei wird zwischen „hart überschuldet“ und „weich überschuldet“ unterschieden.

Bei einer harten Überschuldung gibt es bereits einen juristisch relevanten Sachverhalt, beispielsweise eine Privatinsolvenz. Weich überschuldet ist jemand, der nachhaltige Zahlungsstörungen aufweist, zum Beispiel, wenn er Mietzahlungen nicht mehr leistet und deshalb mehrfach gemahnt wurde.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Überschuldung in Deutschland? Im Folgenden sind die häufigsten Ursachen für eine Überschuldung privater Haushalte aufgelistet:

  • Plötzliche Arbeitslosigkeit
  • Lange Erkrankungen
  • Tod des Partners
  • Trennung oder Scheidung
  • Bei Selbständigen und Freiberuflern: Unfälle oder Erkrankungen, plötzliche Auftragseinbrüche, falsches Konzept, geschäftliche Unfähigkeit und Versagen.

Wen betrifft die Überschuldung?

Die Überschuldung kann eine Privatperson, aber auch Unternehmen betreffen. Folgende Formen der Unternehmen betrifft die Überschuldung:

  • alle beschränkt haftbaren Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, UG (haftungsbeschränkt) und vergleichbare Auslandsgesellschaften (Ltd),
  • alle Gesellschaften, bei denen kein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist (GmbH & Co. KG, GmbH & Co. OHG.),
  • Genossenschaften, Stiftungen und Vereine.

Überschuldung als Insolvenzgrund kann nur auf Unternehmen angewendet werden, die mit einem beschränkten Eigenkapital haften, welches im Falle einer Überschuldung aufgezehrt ist. In der Überschuldung haben die Eigenkapitalgeber ihre Kapitaleinlage verloren. Das Risiko der Unternehmensfortführung geht somit auf die Gläubiger über.

Wie kann geprüft werden, ob beispielsweise in einer GmbH eine Überschuldung vorliegt? Zunächst gilt es, eine Fortbestehensprognose zu stellen. Wenn diese positiv ausfällt, besteht kein Grund für eine Insolvenzeröffnung. Jedoch besteht nicht sofort eine Überschuldung, wenn die GmbH ein negatives Kapital in der Überschuldungsbilanz aufweist. Erst wenn das Unternehmen im Prognosezeitraum als zahlungsunfähig gilt, besteht eine drohende Überschuldung.In der Vergangenheit gab es eine dreistufige Prüfungsreihenfolge, um eine insolvenzrechtliche Überschuldung festzustellen. Auf der ersten Stufe wurde eine rechnerische Überschuldung auf Basis von aktiven und passiven Liquidationswerten geprüft. Danach folgte erst die Fortbestehensprognose.

Was ist zu tun bei einer Überschuldung?

Was können Sie tun bei einer Überschuldung?
Was können Sie tun bei einer Überschuldung?

Mit Eintritt der Überschuldung besteht für ein Unternehmen Insolvenzantragspflicht. Dies gilt jedoch nicht für natürliche Personen und Personengesellschaften.

Liegt eine Insolvenz durch Überschuldung vor und Sie haben keinen Insolvenzantrag gestellt, ist der Tatbestand der Insolvenzverschleppung nach § 15a InsO erfüllt. Darüber hinaus gelten die Vorschriften des Strafgesetzbuches zum Bankrott.

Des Weiteren sind Sie verpflichtet, Gesellschaftern und Aktionären den Verlust in Höhe des hälftigen Grund- oder Stammkapitals anzuzeigen. Tun Sie dies nicht, können Sie wegen unterlassener Verlustanzeige belangt werden. Wurde eine Überschuldung festgestellt, müssen Sie alle Zahlungen einstellen, damit Sie sich gegenüber der Gesellschaft nicht schadenersatzpflichtig machen.

Wege aus der Überschuldung

Wenn Ihre Zahlungsverpflichtungen Ihr Einkommen übersteigen, sollten Sie zu einigen Maßnahmen greifen, um eine dauerhafte Überschuldung zu vermeiden. Gegen eine private Überschuldung können Sie beispielsweise Folgendes tun:

  • Ausgaben verringern: Dabei gilt es zwischen fiktiven Kosten und flexiblen Kosten zu unterscheiden, wobei fiktive Kosten nicht veränderbar sind. Flexible Kosten sind beispielsweise Ausgaben für Urlaub, Stromkosten oder Kosten für die Freizeitgestaltung.
  • Einkünfte erhöhen: Um Ihr Einkommen zu erhöhen, können Sie beispielsweise einen Nebenjob aufnehmen, Ihren Vorgesetzten um eine Gehaltserhöhung bitten oder sogar eine neue Stelle anfangen.
  • Professionelle Hilfe bei eintretender Überschuldung in Anspruch nehmen: Zunächst können Sie einen Schuldnerberater aufsuchen, der Sie dabei berät, ob Ausgaben reduziert oder Einnahmen erhöht werden können. Darüber hinaus hilft er Ihnen dabei, mit den Gläubigern eine Vereinbarung zu treffen, dass die Schulden entweder erlassen werden oder dass die Kreditrate gesenkt wird. Als letzter Ausweg wird der Schuldnerberater eine Verbraucherinsolvenz für Sie eröffnen. Wer hilft bei Überschuldung kostenlos? Bis auf wenige Ausnahmen ist die Schuldnerberatung völlig kostenlos. Sie wird von Stellen wie Sozialvereinen, Caritas oder der Diakonie angeboten.
  • Antrag auf Verbraucherinsolvenz stellen: Die Verbraucherinsolvenz, auch Privatinsolvenz genannt, wird eröffnet, wenn die zuvor versuchte außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern gescheitert ist. Die Verbraucherinsolvenz ist beim zuständigen Amtsgericht zu beantragen und wird unter strengen Auflagen durchgeführt. Nach sechs Jahren sind Sie schuldenfrei, wenn Sie in der Wohlverhaltensphase alles Erdenkliche getan haben, um die bestehenden Schulden zu reduzieren und keine neuen Schulden verursacht haben.
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