Verbraucherinsolvenz: Definition, Ablauf und Dauer

Kurz & knapp: Das Wichtigste zur Verbraucherinsolvenz

  • Im Gegensatz zu einer Regelinsolvenz ist die Verbraucherinsolvenz der juristische Fachbegriff für Privatinsolvenz, welche für überschuldete Privatpersonen den letzten Ausweg aus der Schuldenfalle darstellt.
  • Bevor ein Verbraucherinsolvenzverfahren eröffnet werden kann, muss der Schuldner nachweisen, dass eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern gescheitert ist.
  • Für den Antrag auf Verbraucherinsolvenz wird ein Formular vom zuständigen Insolvenzgericht bereitgestellt.
  • Nach der Eröffnung des Verbraucherinsolvenzverfahrens folgt die Wohlverhaltensphase. Nach dieser Periode kommt die Restschuldbefreiung.
  • Wie lange eine Verbraucherinsolvenz dauert und welche Kosten dabei entstehen, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Was ist eine Verbraucherinsolvenz?

Die Verbraucherinsolvenz ist der juristische Fachbegriff für Privatinsolvenz.
Die Verbraucherinsolvenz ist der juristische Fachbegriff für Privatinsolvenz.

Verbraucherinsolvenz ist der juristische Fachbegriff für Privatinsolvenz, die für überschuldete Privatpersonen den letzten Ausweg aus der Schuldenfalle darstellt. Sie ist oft die Folge einer Überschuldung oder einer Zahlungsunfähigkeit.

Eine Person kann nur einen Verbraucherinsolvenzantrag stellen, wenn der außergerichtliche Einigungsversuch mit den Gläubigern zuvor gescheitert ist.

Die Verbraucherinsolvenz ist dabei die gerichtliche Schuldenregulierung eines Schuldners, wobei er in der Wohlverhaltensphase die ausstehenden Forderungen nach Möglichkeit abzahlt. Nach einigen Jahren wird ihm die Restschuldbefreiung bewilligt, wodurch er Schuldenfreiheit erlangt.

Für viele Schuldner ist die Verbraucherinsolvenz die einzige Möglichkeit, zu einem schuldenfreien Leben zurückzukehren. Im § 1 der Insolvenzordnung (InsO) wird die Verbraucherinsolvenz gesetzlich geregelt.

Regelinsolvenz und Verbraucherinsolvenz: Welchen Unterschied gibt es?

Wo ist der Unterschied zwischen Regelinsolvenz und Verbraucherinsolvenz?
Wo ist der Unterschied zwischen Regelinsolvenz und Verbraucherinsolvenz?

Während es zwischen Privatinsolvenz und Verbraucherinsolvenz keinen Unterschied gibt, ist die Regelinsolvenz von der Verbraucherinsolvenz zu unterscheiden.

Einen Antrag auf Verbraucherinsolvenz können nur Personen stellen, die keiner Selbständigkeit nachgehen oder nachgegangen sind. Bei einem Verbraucherinsolvenzverfahren ist der Ablauf deutlich einfacher als der eines Regelinsolvenzverfahrens.

Die Regelinsolvenz ist für Unternehmer, Freiberufler und Selbständige. Ehemalige Selbständige, die maximal 19 Gläubiger und keine Schulden aus Arbeitsverhältnissen haben, können auch die Verbraucherinsolvenz beantragen.

Der Unterschied zwischen Regelinsolvenz und Verbraucherinsolvenz ist demnächst, dass eine Verbraucherinsolvenz in der Regel nur Privatpersonen offen steht. Die Frage “Regelinsolvenz oder Verbraucherinsolvenz – was ist besser?” stellt sich demnach nicht, da Unternehmer den Weg der Verbraucherinsolvenz nicht gehen können.

Welchen Ablauf hat ein Verbraucherinsolvenzverfahren?

Wie sieht der Ablauf von einer Verbraucherinsolvenz aus?
Wie sieht der Ablauf von einer Verbraucherinsolvenz aus?

Der Ablauf einer Verbraucherinsolvenz folgt immer einem bestimmten Schema. Nach gescheiterten Einigungsversuch muss der Schuldner beim zuständigen Insolvenzgericht einen Verbraucherinsolvenzantrag stellen. Das Formular für die Verbraucherinsolvenz wird in der Regel von allen Gerichten zur Verfügung gestellt.

Unter Umständen kann zusammen mit dem Gericht ein erneuter Versuch zur Einigung mit den Gläubigern gestartet werden. Dies kann jedoch nur geschehen, wenn das Gericht einen erneuten Versuch als sinnvoll erachtet. Besteht Aussicht auf Erfolg, wird der gerichtliche Schuldenbereinigungsplan an alle Gläubiger verschickt.

Die Gläubiger haben infolgedessen vier Wochen Zeit, um Stellung zu nehmen. Haben mindestens 50 Prozent der Gläubiger dem Schuldenbereinigungsplan zugestimmt, kann der Schuldner beim Gericht beantragen, dass die Zustimmung der ablehnenden Gläubiger ersetzt wird.

Anschließend folgt das Hauptverfahren der Verbraucherinsolvenz. Bevor dieses eingeleitet wird, werden Einkommens- und Vermögensverhältnisse des Schuldners festgehalten und ggf. pfändbares Vermögen verwertet. Sind die Voraussetzungen gegeben, kann anschließend ein Insolvenzplanverfahren erfolgen, in dem die Finanzen des Schuldners noch saniert werden können.

Können die Finanzen des Schuldners nicht saniert werden, folgt die Wohlverhaltensphase. In dieser Phase ist der Schuldner verpflichtet, alle zumutbaren Erwerbstätigkeiten anzunehmen. Darüber hinaus muss der Schuldner in dieser Periode jede Zeit auf Nachfrage seine Finanzen anhand einer Vermögensauskunft offenlegen.

Die Dauer einer Verbraucherinsolvenz hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. In der Regel wird das Verbraucherinsolvenzverfahren fünf bis sechs Wochen nach Antragstellung eröffnet. Das Verbraucherinsolvenzverfahren hat eine Dauer von etwa einem Jahr.Von der Verbraucherinsolvenz bis zur Restschuldbefreiung können bis sieben Jahre vergehen. Die Wohlverhaltensphase dauert je nachdem drei bis sechs Jahre.

Wie wird beim Verbraucherinsolvenzverfahren der Antrag gestellt?

Wie wird der Antrag beim Verbraucherinsolvenzverfahren gestellt?
Wie wird der Antrag beim Verbraucherinsolvenzverfahren gestellt?

Bei Zahlungsunfähigkeit muss der Schuldner zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit dem zuständigen Insolvenzgericht in Verbindung setzen, um einen Eigenantrag auf Verbraucherinsolvenz zu stellen.

Bei der Antragstellung muss der Schuldner anhand von Bescheinigungen nachweisen, dass innerhalb der letzten sechs Monate erfolglos versucht wurde, eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern zu erreichen. Die Grundlage dafür musste ein Schuldenplan gewesen sein.

Des Weiteren muss der Schuldner schriftlich erklären, dass eine Restschuldbefreiung beantragt wurde. Die Beantragung des Verbraucherinsolvenzverfahrens muss mit dem Antrag auf Erteilung der Restschuldbefreiung erfolgen.

Mit dem Antrag muss der Schuldner ein Verzeichnis über sein Einkommen und Vermögen abgeben. Darüber hinaus muss er eine Liste aller Gläubiger sowie aller Schulden und deren Höhe abgeben.

Im Rahmen der Verbraucherinsolvenz muss der Schuldner noch einen Schuldenbereinigungsplan gemäß § 305 InsO abgeben. Bei Bedarf ist zudem eine Vermögensauskunft abzugeben.

Zuallerletzt muss der Schuldner eine Erklärung abgeben, dass alle Angaben vollständig und richtig sind.

Verbraucherinsolvenz: Mit welchen Kosten müssen Sie rechnen?

Beim Verbraucherinsolvenzverfahren bestehen die Kosten aus Anwalts- und Gerichtskosten sowie der Vergütung für den Insolvenzverwalter.
Beim Verbraucherinsolvenzverfahren bestehen die Kosten aus Anwalts- und Gerichtskosten sowie der Vergütung für den Insolvenzverwalter.

Die Kosten für eine Verbraucherinsolvenz bestehen aus Anwalts- und Gerichtskosten sowie der Vergütung für den Insolvenzverwalter. Die Höhe der Gerichts- oder Prozesskosten richtet sich nach dem Wert des pfändbaren Vermögens. In der Regel betragen diese etwa 300 bis 500 Euro. Unter Umständen können Schuldner Prozesskostenhilfe beantragen.

Der Insolvenzverwalter bzw. der Treuhänder erhält in der Regel 15 Prozent der Insolvenzmasse, jedoch mindestens 800 Euro.

Da die Kosten der Privatinsolvenz sich nach der Insolvenzmasse richten, kann über die Höhe keine pauschale Aussage gemacht werden. In der Regel betragen diese jedoch etwa 2.000 bis 3.000 Euro.

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