Verbraucherinsolvenzverfahren: Ablauf in 6 Schritten

Von schuldnerberatung.com, letzte Aktualisierung am: 22. September 2020

Was ist für Sie der beste Weg aus den Schulden?
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten!
Online Schuldenanalyse →

Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Ablauf eines Verbraucherinsolvenzverfahrens

Wie ist der Ablauf bei einem Verbraucherinsolvenzverfahren?

Scheitert der außergerichtliche Einigungsversuch, kann die Insolvenz beantragt werden. Scheitert auch der gerichtliche Einigungsversuch, wird das Insolvenzverfahren eingeleitet. Es folgt die Wohlverhaltensperiode und das Verfahren endet mit der Restschuldbefreiung.

Wie lange dauert ein Verbraucherinsolvenzverfahren?

Das Verbraucherinsolvenzverfahren dauert so lange, bis es zur Erteilung der Restschuldbefreiung kommt. Werden alle Schulden und Verfahrenskosten beglichen, kann das Insolvenzverfahren jederzeit beendet werden. Ist dies nicht der Fall ist eine Beendigung des Verfahrens frühestens nach drei, nach fünf oder spätestens nach sechs Jahren möglich.

Welche Voraussetzungen müssen für ein Verbraucherinsolvenzverfahren erfüllt sein?

Es muss eine Zahlungsunfähigkeit vorliegen oder drohen, ein außergerichtlicher Einigungsversuch muss nachweislich gescheitert sein, es müssen weniger als 20 Gläubiger vorhanden sein und es dürfen keine Forderungen aus Arbeitsverhältnissen bestehen.

Gute Nachricht für insolvente Verbraucher: Das Restschuldbefreiungsverfahren dauert voraussichtlich nur noch drei Jahre, wenn Schuldner ihren Insolvenzantrag ab dem 1.10.2020 einreichen. Anders als bisher müssen sie für diese verkürzte Dauer weder 35 Prozent der Schulden noch die Verfahrenskosten begleichen.
Mehr Informationen und Hintergründe zu dieser geplanten Gesetzesänderung finden Sie in unserem Ratgeber zur Restschuldbefreiung.

Wie gestaltet sich bei einem Privatinsolvenzverfahren der Ablauf?

Privates Insolvenzverfahren: Der Ablauf gestaltet sich immer gleich.
Privates Insolvenzverfahren: Der Ablauf gestaltet sich immer gleich.

Wer Schulden hat und diese nicht mehr aus eigener Kraft begleichen kann, hat in Deutschland die Möglichkeit, diese in einem Insolvenzverfahren zu bereinigen. Um dieses anmelden zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Auch währenddessen sind einige Regeln zu beachten. Das Verbraucherinsolvenzverfahren ist in der Regel die letzte Chance, die Schulden doch noch loszuwerden.

Es gestaltet sich bei einem Verbraucherinsolvenzverfahren der Ablauf in der Regel immer gleich. Grob gliedert sich dieses in die Vorbereitung, Anmeldung und Durchführung. Am Ende des Verfahrens steht die Restschuldbefreiung, welche auch gleichzeitig das Ziel eines jeden Insolvenzverfahrens ist. Doch wie ist der genaue Ablauf bei einem Insolvenzverfahren für eine Privatperson? Im Folgenden werden die sechs Phasen eines Verbraucherinsolvenzverfahrens näher erläutert.

Was ist für Sie der beste Weg aus den Schulden?
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten!
Online Schuldenanalyse →

Außergerichtlicher Einigungsversuch

Bevor eine Verbraucherinsolvenz beantragt werden kann, muss mit den Gläubigern ein außergerichtlicher Einigungsversuch unternommen werden. Lassen Sie sich im Zweifelsfall bei der Kommunikation mit den Gläubigern von einer Schuldnerberatung oder einem Anwalt unterstützen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Schulden auf außergerichtlichem Wege loszuwerden:

  • Vereinbarung einer Ratenzahlung: Die Schulden werden vollständig über einen längeren Zeitraum in monatlichen Raten abgezahlt.
  • Schuldenvergleich: Die Schulden werden teilweise beglichen und teilweise erlassen.
  • Schuldenerlass: Die Schulden werden in vollem Umfang erlassen.

Welche Form der außergerichtlichen Schuldenbereinigung sich anbietet, ist von der Höhe der Schulden, den finanziellen Mitteln des Schuldners und der wirtschaftlichen Situation des Gläubigers abhängig. Sind die Schulden zu hoch, besteht keine Aussicht darauf, dass sich die finanzielle Situation des Schuldners bessert oder ist der Gläubiger auf das Geld angewiesen, kann es sein, dass der außergerichtliche Einigungsversuch scheitert. In diesem Fall wird ein Verbraucherinsolvenzverfahren angemeldet. Im Ablauf geht es dann weiter mit der Antragstellung.

Verbraucherinsolvenzverfahren: Der Antrag muss beim örtlichen Amtsgericht eingereicht werden.
Verbraucherinsolvenzverfahren: Der Antrag muss beim örtlichen Amtsgericht eingereicht werden.

Anmeldung der Verbraucherinsolvenz

Eine Verbraucherinsolvenz kann beim örtlichen Amtsgericht beantragt werden. Das Gericht entscheidet, ob ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden kann oder nicht. Für die Anmeldung müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es droht eine Zahlungsunfähigkeit oder diese liegt bereits vor.
  • Der außergerichtliche Einigungsversuch ist nachweislich gescheitert.
  • Die Vermögensverhältnisse sind überschaubar – d.h. es sind weniger als 20 Gläubiger vorhanden.
  • Es bestehen keine Forderungen aus Arbeitsverhältnissen.

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, kann es dazu kommen, dass das Gericht Antrag auf Privatinsolvenz ablehnt. Bevor jedoch dem Antrag stattgegeben wird und die Schulden durch ein Insolvenzverfahren bereinigt werden können, muss zunächst ein gerichtlicher Einigungsversuch unternommen werden.

Gerichtlicher Einigungsversuch

Für den gerichtlichen Einigungsversuch muss ein Schuldenbereinigungsplan vorgelegt werden. Während dieser Zeit ruht der Antrag auf Insolvenzeröffnung. Diese Phase darf maximal drei Monate dauern. Besteht keine Aussicht darauf, dass der Schuldenbereinigungsplan von den Gläubigern angenommen wird, ordnet das Gericht an, das Verfahren über den Antrag zur Insolvenzeröffnung fortzuführen.

Andernfalls werden die Schulden gemäß des Schuldenbereinigungsplans abgebaut. Entscheidet das Gericht für ein Verbraucherinsolvenzverfahren, kommt laut Ablauf als nächstes die Insolvenzeröffnung.

Was ist für Sie der beste Weg aus den Schulden?
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten!
Online Schuldenanalyse →
Verbraucherinsolvenzverfahren - Ablauf: Nach der Abtretungsfrist folgt die Restschuldbefreiung.
Verbraucherinsolvenzverfahren – Ablauf: Nach der Abtretungsfrist folgt die Restschuldbefreiung.

Insolvenzverfahren

Wird dem Antrag auf Insolvenzeröffnung stattgegeben, wird ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Es wird ein Insolvenzverwalter eingesetzt, der das pfändbare Vermögen des Schuldners ermittelt und dieses zur Insolvenzmasse hinzufügt. Der Insolvenzverwalter verwaltet und verwertet die Insolvenzmasse und verteilt den Erlös unter den Gläubigern. Ein Verbraucherinsolvenzverfahren verfolgt somit zwei Ziele:

  • Die offenen Forderungen der Gläubiger bestmöglich zu befriedigen.
  • Die Restschuldbefreiung des Schuldners und damit seine Schuldenfreiheit zu erreichen.

Wohlverhaltensphase

Mit Eröffnung des Verbraucherinsolvenzverfahrens beginnt die Wohlverhaltensphase,die auch Abtretungsfrist genannt wird. In dieser Phase wird das pfändbare Einkommen des Schuldners an den Insolvenzverwalter abgetreten, der dieses unter Gläubigern verteilt, bis deren Forderungen vollständig und die Verfahrenskosten befriedigt wurden. Während dieser Phase haben Schuldner folgende Pflichten zu erfüllen:

  • Der Schuldner muss einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder sich nachweislich darum bemühen.
  • Der Schuldner darf während dieser Phase keine neuen Schulden machen.

Restschuldbefreiung

Wird die Wohlverhaltensphase erfolgreich durchlaufen, erfolgt die Restschuldbefreiung. Diese stellt somit beim Verbraucherinsolvenzverfahren im Ablauf den letzten Schritt dar. Bis alle Phasen eines einer Privatinsolvenz durchlaufen sind und dieses als beendet gilt, können einige Jahre vergehen. Wie lange das Insolvenzverfahren letztendlich dauert, hängt davon ab, wann die Restschuldbefreiung erteilt wird:

  • Sofortige Beendigung des Verbraucherinsolvenzverfahrens: Das Insolvenzverfahren kann jederzeit beendet werden, wenn zu diesem Zeitpunkt alle Schulden sowie die Verfahrenskosten beglichen wurden.
  • Vorzeitige Beendigung des Verbraucherinsolvenzverfahrens nach drei Jahren: Dies ist möglich, wenn drei Jahre nach Verfahrenseröffnung 35 Prozent der offenen Forderungen befriedigt wurden und alle Verfahrenskosten bezahlt worden sind.
  • Vorzeitige Beendigung des Verbraucherinsolvenzverfahrens nach fünf Jahren: Dies ist der spätestmögliche Zeitpunkt für die vorzeitige Beendigung des Insolvenzverfahrens. Wurden bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle Schulden aber zumindest die Verfahrenskosten getilgt, wird der Rest der Schulden erlassen.

Verbraucherinsolvenzverfahren maximale Dauer: Spätestens sechs Jahre nach Insolvenzeröffnung ist ein Schuldner wieder schuldenfrei und kann einen finanziellen Neustart wagen. Grundsätzlich kann einem Schuldner die Restschuldbefreiung auch versagt werden, wenn er zum Beispiel gegen Auflagen verstößt oder ein Insolvenzgläubiger oder der Treuhänder einen entsprechenden Antrag stellt.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (55 Bewertungen, Durchschnitt: 4,60 von 5)
Verbraucherinsolvenzverfahren: Ablauf in 6 Schritten
Loading...
Was ist für Sie der beste Weg aus den Schulden?
Prüfen Sie jetzt kostenlos Ihre Möglichkeiten!
Online Schuldenanalyse →

Ersten Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.