Wohlverhaltensphase: Die längste Phase der Insolvenz

Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Thema “Wohlverhaltensphase”

  1. Die Wohlverhaltensphase ist ein Abschnitt, den der Schuldner nach dem Insolvenzverfahren durchläuft.
  2. Sie ist die längste Phase der Insolvenz, nach deren erfolgreichem Abschluss die Restschuldbefreiung möglich ist.
  3. Regulär dauert die Wohlverhaltensphase sechs Wochen. Es ist unter bestimmten Umständen aber möglich, diese Periode zu verkürzen.
  4. Während der Wohlverhaltensphase haben Sie sich an bestimmte Pflichten zu halten, da andernfalls die Restschuldbefreiung verweigert werden kann.

Letzter Ausweg: Insolvenzverfahren

Ziel der Insolvenz ist die Restschuldbefreiung. Zuvor folgt aber noch die Wohlverhaltensphase.
Ziel der Insolvenz ist die Restschuldbefreiung. Zuvor folgt aber noch die Wohlverhaltensphase.
Wem die Schulden über den Kopf wachsen, kann sich meist nicht mehr aus eigener Kraft aus dem Schuldensumpf befreien. Oftmals gerät er durch die Aufnahme weiterer Kredite nur immer tiefer in die Schuldenfalle. Ist nachweislich eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern nicht möglich, bleibt den Betroffenen meist kein anderer Ausweg mehr, als Insolvenz anzumelden.

Durchläuft er erfolgreich das Insolvenzverfahren, ist er am Ende dieses Prozesses -spätestens nach sechs Jahren – schuldenfrei. Die Gläubiger werden hingegen aus dem Vermögen des Schuldners, der sogenannten Insolvenzmasse entschädigt, die durch den gerichtlich bestimmten Insolvenzverwalter verwahrt wird. In der Insolvenz spielt die Wohlverhaltensphase eine besondere Rolle. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie im Folgenden.

Was ist die Wohlverhaltensphase in der Privatinsolvenz?

Der Ablauf des Insolvenzverfahrens ist gesetzlich klar geregelt. Die Wohlverhaltensphase, auch Wohlverhaltensperiode genannt, ist ein unabdingbarer Bestandteil dieses Verfahrens. Häufig fragen sich die Betroffenen: „Wann beginnt die Wohlverhaltensphase?“ Die Wohlverhaltensphase folgt dem Insolvenzverfahren auf dem Fuße und beschreibt eigentlich die längste Phase der Insolvenz.

Obwohl das formale Insolvenzverfahren abgeschlossen ist, muss sich der Schuldner während der Wohlverhaltensphase an viele Regeln halten. Andernfalls kann ihm die Restschuldbefreiung, die das eigentliche Ziel der Insolvenz ist, versagt bleiben. Deshalb ist es für Schuldner, die ein Insolvenzverfahren durchlaufen, unverzichtbar, ebenjene Vorschriften zu kennen und einzuhalten, die während der Wohlverhaltensphase in der Privatinsolvenz gelten. Nur dann können ihm sämtliche noch vorhandenen Schulden erlassen werden.

Wie lange dauert die Wohlverhaltensphase?

Welchen Zeitraum umfasst die Wohlverhaltensphase?
Welchen Zeitraum umfasst die Wohlverhaltensphase?
In der Privatinsolvenz hat die Wohlverhaltensphase regulär eine Dauer von sechs Jahren und währt so lange, bis die Restschuldbefreiung erfolgt ist. Allerdings ist es seit 2014 unter Umständen möglich, die Dauer der Wohlverhaltensphase zu reduzieren und vorzeitig die Schulden loszuwerden. Allerdings gelingt dies nur den wenigsten Schuldnern.

Während der Privatinsolvenz kann die Verkürzung der Wohlverhaltensphase auf drei Jahre erfolgen, solange Sie nach dieser Zeit die Verfahrenskosten begleichen und bereits 35 Prozent Ihrer Schulden tilgen konnten. Auch eine Reduzierung der Wohlverhaltensphase auf fünf Jahre ist möglich, sofern Sie die Verfahrenskosten abgestottert haben.

Wer die Wohlverhaltensphase und die Privatinsolvenz vorzeitig beenden möchte, muss dazu einen Antrag beim zuständigen Insolvenzgericht stellen. Diese Regelung gilt auch, wenn Sie bereits vor Ablauf der drei Jahre sämtliche Gläubigerforderungen befriedigen und die Verfahrenskosten abzahlen konnten.

Können Sie diese Anforderungen nicht erfüllen oder haben Sie vor dem Juli 2014 die Insolvenz beantragt, endet die Privatinsolvenz mit der Wohlverhaltensphase für Sie erst nach sechs Jahren.

Übrigens: Auch bei der Regelinsolvenz dauert die Wohlverhaltensphase in der Regel sechs Jahre.

Welche Vorschriften muss der Schuldner in der Wohlverhaltensphase einhalten?

Die angestrebte Restschuldbefreiung ist also nur eine Option, wenn sich der Betreffende an die entsprechenden Auflagen hält. Welche Obliegenheiten es sind, die der Schuldner während der Wohlverhaltensphase zu beachten hat, ist in § 295 der Insolvenzordnung (InsO) geregelt. Ziel ist es bei diesen Vorgaben, dass der Schuldner sich darum bemüht, möglichst viele seiner Schulden aus eigener Kraft abzubauen.

Ein Umzug muss während der Wohlverhaltensphase mitgeteilt werden.
Ein Umzug muss während der Wohlverhaltensphase mitgeteilt werden.
Aus diesem Grund ist er verpflichtet, einer angemessenen Arbeit nachzugehen. Jenes Einkommen, welches oberhalb der Pfändungsfreigrenze liegt, wird zum Schuldenabbau herangezogen. Hat er keine Arbeit, muss er nachweisen, dass er sich ernstlich um eine Stelle bemüht. Außerdem darf er keine Stellenangebote ablehnen, die seiner Qualifikation und seinem Gesundheitszustand angemessen sind. Die Rechtfertigung wegen der Kinderbetreuung nicht arbeiten zu können, gilt dabei nur für Kinder bis zu einem gewissen Alter.

Sie können sich übrigens auch selbständig machen in der Wohlverhaltensphase. Allerdings gilt auch hier, dass Sie Abgaben an den Insolvenzverwalter zu zahlen haben, wie es auch bei einer nichtselbstständigen Beschäftigung der Fall wäre. Wie viel Sie in diesem Fall von Ihrem monatlichen Gehalt an den Insolvenzverwalter abführen müssten, wird anhand des fiktiven Einkommens berechnet, welches durch die Berufskammer ermittelt wird. Liegen Sie nach dieser Berechnung unterhalb der Pfändungsfreigrenze, können Sie selbstredend den gesamten Lohn behalten.

Welchen Pflichten muss der Schuldner in der Wohlverhaltensphase noch nachkommen?

  • Schenkung und Erbe: Natürlich kann es sein, dass Sie während der Wohlverhaltensphase neues Vermögen durch eine Erbschaft oder Schenkung erlangen. Sie müssen allerdings nicht befürchten, dass Ihnen dieses zur Gänze gleich wieder vom Treuhänder entzogen wird. Dieser hat Anspruch auf 50 Prozent der Summe bei einer Privatinsolvenz. Eine Erbschaft in der Wohlverhaltensphase müssen Sie übrigens nicht annehmen, sondern können Sie wie sonst auch ausschlagen.
  • Wohn- und Arbeitsplatzwechsel: Von einem Wechsel des Wohn- oder Arbeitsplatzes müssen Sie das Insolvenzgericht und den Treuhänder innerhalb von zwei Wochen in Kenntnis setzen.
  • Mitwirkungspflicht: Sie haben 14 Tage Zeit, um auf Fragen und Aufforderungen des Insolvenzgerichts oder des Treuhänders zu reagieren bzw. wahrheitsgemäß zu antworten. Unter Umständen müssen Sie z. B. durch Bewerbungen nachweisen, dass Sie sich um einen Arbeitsplatz bemühen.
  • Treuhänder als Mittler: In der Wohlverhaltensphase dürfen Sie nicht damit beginnen, einzelne Gläubiger auszuzahlen. Das pfändbare Einkommen zahlen Sie stets an den Treuhänder, der dann wiederum die Gläubiger entschädigt.
  • Bezahlung des Treuhänders: Es ist Aufgabe des Schuldners, den Treuhänder zu bezahlen. Kann dies nicht mit dem pfändbaren Einkommen bewältigt werden, muss die Bezahlung aus dem unpfändbaren Einkommen erfolgen.
Verstoßen Sie gegen die Obliegenheiten, kann Ihnen die Restschuldbefreiung verweigert werden. Sie bleiben also verschuldet. Unter Umständen kann eine solche Pflichtverletzung aber auch heilen, sodass die Restschuldbefreiung doch wieder in Reichweite rückt. Dazu müssen Sie die Obliegenheitsverletzung selbst aufdecken und nachholen.

Erhalten Sie einen Kredit in der Wohlverhaltensphase?

In der Wohlverhaltensphase ist es schwierig, einen Kredit zu erhalten.
In der Wohlverhaltensphase ist es schwierig, einen Kredit zu erhalten.
Da Ihre Geldmittel in der Wohlverhaltensphase sehr begrenzt sind, spielen Sie vielleicht mit dem Gedanken, einen Kredit aufzunehmen. Das dürfte sich allerdings als schwierig erweisen, da die meisten Kreditinstitute Ihnen in Ihrer derzeitigen Lage kein Darlehen gewähren werden.

Finden Sie einen möglichen Kreditgeber, müssen Sie ihn darüber informieren, dass Sie sich mitten im Insolvenzverfahren befinden. Kommen Sie Ihrer Informationspflicht nicht nach, machen Sie sich womöglich des Betrugs strafbar.

In der Regel ist Betroffenen von der Aufnahme eines Kredits während der Wohlverhaltensphase abzuraten. Zum einen können die Gläubiger verlangen, dass Ihnen die Restschuldbefreiung verweigert wird. Zum anderen sollten Sie während der Wohlverhaltensphase neue Schulden vermeiden, da diese nicht von der Restschuldbefreiung betroffen wären. Können Sie die Kreditschulden nicht begleichen, können Sie erst nach zehn Jahren wieder eine Privatinsolvenz durchlaufen.

Insolvenzverfahren und Wohlverhaltensphase erfolgreich durchlaufen – und dann?

Nachdem Sie die Wohlverhaltensphase durchlaufen haben und sich keiner Obliegenheitsverletzung schuldig gemacht haben, kann das Insolvenzgericht beschließen, Ihnen die Restschulden zu erlassen. Durch die Restschuldbefreiung können Sie ab sofort wieder ein schuldenfreies Leben führen, sofern Sie sich nicht bereits erneut verschuldet haben. Ihre alten Gläubiger können nun keine Forderungen mehr an Sie stellen.

Obgleich Sie von den Schulden befreit sind, speichert die Schufa noch drei Jahre lang die Information, dass Sie eine Privatinsolvenz durchlaufen haben.
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