Zahlungsziel in Deutschland: Gesetz, Frist und Zahlungsverzug

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Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Zahlungsziel

Was ist ein Zahlungsziel?

Zahlungsziel bedeutet, beispielsweise bei Rechnungen bzw. Kaufverträgen, dass für die Zahlung der Leistung eine Frist festgelegt wird. Manchmal ist eine Zahlungserinnerung nötig.

Wie lässt sich das durchschnittliche Zahlungsziel berechnen?

Die Forderungshöhe wird zuerst durch den Jahresumsatz geteilt und dann mit 365 Tagen multipliziert. Die Formel finden Sie mit einem Klick hier.

Was ist, wenn kein Zahlungsziel auf der Rechnung vermerkt ist, gilt dann ein gesetzliches Zahlungsziel in Deutschland?

In der Regel ist ein 14-tägiges Zahlungsziel vereinbart. In Deutschland gilt per Gesetz andernfalls eine Frist von 30 Tagen. Erhalten Sie eine Mahnung, sind Sie im Zahlungsverzug.

Zahlungsziel: Definition der wichtigsten Begriffe

Zahlungsziel: Laut § 286 BGB ist der Schuldner erst 30 Tage nach Fälligkeit der Rechnung in Verzug.
Zahlungsziel: Laut § 286 BGB ist der Schuldner erst 30 Tage nach Fälligkeit der Rechnung in Verzug.

Zahlungsziel, Vorkasse, Valuta und Skonto: Alle diese Begriffe gehören zu den Zahlungsbedingungen, wie zwischen einem Käufer und einem Verkäufer vereinbart werden können. Kaufen Sie beispielsweise ein Produkt online und wählen als Zahlungsoption „Sofortüberweisung“, dann gehen Sie in Vorkasse. Geliefert wird das Produkt erst, wenn es bezahlt ist.

Andersherum gibt es oft die Möglichkeit, etwas zu kaufen oder eine Dienstleistung zu erhalten und die Rechnung dafür erst später zu bezahlen. Zahlung auf Ziel heißt im Grunde nichts anderes, als dass dem Kunden eine Zahlungsfrist gesetzt wird, die in der Zukunft liegt, also nach Erhalt der Ware oder Dienstleistung. Sehen wir uns das Zahlungsziel mit Skonto oder Valuta an:

  • Zahlungsziel mit Skontofrist: Das Zahlungsziel liegt in der Zukunft, allerdings wird Skonto, also Rabatt, gewährt, wenn Sie den geschuldeten Betrag noch vor Ablauf des Zahlungsziels begleichen.
  • Zahlungsziel mit Valutadatum: Der Verkäufer oder Dienstleister kann ein Valutadatum festlegen. Selbst wenn Sie bis zu diesem Zeitpunkt und damit noch vor dem vereinbarten Zahlungsziel bezahlen, erhalten Sie keinen Rabatt mehr. Im Gegenteil: Ab dem Valutadatum können sogar Zinsen erhoben werden.

Dabei können die Vertragspartner das Zahlungsziel individuell vereinbaren. Gerade bei internationalen Geschäftsbeziehungen, wenn z. B. lange Lieferzeiten in Kauf genommen werden, kann das Zahlungsziel oft 60, 90 oder sogar 180 Tage betragen. Innerhalb Deutschlands ist es jedoch wesentlich geringer. Üblich sind hierzulande 14 Tage.

Bis wann muss ich die Rechnung bezahlen, wenn kein Zahlungsziel vereinbart ist?

Definition: Zahlungsziel bedeutet, dass ein Betrag bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bezahlt werden muss.
Definition: Zahlungsziel bedeutet, dass ein Betrag bis zu einem bestimmten Zeitpunkt bezahlt werden muss.

Haben Sie eine Rechnung ohne Zahlungsziel bzw. ohne Angabe der Zahlungsbedingungen erhalten? In diesem Fall greifen die gesetzlichen Regelungen. Dabei ist im Gesetzestext nicht unbedingt wörtlich vom Zahlungsziel die Rede. Relevant sind vor allem das Handelsgesetzbuch (HGB) sowie das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB).

Nach § 271 Abs. 1 BGB kann der Gläubiger (z. B. der Verkäufer einer Ware) die Zahlung sofort verlangen, wenn im Kaufvertrag nichts anderes vereinbart wurde. Allerdings ist das Zahlungsziel nach § 286 BGB erst überschritten bzw. gerät der Schuldner erst in Zahlungsverzug, wenn er 30 Tage nach Fälligkeit immer noch nicht bezahlt hat. Dies leitet sich aus Abs. 3 Satz 1 an:

Der Schuldner einer Entgeltforderung kommt spätestens in Verzug, wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung oder gleichwertigen Zahlungsaufstellung leistet […].

Demnach überschreiten Sie zwar das Zahlungsziel, sind nach Fälligkeit der Forderung aber erst im Zahlungsverzug, wenn 30 Tage verstrichen sind. In den meisten Fällen muss außerdem erst eine Mahnung vorausgehen und der Schuldner muss über die Zahlungsbedingungen aufgeklärt worden sein.

Beachten Sie dabei: Der Vertragspartner kann, wurde das Zahlungsziel überschritten, laut HGB Zinsen erheben. Konkret heißt es in § 352 Abs. 1 HGB zum Zahlungsziel bzw. zum Zahlungsverzug:

Die Höhe der gesetzlichen Zinsen, mit Ausnahme der Verzugszinsen, ist bei beiderseitigen Handelsgeschäften fünf vom Hundert für das Jahr. Das gleiche gilt, wenn für eine Schuld aus einem solchen Handelsgeschäfte Zinsen ohne Bestimmung des Zinsfußes versprochen sind.

Was bedeutet es, wenn die Bank ein zinsfreies Zahlungsziel bei der Kreditkarte gewährt? Oft ist es so, dass die Kreditkarte mit dem Girokonto verknüpft ist. Wenn Sie mit der Kreditkarte bezahlen, wird erst am Ende des Monats der geschuldete Betrag vom Girokonto beglichen.
Geschieht dies auf einen Schlag, also ohne Ratenzahlung (wie es z. B. bei Disposchulden der Fall ist), dann erhebt die Bank keine Zinsen auf die Beträge, die Sie im Laufe des Monats mit der Kreditkarte in Anspruch genommen haben.
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Was bedeutet diese Formulierung beim Zahlungsziel: „sofort rein netto“?

Häufig lesen Sie auf Rechnungen Anmerkungen wie „zahlbar sofort rein netto“. Was hat es damit auf sich? “Netto” ist ein Begriff, den Sie von Ihrem Gehaltszettel kennen. Er gibt an, wie viel Geld Ihnen vom Bruttoeinkommen nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern übrig bleibt.

Damit Kunden das Zahlungsziel möglichst verkürzen, also die Ware früher bezahlen als vereinbart, bieten Unternehmen oft Rabatte an (= Skonto). Finden Sie auf einer Rechnung oder in einem Kaufvertrag den Vermerk „rein netto“, dann wird beim verkürzten Zahlungsziel kein Skonto gewährt.

Der geschuldete Betrag muss also immer voll, ohne Abzug, bezahlt werden, auch wenn Sie bereits vor Ablauf des Zahlungsziels zahlen.

Unternehmen können das durchschnittliche Zahlungsziel ihrer Kunden selbst berechnen: (Forderungshöhe : Jahresumsatz) x 365 Tage = durchschnittliches Zahlungsziel. Mit diesem Wissen lassen sich die Finanzen vorausschauend planen.
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Zahlungsziel verlängern und Verzug vermeiden

Zahlungsziel ändern: Schreiben Sie dem Vertragspartner oder kontaktieren Sie anderweitig und verhandeln Sie das Zahlungsziel neu.
Zahlungsziel ändern: Schreiben Sie dem Vertragspartner oder kontaktieren Sie ihn anderweitig und verhandeln Sie das Zahlungsziel neu.

Aufgrund der in Deutschland geltenden Vertragsfreiheit, können Vertragspartner das Zahlungsziel individuell vereinbaren. Stellen Sie fest, dass Sie das Zahlungsziel nicht einhalten können, sollten Sie daher den Vertragspartner kontaktieren.

Denken Sie außerdem daran: Überschreiten Sie das Zahlungsziel, ohne eine Mahnung zu erhalten, kann es sein, dass Sie rechtlich gesehen noch nicht in Zahlungsverzug sind. Nach § 286 Abs. 2 BGB ist aber nicht immer eine Mahnung erforderlich. Sie befinden sich auch ohne Mahnung in Zahlungsverzug, wenn …

  • bereits ein bestimmtes Zahlungsziel, also eine konkrete Frist, vereinbart wurde,
  • noch eine andere Leistung erwartet wird,
  • der Schuldner die Zahlung absolut verweigert,
  • oder aus anderen Gründen ein Zahlungsverzug vorliegt.
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