Zwangsversteigerung: Was ist das und wie läuft sie ab?

Kurz und knapp: Das Wichtigste zum Thema „Zwangsversteigerung“

  1. Bei einer Zwangsversteigerung werden bewegliche und unbewegliche Sachen des Schuldners in Geld verwandelt, um die offenen Forderungen des Gläubigers zu befriedigen.
  2. Vollstreckungsgericht bewilligt die Zwangsversteigerung, legt den Termin und das geringste Gebot fest und führt diese auch durch. Der Meistbietende erhält den Zuschlag.
  3. Das Verfahren zu einer Zwangsversteigerung kann aufgehoben oder einstweilig eingestellt werden, wenn ein Grund dafür besteht.

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Zwangsversteigerung von Immobilien

Was ist eine Zwangsversteigerung?

Auch Wohnungen können für Zwangsversteigerungen in Betracht gezogen werden.
Auch Wohnungen können für Zwangsversteigerungen in Betracht gezogen werden.

Die Zwangsversteigerung ist grundsätzlich eine Form der Zwangsvollstreckung. Um diese durchführen zu können, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein:

  • Vollstreckungstitel: Der Gläubiger benötigt einen Vollstreckungstitel, um eine Zwangsvollstreckung zu erwirken. Ein Vollstreckungstitel kann zum Beispiel ein Urteil oder ein Vollstreckungsbescheid sein.
  • Vollstreckungsklausel: Ein Vollstreckungstitel muss eine Vollstreckungsklausel enthalten, andernfalls kann keine Zwangsvollstreckung erfolgen.
  • Zustellung des Vollstreckungstitels: Der Vollstreckungstitel muss dem Schuldner vor Beginn der Zwangsvollstreckung zugestellt werden.

Eine Zwangsvollstreckung muss bei einem Amtsgericht beantragt werden. Ist der Antrag genehmigt, kann sich der Gläubiger aussuchen, welche Form der Zwangsvollstreckung ausgeführt werden soll. Dies kann zum Beispiel in Form einer Zwangsversteigerung geschehen. Hier ist aber zu beachten, dass eine Zwangsversteigerung nicht eingeleitet werden darf, wenn die Schulden geringer sind als der Wert des Grundbesitzes.

Das Zwangsversteigerungsgesetz (ZVG) regelt die Zwangsversteigerung. In der Regel ist die Zwangsversteigerung die drastischste Form der Zwangsvollstreckung und für die Gläubiger oft auch der letzte Ausweg, um ihren Anspruch auf die Befriedigung ihrer Forderungen doch noch durchzusetzen.

Was ist das Ziel einer Zwangsversteigerung?

Eine Zwangsvollstreckung ist in der Regel nötig, wenn die betroffene Person seine Schulden mit Geld nicht mehr begleichen kann. Bei einer Zwangsversteigerung geht es also darum, den Besitz des Schuldners in Geld umzuwandeln. Der Erlös geht dabei an die Gläubiger. Das Ziel ist es also, die Forderungen des Gläubigers zu befriedigen.

Was kann zwangsversteigert werden?

Es können sowohl bewegliche als auch unbewegliche Sachen zwangsversteigert werden. Die Zwangsversteigerung von beweglichen Sachen wird in der Regel durch einen Gerichtsvollzieher ausgeführt. Dieser kann im Rahmen einer Zwangsversteigerung beispielsweise das Auto veräußern, wenn dieses nicht unbedingt für den Weg zu Arbeit benötigt wird.

Werden unbewegliche Sachen zwangsversteigert, ist das schon deutlich drastischer, denn im Rahmen von Zwangsversteigerungen können ganze Immobilien beschlagnahmt werden. Hierbei sind sowohl die Zwangsversteigerung einer Eigentumswohnung als auch eines Hauses denkbar.

Zwangsversteigerung von einem Grundstück

Angst ums eigene Haus: Bei Zwangsversteigerungen können ganze Immobilien veräußert werden.
Angst ums eigene Haus: Bei Zwangsversteigerungen können ganze Immobilien veräußert werden.

Ein Grundstück kann entweder zwangsversteigert werden oder unter Zwangsverwaltung gestellt werden. In der Regel ist für Zwangsverwaltungen und Zwangsversteigerungen das Amtsgericht als Vollstreckungsgericht zuständig, in dessen Bezirk die Immobilie liegt.

Bei einem Amtsgericht müssen Zwangsversteigerungen von einem Gläubiger beantragt werden. Amtsgerichte führen die Zwangsversteigerungen anschließend auch durch, nachdem der Antrag des Gläubigers bewilligt wurde.

Durch das Vollstreckungsgericht wird dann der Grundstückswert, also der Verkehrswert der Immobilie, festgesetzt. Hierfür kann das Gericht auch einen Sachverständigen beauftragen. Wurde dieser Wert bestimmt, kann ein Termin für die Zwangsversteigerung festgelegt werden.

Laut § 21 des ZVG darf die Zwangsversteigerung nur erfolgen, wenn der Schuldner der Eigentümer des Grundstücks oder der Erbe des Eigentümers ist.

Zwangsversteigerung bei einem Bauernhof
Bei einem Bauernhof ist zu beachten, dass es zusätzlich zum Grundstück auch land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse gibt. Diese dürfen laut § 21 des ZVG nur beschlagnahmt werden, wenn sie noch mit dem Boden des Grundstücks verbunden sind.

Was ist bezüglich der Zwangsversteigerungstermine zu beachten?

Die Termine für Zwangsversteigerungen werden ebenfalls vom Vollstreckungsgericht festgelegt. Dieser wird erst dann festgelegt, wenn die Immobilie beschlagnahmt wurde. Wird ein Termin für die Zwangsversteigerung anberaumt, muss diese innerhalb von sechs Monaten stattfinden. Der Termin für die Zwangsversteigerung muss spätestens sechs Wochen vor dem Termin bekanntgemacht worden sein, andernfalls muss ein erneuter Termin bestimmt werden.

Termine von Zwangsversteigerungen werden öffentlich, zum Beispiel auch in der Presse, mitgeteilt. Amtsgerichte können den Termin für die Zwangsversteigerung außerdem auch online bekanntgeben.

Wie funktioniert die Zwangsversteigerung von einem Haus?

Bei einer Zwangsversteigerung ist der Ablauf in der Regel immer gleich. Wurden zur Zwangsversteigerung die wichtigsten Informationen bekanntgegeben und es wurde festgestellt, dass die Verfahrensbeteiligten anwesend sind, wird das geringste Gebot mitgeteilt. Die Bedingung des geringsten Gebots muss für die Versteigerung laut § 44 des ZVG erfüllt sein:

“Bei der Versteigerung wird nur ein solches Gebot zugelassen, durch welches die dem Anspruch des Gläubigers vorgehenden Rechte sowie die aus dem Versteigerungserlös zu entnehmenden Kosten des Verfahrens gedeckt werden.”

Anschließend findet die eigentliche Versteigerung statt, bei der die Interessenten ihre Gebote abgeben können. Diese muss mindestens 30 Minuten dauern. Am Ende wird das höchste Gebot dreimal aufgerufen und die Versteigerung geschlossen. Anschließend verhandelt das Gericht über die Erteilung des Zuschlags. Der Meistbietende erhält den Zuschlag und ist dann der neue Besitzer der Immobilie.

Wie kann ich eine Zwangsversteigerung verhindern?

Bei einer drohenden Zwangsversteigerung können Tipps von einer Schuldnerberatung oder einem Anwalt hilfreich sein.
Bei einer drohenden Zwangsversteigerung können Tipps von einer Schuldnerberatung oder einem Anwalt hilfreich sein.

Sobald die Betroffenen informiert sind, werden diese sich eventuell fragen, wie sie eine Zwangsversteigerung noch abwenden können. Eine Zwangsversteigerung zu verhindern, ist zwar nicht unmöglich, aber dennoch schwierig.

Eine völlige Aufhebung des Verfahrens ist in einigen Fällen aber durchaus denkbar. Unter § 28 des ZVG ist geregelt, wann eine Aufhebung des Zwangsversteigerungsverfahrens in Betracht kommt:

“Wird dem Vollstreckungsgericht ein aus dem Grundbuch ersichtliches Recht bekannt, welches der Zwangsversteigerung oder der Fortsetzung des Verfahrens entgegensteht, so hat das Gericht das Verfahren entweder sofort aufzuheben oder unter Bestimmung einer Frist, binnen welcher der Gläubiger die Hebung des Hindernisses nachzuweisen hat, einstweilen einzustellen. Im letzteren Fall ist das Verfahren nach dem Ablauf der Frist aufzuheben, wenn nicht inzwischen der Nachweis erbracht ist.”

Des Weiteren kann das Verfahren einer Zwangsvollstreckung durch den Gläubiger aufgehoben werden, indem dieser den Antrag auf Versteigerung zurückzieht. Das Verfahren kann außerdem auch einstweilig eingestellt werden, wenn der Gläubiger dies bewilligt.

Eine einstweilige Einstellung kann höchstens sechs Monate dauern, aber durch den Gläubiger auch erneut bewilligt werden. Wurde das Verfahren bereits zweimal eingestellt und der Gläubiger bewilligt die Einstellung erneut, ist das gleichbedeutend mit der Rücknahme des Versteigerungsantrags.

Der Schuldner selbst kann einen Antrag auf einstweilige Einstellung des Verfahrens stellen. Dies muss innerhalb von zwei Wochen geschehen, nachdem der Schuldner über die Zwangsversteigerung informiert wurde. Anschließend muss er dem Gericht glaubhaft darlegen, dass er in der Lage ist, die offenen Forderungen der Gläubiger innerhalb der nächsten sechs Monate zu befriedigen.

Wo finde ich Hilfe bei drohender Zwangsversteigerung?

Wenn eine Zwangsversteigerung droht, kann Ihnen eine Schuldner- und Insolvenzberatung oder auch ein Anwalt weiterhelfen. Beide nehmen mit Gläubigern Kontakt auf und versuchen, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Sollte es aber zu einem Verfahren kommen, kann Sie nur ein Anwalt vor Gericht vertreten.

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