Insolvenz anmelden: Wann, wie, wo und warum?

Kurz & knapp: Das Wichtigste zur Anmeldung vom Insolvenzverfahren

  • Das Insolvenzverfahren sollte spätestens mit Eintreten einer Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung beantragt werden.
  • Firmen sind sogar verpflichtet, den Insolvenzantrag einzureichen, wenn sie zahlungsunfähig oder überschuldet sind.
  • Sowohl der Schuldner selbst als auch der Gläubiger kann die Insolvenz anmelden.
  • Zur Anmeldung ist der Insolvenzantrag sowie ein Gläubiger- und Forderungsverzeichnis nötig.
  • Das zuständige Insolvenzgericht ist immer das Amtsgericht des Wohn- bzw. Geschäftsortes.
  • Gläubiger müssen ihre Forderungen beim Insolvenzgericht anmelden. Versäumen sie die Fristen, ist das auch nachträglich möglich.
  • Nach erfolgter Insolvenz gibt es meist bestimmte Sperrzeiten zu beachten, ehe Schuldner eine erneute Insolvenz anmelden können.

Das Insolvenzverfahren beantragen: Wann muss man Insolvenz anmelden?

Wann sollten Schuldner die Insolvenz anmelden? Dazu kann die Schuldnerberatung informieren.
Wann sollten Schuldner die Insolvenz anmelden? Dazu kann die Schuldnerberatung informieren.
Nicht immer läuft im Leben alles rund. Schicksalsschläge wie der Jobverlust oder eine Erkrankung können in die Schuldenfalle führen. Plötzlich können die anfallenden Kosten nicht mehr gedeckt werden, Rechnungen und Mahnungen stapeln sich und die Bank klopft wegen fehlender Kreditraten vielleicht auch an die Tür.

Die Insolvenz droht. Doch wann anmelden? Einen pauschal richtigen Zeitpunkt, um die Insolvenz zu beantragen, gibt es nicht. Grundsätzlich sollten finanzielle Probleme wie Engpässe und Zahlungslücken oder kontinuierlich schwindende Einkünfte immer als ein Warnzeichen betrachtet werden.

Schon im Anfangsstadium kann es daher sinnvoll sein, eine Schuldnerberatung aufzusuchen, um das eigene wirtschaftliche Verhalten auf den Prüfstand zu stellen und so die Insolvenz gar nicht anmelden zu müssen. Privatpersonen können sich auch an eine kostenlose Schuldnerberatung wenden, während die Schuldnerberatung für Selbstständige meist kostenpflichtig ist.

Denn steht die Zahlungsunfähigkeit bevor oder ist bereits eingetreten, kann es schon zu spät sein, die Insolvenz noch zu verhindern. Ist die Zahlungsunfähigkeit in absehbarer Zeit nicht mehr zu beheben, sollten Schuldner jedoch das Insolvenzverfahren anmelden.

Von einer Zahlungsunfähigkeit ist die Rede, wenn der Schuldner nicht mehr in der Lage ist, den anfallenden Zahlungspflichten nachzukommen.

Wann muss eine GmbH Insolvenz anmelden?

Anders als natürliche können juristische Personen wie Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) keine Privatinsolvenz anmelden. Insbesondere Selbstständigen bleibt daher normalerweise nur der Gang in die Regelinsolvenz, wenn der Schuldenberg zu groß geworden ist.

Die Firmeninsolvenz müssen Geschäftsführer anmelden, wenn das Unternehmen zahlungsunfähig oder überschuldet ist.
Die Firmeninsolvenz müssen Geschäftsführer anmelden, wenn das Unternehmen zahlungsunfähig oder überschuldet ist.
Die Firmeninsolvenz anmelden zu müssen, ist für keinen Inhaber schön, besonders nicht, wenn vielleicht Angestellte davon betroffen sind. Im Falle einer GmbH gibt es jedoch gesetzliche Vorgaben, wann der Geschäftsführer Insolvenz anmelden muss.

Der Geschäftsführer muss die Insolvenz anmelden, wenn

  1. das Unternehmen zahlungsunfähig ist.
  2. das Unternehmen überschuldet ist.

Die rechtliche Zahlungsunfähigkeit ist erreicht, wenn die finanziellen Verbindlichkeiten die noch verfügbaren liquiden Mittel um mehr als zehn Prozent übersteigen.

Die Überschuldung tritt ein, wenn die finanziellen Verbindlichkeiten nicht mehr durch das vorhandene Vermögen gedeckt werden können.

In beiden Fällen ist das Unternehmen verpflichtet, das Insolvenzverfahren zu beantragen.

Wer kann die Insolvenz anmelden?

Gesetzlich ist im Falle eines Unternehmens der Geschäftsführer in der Verantwortung, die finanzielle Situation der GmbH zu kontrollieren und bei Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung entsprechend die Insolvenz einzuleiten.

Bei Privatleuten gibt es keine generelle Pflicht, in die Privatinsolvenz zu gehen. Entscheidet sich der Schuldner jedoch zu diesem Schritt, können er oder sein Anwalt die Insolvenz anmelden. Auch die drohende Zahlungsunfähigkeit kann ein ausreichender Eröffnungsgrund sein.

Es ist häufig kompliziert, die Insolvenz zu beantragen. Ein Anwalt kann Hilfestellung geben.
Es ist häufig kompliziert, die Insolvenz zu beantragen. Ein Anwalt kann Hilfestellung geben.
Dazu benötigt er jedoch eine Bescheinigung einer anerkannten Schuldnerberatung, dass zuvor eine außergerichtliche Schuldenregulierung erfolgt ist, dieser Einigungsversuch mit den Gläubigern jedoch gescheitert ist. Diese Pflicht entfällt bei der Regelinsolvenz.

Daneben kann auch ein Gläubiger den Insolvenzantrag stellen, weil er annimmt, dass der Schuldner zahlungsunfähig ist. In der Regel kommen Gläubiger oder Gerichte zu der Annahme, wenn die Zahlungen eingestellt wurden. Auf dieser Basis ist die Eröffnung der Insolvenz zulässig (§ 17 Insolvenzordnung).

Wie kann ich die Insolvenz anmelden?

Neben der Bescheinigung über das Scheitern des Einigungsversuches sind unter anderem

  • der ausgefüllte Insolvenzantrag,
  • eine Vermögensaufstellung,
  • eine Gläubigerübersicht und
  • ein Forderungsverzeichnis

nötig, um das Insolvenzverfahren anmelden zu können.

Schuldner sollten jede offene finanzielle Verbindlichkeit nennen und keinen Gläubiger unterschlagen. Ansonsten kann dies dazu führen, dass die Restschuldbefreiung nicht gewährt wird.

Aufgrund der juristischen Hürden sollten sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen immer die Hilfe eines Anwalts für Insolvenzrecht in Anspruch nehmen, der die Insolvenz anmelden, aber dem Schuldner auch während ihrer Durchführung zur Seite stehen kann!

Insolvenz anmelden: Wo ist das möglich?

Privatpersonen können bei Erfüllung der Voraussetzungen einer Privatinsolvenz diese beim Amtsgericht ihres Wohnortes beantragen.

Ihre Forderung können Gläubiger anmelden, wenn die Insolvenz durch das Gericht eröffnet wurde.
Ihre Forderung können Gläubiger anmelden, wenn die Insolvenz durch das Gericht eröffnet wurde.
Auch bei Unternehmen ist jenes Amtsgericht zuständig, in dessen Bezirk der Schuldner seinen allgemeinen Gerichtsstand bzw. den Mittelpunkt seiner wirtschaftlichen Tätigkeit hat. Sind mehrere Gerichte theoretisch zuständig, übernimmt dasjenige Gericht die Insolvenz, bei dem der Insolvenzantrag zuerst eingegangen ist.

Forderung anmelden: Während der Insolvenz noch möglich?

Haben Schuldner eine offene Forderung oder einen Gläubiger in den Verzeichnissen vergessen, sollten sie dies unmittelbar dem Insolvenzgericht melden und nachtragen lassen.

Gläubiger können die Insolvenz aber nicht nur anmelden, sondern auch ihre Forderungen nennen – insbesondere, wenn diese nicht bereits im Forderungsverzeichnis auftauchen. Dies ist in aller Regel beim Insolvenzverwalter bzw. – im Fall einer Privatinsolvenz – dem Treuhänder mit entsprechenden Nachweisen möglich.

Um allen Gläubigern diese Möglichkeit zu geben, werden sie in der Regel von der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Kenntnis gesetzt. In diesem Schreiben wird auch die Frist genannt, in der alle Forderungen angemeldet werden müssen. Gläubiger, die nicht in der Gläubigerübersicht auftauchen, können sich über alle Insolvenzverfahren in den amtlichen Veröffentlichungen der Gerichte informieren.

Versäumt ein Gläubiger die Frist, kann die Anmeldung seiner Forderung auch nachträglich erfolgen. Da in einem solchen Fall jedoch eine Prüfung der Forderung erfolgt, sind die Kosten hierzu vom Gläubiger selbst zu tragen.

Wie oft kann man Insolvenz anmelden?

Wie oft kann man Insolvenz anmelden? Unter Umständen sind Sperrfristen einzuhalten.
Wie oft kann man Insolvenz anmelden? Unter Umständen sind Sperrfristen einzuhalten.
Theoretisch kann beliebig oft eine Privatinsolvenz durchgeführt werden. Allerdings ergeben sich aus früheren Verfahren einige Fristen:

  1. Wurde am Ende der Insolvenz die Restschuldbefreiung erteilt, ist der Schuldner erst nach zehn Jahren zu einer erneuten Insolvenz berechtigt.
  2. Wurde die Restschuldbefreiung versagt, weil Insolvenzstraftaten vorlagen, so kann ein erneuter Insolvenzantrag erst nach fünf Jahren erfolgen.
  3. Wurde die Restschuldbefreiung verwehrt, weil der Schuldner seine Mitwirkungs- und Auskunftspflichten, die Erwerbsobliegenheit oder andere Verpflichtungen während der Wohlverhaltensphase verletzt hat, so ergibt sich daraus eine Sperrzeit von drei Jahren.
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