Schulden: Viele Deutsche sind verschuldet

Kurz und Knapp: Das Wichtigste zu „Schulden“

  1. Kommen Personen oder Institutionen ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nach, häufen sie Schulden an.
  2. Schuldner geraten häufig in die Schuldenfalle, da die Schulden verzinst werden und Mahngebühren anfallen.
  3. Gläubiger können auch eine Pfändung beim Schuldner initiieren.
  4. Betroffene können Hilfe durch eine Schuldnerberatung erhalten und sich beim Schuldenabbau unterstützen lassen.
  5. Durch die Beantragung der Privatinsolvenz können die Schuldner wieder schuldenfrei werden.

Weitere Ratgeber zum Thema:

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Schulden: Was können Sie nun tun?

Schulden: Welche Bedeutung haben sie für die Betroffenen?
Schulden: Welche Bedeutung haben sie für die Betroffenen?
Die Zahl der Menschen, die sich verschulden, steigt von Jahr zu Jahr an. Nach dem neuen Schuldneratlas von 2017 haben in der Gruppe der volljährigen Personen 6,9 Millionen Schulden. In Deutschland ist damit das vierte Jahr in Folge ein Schuldenanstieg zu verzeichnen. Allerdings ist die Quote im Vergleich zum Vorjahr – 2016 waren es 6,8 Millionen – weniger stark angestiegen, als im Vorfeld befürchtet wurde.

Obwohl es so viele Menschen betrifft, herrscht doch bezüglich des Themas Schulden einige Verunsicherung. Was ist Verschuldung, was Überschuldung? Aus diesem Grund soll der folgende Ratgeber Antworten auf die wichtigsten Fragen zu diesem Thema geben.

Was sind Schulden? Eine Definition

Schulden entstehen, wenn Personen und Institutionen gegenüber Dritten die ausstehenden Verbindlichkeiten nicht begleichen. Für die Definition von Schulden ist es dabei völlig unerheblich, ob es sich bei diesem Dritten um eine natürliche Person (z. B. einen Freund oder ein Familienmitglied) oder um eine juristische (wie Banken, Warenhäuser usw.) handelt.

Wie entstehen private Schulden? Eine Erklärung dafür kann die Trennung vom Partner sein.
Wie entstehen private Schulden? Eine Erklärung dafür kann die Trennung vom Partner sein.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang nur, dass meist materielle Leistungen, wie Geld oder Waren, in Anspruch genommen wurden, die aber noch nicht bezahlt sind. In der Regel ist der Grund für die ausstehende Zahlung darin zu suchen, dass die monatlichen Einnahmen des Schuldners nicht ausreichen, um den Zahlungsverpflichtungen zur rechten Zeit nachzukommen.

Das heißt aber auch, dass Sie bereits Schulden machen, wenn Sie einen Kauf auf Kredit oder eine Ratenzahlung in Anspruch nehmen. Dies ist nicht weiter dramatisch, solange die Schulden nicht mehr als 25 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens ausmachen, denn bei diesem Betrag geraten Sie normalerweise noch nicht in Rückzahlungsschwierigkeiten.

Derjenige, der die Schulden macht, wird als Schuldner bezeichnet. Jener, dem er Geld schuldet, ist wiederum sein Gläubiger.

Aber es sind keineswegs nur Privatpersonen, die Schulden wegen ausstehender Verbindlichkeiten machen. Auch Institutionen, Bundesländer und sogar Staaten verschulden sich, wenn die Ausgaben nicht durch die Einnahmen gedeckt werden können.

Was sind die häufigsten Gründe für private Schulden?

  • Arbeitslosigkeit
  • Krankheit, Unfall
  • Scheidung bzw. Trennung
  • Tod des Partners
  • Unwirtschaftliches Haushalten

Weitere Ratgeber zum Thema Schulden:

DarlehensschuldenDispo-SchuldenEnergieschuldenGEZ-SchuldenKreditschuldenSchufa-Schulden

Was ist der Unterschied zwischen Schulden, Verschuldung und Überschuldung?

Wie bereits erwähnt werden mit Schulden relativ geringe Zahlungsausstände bezeichnet, die die betreffende Person bei der Rückzahlung noch nicht in Schwierigkeiten bringen.

Die Begriffe „Verschuldung“ und „Überschuldung“ werden hingegen für eine prekärere Schuldenhöhe verwendet.

Wenn die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken, können Schulden zum Problem werden.
Wenn die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken, können Schulden zum Problem werden.
Laut Definition wird von Verschuldung gesprochen, wenn die Schulden eine Höhe erreichen, die durch das monatliche Gehalt nicht mehr aufgefangen werden kann, wie z. B. beim Hauskauf. Stattdessen werden die Verpflichtungen durch Wert- oder Vermögensgegenstände abgedeckt. Wenn Sie die monatlichen Raten also nicht mehr aufbringen können, würde der Bank immer noch das Haus als Sicherheit bleiben.

Damit wäre geklärt, was Verschuldung gemäß der Definition ist. Mit Überschuldung wird hingegen ein Zustand beschrieben, in dem der Schuldner seit mindestens drei Monaten seine Raten nicht mehr aus seinen Einnahmen und Vermögenswerten bestreiten kann. Er hat hohe Schulden und ist schlicht zahlungsunfähig. Findet er keine Möglichkeit, Kosten einzusparen oder seine Einnahmen durch einen Nebenjob aufzubessern, ist die Hilfe eines Schuldnerberaters bei Überschuldung meist unumgänglich.

Schuldenfalle: Definition

Im Zusammenhang mit dem Thema „Schulden“ werden die Betroffenen auch stets vor der Gefahr gewarnt, in die sogenannte Schuldenfalle zu tappen. Doch was ist das überhaupt?

Aus Verbindlichkeiten können Schulden entstehen, wenn die Person diesen nicht rechtzeitig nachkommt. So lange die Schulden bestehen und nicht zurückgezahlt werden, fallen zusätzlich zum eigentlichen Betrag für die in Anspruch genommene Leistung oder Ware weitere Kosten an. Der Gläubiger kann nämlich Zinsen für den Zeitraum verlangen, in dem er auf das Geld warten muss. Werden diese ebenfalls nicht bezahlt, werden sogar die Zinsen verzinst.

Haben Sie kein Geld und können die Schulden nicht bezahlen, wächst der Schuldenberg.
Haben Sie kein Geld und können die Schulden nicht bezahlen, wächst der Schuldenberg.
Das bedeutet, dass der geschuldete Betrag durch Zinsen und Zinseszinsen unaufhaltsam anwächst, obwohl der Schuldner vielleicht regelmäßig Zahlungen veranlasst, um den Schuldenberg abzutragen.

Häufig geraten die Betroffenen auf diese Weise in einen Teufelskreis, aus dem sie ohne Hilfe nur schwer ausbrechen können. Sie befinden sich in der Schuldenfalle.

Daneben können noch weitere Kosten auflaufen, wenn der Betroffen seine Schulden nicht begleicht. Der Gläubiger hat nämlich die Möglichkeit, Mahnungen zu verschicken, einen Vollstreckungsbescheid zu erwirken und unter Umständen einen Gerichtsvollzieher zu beauftragen. Diese Schritte sind für den säumigen Zahler stets mit weiteren Kosten verbunden.

Was bedeutet eigentlich ein Titel bei bestehenden Schulden? Damit ein Gläubiger zwangsvollstrecken kann, benötigt er eine spezielle Ausfertigung des gerichtlichen Urteils, den sogenannten Titel. Mit diesem hat der Gläubiger die Möglichkeit – sofern sie beim Schuldner vorhanden sind – Vermögenswerte pfänden zu lassen, um seine Ansprüche durchzusetzen. Der Titel gilt im Übrigen für 30 Jahre.

Manche Schuldner fragen sich, ob die Aufnahme von einem Kredit für bestehende Schulden sinnvoll sein kann. Dies ist in der Regel zu verneinen, da sich der Betroffene mit einem Kredit nur weiter verschuldet und auch hier zusätzlich Zinsen anfallen, die den eigentlichen Betrag erhöhen.

Welche Personen haben besonders häufig Schulden?

Schon seit einigen Jahren belegen die Studien des Schuldneratlas, dass zwei Gruppen in der Bevölkerung besonders gefährdet sind, sich zu verschulden. Schulden sind bei Rentnern und Jugendlichen häufiger zu verzeichnen als in anderen Altersgruppen. Doch woran liegt das?

Zu den Personen, die häufig Schulden machen, zählen Jugendliche.
Zu den Personen, die häufig Schulden machen, zählen Jugendliche.
2017 wurden etwa 194.000 Menschen, die älter sind als 70 Jahre, im Schuldneratlas als überschuldet eingestuft. Die Ursachen hierfür liegen in ihrer oftmals geringfügigen Beschäftigung, der Arbeitslosigkeit oder den niedrigen Löhnen begründet. Hinzu kommt noch das sinkende Rentenniveau, welches ebenfalls zur Altersarmut und dementsprechend zur Verschuldung beiträgt.

Die hohe Zahl von verschuldeten Jugendlichen hat wiederum ganz andere Gründe. Für ihre prekäre finanzielle Situation wird maßgeblich ihre schlechte wirtschaftliche Haushaltsführung verantwortlich gemacht. Sie kaufen häufig Dinge, die sie sich eigentlich nicht leisten können und verfügen über weniger finanzielle Ressourcen, die solche Ausgaben im Notfall abfedern könnten. 2017 ist die Anzahl der jungen Schuldner unter 30 Jahren leicht gesunken, dennoch haben noch 1,66 Millionen von ihnen Schulden.

Welche Arten von Schulden werden unterschieden?

Zunächst einmal wird bei der Einteilung der Schulden in Primärschulden und Sekundärschulden unterschieden. Primärschulden sind solche, die in Lebensbereichen bestehen, die die Existenz des Schuldners bedrohen. Dazu würden Mietschulden und Stromschulden ebenso zählen wie Schulden, die auf einen Gesetzesverstoß zurückzuführen sind.
Sekundärschulden bedrohen den Schuldner hingegen nicht in seiner Existenz oder schränken seine Grundbedürfnisse ein. Hierzu zählen bspw. Schulden, die aus Ratenkäufen entstehen.

Weitere häufige Schulden wären z. B.:

  • Steuerschulden
  • Versicherungsschulden
  • Immobilienschulden
  • Handyschulden
  • Schulden durch einen Kredit
  • Durch Scheidung bedingte Schulden
  • Durch Zahlung von Unterhalt verursachte Schulden

Viele Menschen nehmen irrtümlicherweise an, dass sämtliche Schulden bei der Schufa gespeichert werden und sich somit negativ auf ihre Käuferreputation auswirkt. Allerdings sammelt die Schufa nur die Schulden, die ihr z. B. durch die Bank gemeldet werden, von anderen Schulden erfährt sie nichts. Außerdem handelt es sich hierbei noch nicht um einen negativen Eintrag. Dies wäre erst der Fall, wenn vermerkt wird, dass Sie der Zahlung nicht nachgekommen sind.

Vorsicht: Eine Erbschaft anzunehmen, kann nicht nur Gewinn für den Betroffenen sein, sondern auch böse Konsequenzen haben. Der Verstorbene vererbt nämlich neben seinem Vermögen auch seine Schulden. Die Erben müssen dann mit ihrem gesamten Vermögen für die Schulden aufkommen. In einem solchen Fall ist es ratsamer das Erbe auszuschlagen.

Was tun bei Schulden?

Wer die Schulden nicht zahlen kann, findet Hilfe bei der Schuldnerberatung.
Wer die Schulden nicht zahlen kann, findet Hilfe bei der Schuldnerberatung.
Häufig fragen sich die Betroffenen: „Ich habe Schulden. Was kann ich machen?“ Zunächst einmal sollten sie sich einen Überblick über ihre Finanzen, also ihre Einnahmen und Ausgaben, verschaffen und sich die Frage stellen, ob sich die Ausgaben vielleicht reduzieren lassen. Unter Umständen haben sie auch die Möglichkeit einen Nebenjob anzunehmen, um die finanzielle Situation zu entspannen.

Trauen Sie sich dies alleine nicht zu oder haben Sie so hohe Schulden, dass dieses Vorgehen nicht ausreicht, können Sie Hilfe in Anspruch nehmen. Einige gemeinnützige Organisationen und auch manche staatlichen Einrichtungen (z. B. Sozialämter) bieten kostenlos eine Schuldnerberatung an. Daneben haben sich auch Anwaltskanzleien auf diese Dienstleistung spezialisiert, die mit einem Beratungsschein 15 Euro kostet.

Ist eine Person zahlungsunfähig und kann demnach ihre Schulden nicht zurückzahlen, bleibt ihr die Möglichkeit sich durch eine Privatinsolvenz von den Schulden zu befreien. Privatinsolvenz ist ein Begriff, mit dem die Schuldenregulierung durch das Gericht bezeichnet wird. Während einer festgesetzten Frist, der sogenannten Wohlverhaltensphase, muss der Schuldner alle Anstrengungen unternehmen, um die Schulden abzutragen.

Während der Insolvenz sollen die Schulden zwar – wenn möglich – reduziert werden, aber natürlich muss der Betroffene nicht sämtliches Einkommen an die Gläubiger abführen. Die Pfändungsfreigrenze, die jeweils individuell auf den Betreffenden abgestimmt ist, schützt das Vermögen, das er zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes braucht.

Muss er beispielsweise seinen Unterhaltspflichten nachkommen, fällt die Freigrenze höher aus. Insgesamt kann die Privatinsolvenz drei bis sechs Jahre dauern, kommt der Schuldner in dieser Zeit zu Geld, müssen die Schulden beglichen werden. Hat er das Verfahren dann durchlaufen, hat er keine Schulden mehr, unabhängig davon, wie hoch diese ursprünglich waren.

Bevor eine Privatinsolvenz angestrengt wird, muss sich der Betroffene allerdings nachweislich um eine Einigung mit den Gläubigern bemüht haben. Den Gläubigern wird dabei ein Schuldenbereinigungsplan zur Abgeltung aller Ansprüche vorgelegt, lehnt einer von ihnen diesen Vorschlag ab, wird das Insolvenzverfahren eingeleitet.

Gibt es eine Verjährung von Schulden?

In der Tat können Schulden verjähren, allerdings sind die Fristen keineswegs einheitlich geregelt. Schulden von Dienstleistungen und dem Kauf von Waren verjähren in der Regel nach drei Jahren. Die Frist beginnt jedoch erst am Ende des Jahres zu laufen, in dem die Schuld angehäuft wurde. Für manche Schulden dauert die Verjährung hingegen 30 Jahre, z. B. bei erbrechtlichen Ansprüchen, Ansprüchen aus dem Insolvenzverfahren oder die Erstattung der Zwangsvollstreckung.

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