Schuldenbereinigungsverfahren: Was ist das?

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Kurz & knapp: Das Wichtigste zum Thema “Schuldenbereinigungsverfahren“

  1. Im außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren versucht der Schuldner , sich mit seinen Gläubigern über die offenen Forderungen zu einigen und Schulden abzubauen.
  2. Ein Schuldenbereinigungsverfahren wird angestrebt, um die Eröffnung des Insolvenzverfahrens zu verhindern. Des Weiteren ist es eine der Voraussetzungen für die Insolvenzeröffnung.
  3. Es ist ratsam, einen Experten zu beauftragen, der sich mit der finanziellen Situation des Schuldners sowie mit den Schulden und den Gläubigern befassen kann. Im Rahmen des Schuldenbereinigungsverfahrens ist vom Experten ein Schuldenbereinigungsplan zu verfassen, der anschließend an die Gläubiger geschickt wird.
  4. Im Schuldenbereinigungsplan sollten folgende Informationen enthalten sein: die Namen der Gläubiger, die Forderungen und ihre Höhe, ein Vergleichsvorschlag, das Datum, zu dem die Vergleichsbeträge bezahlt werden sollten, eine kurze Schilderung der finanziellen Situation des Schuldners und die Bitte um eine schriftliche Bestätigung des Vorschlags.

Außergerichtliches und gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren: Definition

Was ist ein Schuldenbereinigungsverfahren?
Was ist ein Schuldenbereinigungsverfahren?

Im Schuldenbereinigungsverfahren versucht der Schuldner eine Einigung mit seinen Gläubigern über die Rückzahlung der Verbindlichkeiten zu erzielen, beispielsweise durch eine Einmal- oder Ratenzahlung.

Ein Schuldenbereinigungsverfahren kann außergerichtlich und gerichtlich sein. Was ist der Unterschied zwischen beiden Schuldenbereinigungsverfahren?

Bei beiden Verfahren steht die Einigung zwischen dem Schuldner und seinen Gläubigern im Vordergrund. Beide Verfahren werden eröffnet, um eine Insolvenz zu verhindern. Ein Schuldenbereinigungsverfahren ist außerdem eine der Voraussetzungen für die Eröffnung des Insolvenzverfahren.

Außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren: Ablauf

Wie ist der Ablauf beim Schuldenbereinigungsverfahren?
Wie ist der Ablauf beim Schuldenbereinigungsverfahren?

Bevor ein Insolvenzverfahren eröffnet werden kann, muss der Schuldner versuchen, innerhalb eines außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens sich mit den Gläubigern zu einigen.

In diesem Rahmen ist es ratsam, einen Experten einzubeziehen, der sich gründlich mit der finanziellen Situation des Schuldners sowie mit den Schulden und Gläubigern befasst.

Der Experte kann ein Anwalt oder ein Schuldenberater sein. In vielen Großstädten gibt es Schuldnerberatungsstellen, die kostenlos in Anspruch genommen werden können, jedoch kann es etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis ein Termin vergeben wird.

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Im Rahmen eines außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahrens nimmt der Schuldner bzw. der Experte zunächst Kontakt mit allen Gläubigern auf und bittet diese, ihm alle aktuellen Forderungen zu nennen. Die Forderungen bestehen aus Hauptforderungen und Nebenforderungen, wobei sich Nebenforderungen aus Zinsen und Mahngebühren etc. zusammensetzen. Die Gläubiger sind gewöhnlich zur  Auskunft verpflichtet.

Nachdem alle Gläubiger und alle Forderungen bekannt sind, kann ein Schuldenbereinigungsplan erstellt werden. Im Schuldenbereinigungsplan sind die Bezeichnungen der Forderungen sowie deren Höhe zu nennen. Anschließend macht der Schuldner einen Vorschlag, welchen Vergleichsbetrag er den Gläubigern anbieten kann. Zuvor muss die Vergleichsquote ermittelt werden.

Um die Vergleichsquote zu ermitteln, muss dem Schuldner klar sein, welchen Betrag er auf einmal sofort zahlen kann. Angenommen hat er eine Gesamtverbindlichkeit von 100.000 Euro und kann auf einem Schlag 10.000 Euro zahlen, dann beträgt seine Vergleichsquote 10.000 Euro / 100.000 Euro * 100 (Prozent). Die Vergleichsquote beträgt in dem Fall 10.

Schuldet er einem Gläubiger 30.000 Euro, muss er 30.000 Euro * 10/100 rechnen, um den Vergleichsbetrag zu erhalten. Bei einer Vergleichsquote von 10 und einer Forderung von 30.000 Euro ist der Vergleichsbetrag 3.000 Euro. Im Schuldenbereinigungsplan sind die Vergleichsbeträge aller Gläubiger zu nennen. Es ist außerdem wichtig, dass der Schuldner einen Zeitpunkt setzt, bis zu welchem die Vergleichsbeträge gezahlt werden sollen. Er kann eine Ratenzahlung, eine Einmalzahlung oder eine Kombination aus beidem vorschlagen.

Welche Dauer hat ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren?
Welche Dauer hat ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren?

Es ist wichtig, dass sich kein Gläubiger durch den Schuldenbereinigungsplan benachteiligt fühlt, andernfalls können sie den Schuldenbereinigungsplan ablehnen. Die Ablehnung eines einzigen Gläubigers könnte dazu führen, dass der Versuch eines außergerichtlichen Schuldenvergleichs gescheitert ist. Als gescheitert gilt zudem ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren, wenn eine Zwangsvollstreckung durch einen Gläubiger betrieben wird.

Statistiken haben gezeigt, dass die meisten Gläubiger einem Schuldenbereinigungsplan zustimmen, wenn sie mehr als 50 % der Schulden zurückbekommen. Wenn die finanzielle Situation des Schuldners sehr schlecht ist und der Experte gut verhandeln kann, können Gläubiger unter Umständen sogar auf bis zu 80 % der Schulden verzichten.

Im Schuldenbereinigungsplan soll außerdem die momentane finanzielle Situation des Schuldners ausgeführt werden. In diesem Zusammenhang sollen seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse offengelegt und durch relevante Unterlagen nachgewiesen werden.

Abschließend bittet der Schuldner alle Gläubiger um eine schriftliche Bestätigung des Vorschlags. mit der Zustimmung aller Gläubiger endet das Schuldenbereinigungsverfahren. Der Schuldner muss nun den Schuldenbereinigungsplan einhalten und die Schulden entsprechend der Einigung zurückzahlen.

Fehlt die Zustimmung auch nur eines Gläubigers, so scheitert das außergerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren. Eine anerkannte Schuldnerberatung bescheinigt dieses Scheitern und benennt im Nachweis unter anderem die Gründe hierfür. Möchte der Schuldner nun Privatinsolvenz beantragen, muss er diese Bescheinigung innerhalb von sechs Monaten beim zuständigen Insolvenzgericht einreichen – zusammen mit seinem Antrag auf Insolvenzeröffnung und anderen notwendigen Dokumenten.

Für ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren existiert kein Muster von den Behörden. Vielmehr sollte der Anwalt oder der Schuldenberater die Beträge berechnen und das Anschreiben an die Gläubiger verfassen. In der Regel hat ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren eine Dauer von vier bis acht Wochen.

Da ein außergerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren weniger Kosten als ein Insolvenzverfahren verursacht, sollte der Schuldner dieses stets anstreben. Mit einem Schuldenbereinigungsplan könnte der Schuldner des Weiteren zwischen 20 und 80 Prozent der Schulden einsparen.

Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren

Was ist der Unterschied zwischen einem außergerichtlichen und einem gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren?
Was ist der Unterschied zwischen einem außergerichtlichen und einem gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren?

Scheitert der außergerichtliche Einigungsversuch, kann der Schuldner die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Insolvenzgericht beantragen.

Nach § 306 InsO folgt aber zuerst eine Entscheidung über das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren. So lange ruht das Insolvenzeröffnungsverfahren.

Das Insolvenzgericht führt da gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren nach Ermessen durch. Es verzichtet meistens darauf, wenn gar keine Erfolgsaussichten bestehen, etwa wenn der Schuldner zu Zahlungen an seine Gläubiger gar nicht in der Lage ist.

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Bei einem gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren müssen nicht alle Gläubiger dem Schuldenbereinigungsplan zustimmen. Eine Gläubigermehrheit genügt. Das Gericht kann die Zustimmung der Gläubigerminderheit auch ersetzen (insolvenzgerichtlicher Zwangsvergleich).

Im gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren sendet das Gericht den Schuldenbereinigungsplan des Schuldners an die Gläubiger. Diese können die Angaben prüfen und bei Bedarf ergänzen . Innerhalb eines Monats müssen die Gläubiger sich zum Schuldenbereinigungsplan äußern. Haben diese Änderungswünsche geäußert, schickt das Insolvenzgericht den aktualisierten Schuldenbereinigungsplan erneut mit Fristsetzung an die Gläubiger.

Anders als bei einem außergerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren gilt beim gerichtlichen Schuldenbereinigungsverfahren das Schweigen der Gläubiger als Zustimmung. Anträge auf Insolvenzverfahrenseröffnung und Restschuldbefreiung gelten deswegen als zurückgenommen. Die Privatinsolvenz wird nicht eröffnet, weil der Schuldner nunmehr alle Vereinbarungen aus dem gerichtlichen Schuldenbereinigungsplan erfüllen muss.

Erfüllt der Schuldner die im Schuldenbereinigungsplan festgehaltenen Vereinbarungen nicht, können die Gläubiger ihre Forderungen per Zwangsvollstreckung durchsetzen. Weil der Schuldenbescheinigungsplan gescheitert ist, muss der Schuldner die ursprüngliche Forderungshöhe tilgen.
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