Temporäre Umstrukturierung von Unternehmen zur Krisenbewältigung

Von schuldnerberatung.com, letzte Aktualisierung am: 24. August 2020

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Kurz & knapp: Das Wichtigste zur krisenbedingten Umstrukturierung im Unternehmen

Was genau verbirgt sich hinter der Restrukturierung oder Umstrukturierung eines Unternehmens?

Unter die Restrukturierung im Unternehmen fallen laut Definition alle Maßnahmen, durch welche der Betrieb im Ganzen oder teilweise (vorübergehend) verändert bzw. neu ausgerichtet wird. Ziel der Umstrukturierung in einer Krise ist es, die Überlebensfähigkeit der Firma zu sichern und eine Unternehmensinsolvenz zu vermeiden. Die Maßnahmen können aber auch darauf ausgerichtet sein, die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, zu erhalten oder auszubauen.

Welche Umstände machen eine Umstrukturierung von Unternehmen notwendig?

Häufig führen Managementfehler dazu, dass ein Unternehmen früher oder später von der Insolvenz bedroht ist. Neben unternehmensinternen Ursachen gibt es aber auch äußere Umstände, die eine Umstrukturierung im Betrieb erfordern. Ein aktuelles Beispiel ist die Coronakrise, die die Wirtschaft weitgehend lahmgelegt hat. Weitere externe Faktoren haben wir hier aufgelistet.

Gibt es eine bestimmte Vorgehensweise bei den Umstrukturierungsmaßnahmen?

In welchen Phasen eine Umstrukturierung im Unternehmen abläuft, können Sie im folgenden Abschnitt nachlesen.

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Bedeutung und Notwendigkeit der Umstrukturierung von Unternehmen

Die vorübergehende Umstrukturierung im Unternehmen meint eine Neuausrichtung, um eine Insolvenz zu vermeiden.
Die vorübergehende Umstrukturierung im Unternehmen meint eine Neuausrichtung, um eine Insolvenz zu vermeiden.

In vielen Fällen sind Unternehmenskrisen und Firmeninsolvenzen hausgemacht und beruhen beispielsweise auf Fehlern im Management oder einem unzureichenden Risikofrüherkennungs- bzw. Controlling-System. Es kommt aber auch vor, dass ein „völlig gesundes“ und gut funktionierendes Unternehmen aufgrund äußerer Umstände ins Schlingern gerät.

Solch externe Ursachen, die eine Umstrukturierung von Unternehmen notwendig machen, sind z. B.:

  • Veränderungen auf dem Markt, beispielsweise in Form neuer Konkurrenten oder eines veränderten Kundenverhaltens
  • Marktbeschränkungen
  • Verlust wichtiger Kunden
  • steigende Kosten für Rohstoffe und Materialien
  • Finanzkrisen, die dazu führen, dass Banken nur noch sehr eingeschränkt Kredite vergeben
  • neue rechtliche oder politische Rahmenbedingungen, z. B. aufgrund der Energiewende oder in Form von Umweltauflagen

Geschäftsführung und Management müssen schnell auf solche Veränderungen reagieren und gegebenenfalls eine Umstrukturierung im Unternehmen veranlassen. Damit sind alle Maßnahmen gemeint, durch welche der Betrieb ganz oder teilweise verändert und (vorübergehend) neu ausgerichtet wird.

Mit stark veränderten Rahmenbedingungen bekamen es zahlreiche Unternehmen während der Coronakrise im Frühjahr 2020 zu tun. Zur Eindämmung des Virus SARS-CoV-2 und der dadurch verursachten Krankheit COVID-19 mussten zahlreiche Geschäfte im Einzelhandel, Restaurants, Bars sowie Kinos, Theater, Museen etc. schließen. Anderen Firmen wiederum brach der Umsatz weg, weil deren Aufträge storniert wurden.

Einige Unternehmen reagierten sehr schnell auf die neuen Umstände und stellten kurzerhand ihre Produktion um, um damit die finanziellen Einbußen aus verlorenen Aufträgen abzufedern. Wie eine solche vorübergehende Umstrukturierung von Unternehmen aussehen kann, erläutern wir im Folgenden anhand einiger Beispiele.

Restrukturierung von Unternehmen: Beispiele aus den Zeiten der Corona-Krise

Kreative Umstrukturierung im Unternehmen: In der Coronakrise produzierten viele Betriebe Schutzmasken.
Kreative Umstrukturierung im Unternehmen: In der Coronakrise produzierten viele Betriebe Schutzmasken.

Während der Coronakrise wurden alle Messen abgesagt. Dadurch blieben die Auftragsbücher bei den Veranstaltungstechnikern und Messerbauern leer. Ein Betrieb aus Frankfurt/Main entschloss sich, trotzdem auf Kurzarbeit zu verzichten. Stattdessen setzte das Management auf eine neue Geschäftsidee und produzierte fortan Plexiglasscheiben als Schutzvorrichtungen für Apotheken. Der Betrieb konnte damit zwar nicht alle Umsatzeinbrüche auffangen. Die temporäre Neuausrichtung half ihm aber durch die Krise.

Ein weiteres Beispiel für eine vorübergehende Umstrukturierung von Unternehmen ist eine kleine Gin-Manufaktur aus Bad Homburg. Weil die Nachfrage an Gin und Kundenbesuche vor Ort während der Corona-Krise zurückgingen, entwickelte die Manufaktur eine neue Kreation mit dem Namen „Desinfektionsmittel mit Geschmack“. Grundlage der Idee war die Tatsache, dass die Nachfrage an Desinfektionsmitteln stark zunahm. Der Gin-Hersteller hatte alle von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Zutaten parat und mixte daraus einen „Desinfektions-Gin“ für die äußere Anwendung.

Schutzmasken für Mund und Nase wurden in der Coronakrise schnell zur Mangelware. Der Preis hierfür vervielfachte sich in Windeseile. Viele Betriebe reagierten mit einer entsprechenden Umstrukturierung in ihrem Unternehmen und stellten fortan nur noch Mund- und Nasenmasken her.

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Vorgehensweise bei der vorübergehenden Umstrukturierung im Betrieb

Wer sein Unternehmen vorübergehend umstrukturieren möchte, um den Betrieb sicher durch die Krise zu manövrieren, muss schnell handeln. Das aktuelle Beispiel der Corona-Pandemie zeigt, wie Nachfrage und Auftragslage plötzlich einbrechen und Lieferketten unterbrochen werden können. Damit sind sowohl die Liquidität als auch der Fortbestand einer ansonsten gut aufgestellten Firma gefährdet.

Um dem entgegenzuwirken, bedarf es eines tragfähigen Konzepts für die vorübergehende Umstrukturierung im Unternehmen. Der Prozess verläuft normalerweise in mehreren Schritten.

Analyse des Unternehmens und der externen Bedingungen

Wer eine Firma umstrukturieren will, muss die Leistungsfaktoren und Rahmenbedingungen analysieren.
Wer eine Firma umstrukturieren will, muss die Leistungsfaktoren und Rahmenbedingungen analysieren.

Welche Umstrukturierungsmaßnahmen für ein Unternehmen in Betracht kommen, hängt maßgeblich von der jeweiligen Situation ab.

Zum einen müssen die internen Bedingungen wie Arbeitsprozesse und verfügbare Ressourcen unter die Lupe genommen werden. Zum anderen gilt es, die jeweiligen externen Umstände zu analysieren.

  • Welches veränderte Verhalten zeigen Lieferanten und Kunden?
  • Wie und mit welchen Mitteln kann das Unternehmen darauf eingehen und ggf. sogar davon profitieren?

Ein Hersteller für Leuchtstoffe geriet während der Coronakrise in Schwierigkeiten. Er hatte jedoch größere Mengen Alkohol auf Lager. Das brachte einen Mitarbeiter auf die Idee, während der Pandemie Desinfektionsmittel herzustellen. So nutzte der Betrieb seine Ressourcen für eine Umstrukturierung im Unternehmen und produzierte während der Krise ein für seine Branche untypisches Produkt.

Entscheidung für eine Umstrukturierung der Firma & Einbeziehung der Mitarbeiter

Nach der Analyse und Bewertung der Schwachstellen und Potentiale des Unternehmens sowie der äußeren Rahmenbedingungen folgt die Entscheidung zur (vorübergehenden) Umstrukturierung im Unternehmen, z. B. für ein neues Geschäftsmodell oder eine (temporäre) Marktausrichtung, die sich an den neuen Verhältnissen orientiert.

Solche Veränderungen sind meistens mit Reibungen verbunden, sowohl bei den Arbeitsprozessen als auch bei den Mitarbeitern. Deshalb ist die rechtzeitige und klare Kommunikation mit allen Beschäftigten besonders wichtig. Ihnen sollte bereits vor der Umstrukturierung im Unternehmen verdeutlicht werden, …

  • warum die Maßnahmen notwendig sind,
  • welches Ziel das Management damit verfolgt und
  • welche Vorteile für das Unternehmen und die Mitarbeiter damit einhergehen.
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Umstrukturierungsmaßnahmen planen und umsetzen

Eine klare Kommunikation trägt wesentlich zum Erfolg der Umstrukturierung im Unternehmen bei.
Eine klare Kommunikation trägt wesentlich zum Erfolg der Umstrukturierung im Unternehmen bei.

Wer seine Firma umstrukturieren muss, stellt schnell fest, dass neue Kunden, Partnerschaften und Kooperationen erforderlich sind. Gerade wer vorübergehend ein für sein Unternehmen untypisches/branchenfremdes Produkt herstellt und verkauft, benötigt entsprechende Lieferanten und muss verstärkt Akquise betreiben.

Damit die Umstellung schnell und reibungslos funktioniert, braucht es einen Verantwortlichen für jede Maßnahme. Außerdem ist es wichtig, dass die gesamte Umsetzung der Umstrukturierung im Unternehmen sorgfältig geplant, vorangetrieben und überwacht wird. Zwischen der Planung und Umsetzung sollte möglichst wenig Zeit vergehen.

Finanzierung und erforderliche Ressourcen sicherstellen

Gerade in Krisenzeiten ist es wichtig, liquide zu bleiben und entsprechende finanzielle Spielräume zu schaffen. Die finanzielle Restrukturierung sollte zeitgleich mit den anderen Umstrukturierungs­maßnahmen verlaufen. Wichtige Faktoren hierfür sind:

  • ausreichend Liquidität – Verbesserung ggf. mithilfe von Factoring
  • hinreichend Eigenkapital
  • Freisetzung möglichst vieler gebundener Ressourcen

Krisenbedingte Restrukturierung von Unternehmen: Checkliste mit weiteren Maßnahmen

Nicht immer stehen die erforderlichen Ressourcen zur Verfügung, um das eigene Angebot im Rahmen einer vorübergehenden Umstrukturierung im Unternehmen (rechtzeitig) umzustellen. Welche Möglichkeiten stattdessen in Betracht kommen können, fasst die folgende Checkliste zusammen:

Umstrukturierung im Unternehmen: Das Arbeitsrecht gibt auch den Beschäftigten gewisse Rechte.
Umstrukturierung im Unternehmen: Das Arbeitsrecht gibt auch den Beschäftigten gewisse Rechte.
  • Investitionsstopp
  • Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität, z. B. Stundungsvereinbarungen, Factoring, Abbau und Verkauf von Lagerbeständen, Veräußerung von (nicht notwendigem) Betriebsvermögen
  • Beantragung von Kurzarbeitergeld zur Einsparung von Personalkosten
  • ggf. Personalabbau
  • Abbau bzw. Vermeiden von Schulden durch Aufnahme von Notkrediten bzw. Inanspruchnahme von Soforthilfen, wie sie z. B. von Bund und Ländern während der Coronakrise zur Verfügung gestellt wurden
  • Umstrukturierung im Unternehmen durch Änderung der Rechtsform, Standortschließung oder Erneuerung der Unternehmensorganisation
  • Aufbau standardisierter Prozesse und Arbeitsabläufe
  • gegebenenfalls Antrag auf Insolvenzeröffnung
  • Unternehmenssanierung im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens nach § 270 b Abs. 1 InsO (setzt Insolvenzantrag voraus)

Bitte beachten Sie, dass diese Checkliste zur Umstrukturierung im Unternehmen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Lassen Sie sich gegebenenfalls (extern) beraten, welche Möglichkeiten Sie haben und welche Maßnahmen die erfolgversprechendsten für Ihren Betrieb sind.

Im Rahmen der Corona-Pandemie hat der Bund ein Gesetz zur Aussetzung der Insolvenzantragspflicht verabschiedet. Danach müssen Unternehmen, die aufgrund der Pandemie zahlungsunfähig geworden oder sonst in Zahlungsschwierigkeiten geraten sind, keinen fristgerechten Insolvenzantrag stellen. Sie können ihren Betrieb weiter fortführen. Die Aussetzung gilt zunächst bis zum 30.09.2020.

Bildnachweise: fotolia.com/© maxsim, depositphotos.com/© Feverpitch, istockphotos.com/ © tumpikuja, depositphotos.com/© SergeyNivens, fotolia.com/© rcfotostock

Quellen und weiterführende Links

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