Unternehmensinsolvenz: Definition und Ablauf

Kurz & knapp: Das Wichtigste zur Unternehmensinsolvenz

  • Von einer Unternehmensinsolvenz wird gesprochen, wenn einer der folgenden Gründen vorliegt: Zahlungsunfähigkeit, drohende Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung des Unternehmens.
  • Um einen Antrag auf Insolvenz stellen zu können, muss das Unternehmen über Vermögenswerte verfügen, die den Wert von 3.000 Euro übersteigen.
  • Der Insolvenzantrag kann entweder vom Unternehmen selbst oder von einem Gläubiger gestellt werden. Nach Eingang des Antrages prüft das Insolvenzgericht die vorhandenen Vermögenswerte und gibt dem Antrag in der Regel statt.
  • Wird ein Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht eingereicht und angenommen, wird für das betroffene Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnet. Daraufhin beauftragt das Gericht einen Insolvenzverwalter, der die Geschäfte weiterführt.
  • Zusammen mit den Verantwortlichen des Unternehmens erstellt der Insolvenzverwalter einen Insolvenzplan, der vorsieht, wie das Unternehmen saniert werden kann.

Wann ist ein Unternehmen insolvent?

Wann ist ein Unternehmen insolvent?
Wann ist ein Unternehmen insolvent?
Bei Insolvenz wird zwischen Unternehmen- und Privatinsolvenz unterschieden.

Bei einer Privatinsolvenz ist nur der Schuldner sowie seine Familie betroffen, während bei einer Unternehmensinsolvenz oder Unternehmerinsolvenz neben den Mitarbeitern auch noch Lieferanten und Kunden der Firma betroffen sind.

Wann gilt ein Unternehmen als pleite? Was sind die Gründe für Unternehmensinsolvenzen?

Von Unternehmensinsolvenzen wird in Deutschland gesprochen, wenn einer der folgenden Gründe vorliegt:

  • Zahlungsunfähigkeit: Eine Zahlungsunfähigkeit liegt vor, wenn ein Unternehmen mehr als 90 Prozent seiner offenen Rechnungen nicht mehr begleichen kann.
  • Drohende Zahlungsunfähigkeit: Von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit wird gesprochen, wenn der Eintritt der Zahlungsunfähigkeit absehbar ist. Die drohende Zahlungsunfähigkeit darf nicht länger als zwölf Monate vorliegen.
  • Überschuldung: Mit Überschuldung wird der Zustand bezeichnet, wenn der Verschuldungsgrad durch den normalen Geschäftsbetrieb nicht mehr aufgehoben werden kann.

In der Insolvenzordnung finden sich die rechtlichen Grundlagen für eine Unternehmensinsolvenz, die auch Regelinsolvenz genannt wird.

Was sind die Voraussetzungen für einen Insolvenzantrag? Um einen Antrag auf Insolvenz stellen zu können, muss das Unternehmen über Vermögenswerte verfügen, die den Wert von 3.000 Euro übersteigen. Die Vermögenswerte werden auch als Insolvenzmasse bezeichnet. Zur Insolvenzmasse zählen nicht nur Gegenstände, sondern auch offene Forderungen gegen Auftraggeber. Sollten die Vermögenswerte nicht ausreichen, um die Verfahrenskosten zu decken, kann eine Stundung beantragt werden. Wird diese ebenfalls abgelehnt, wird der Insolvenzantrag mangels Masse abgelehnt.

Der Insolvenzantrag kann darüber hinaus entweder vom Unternehmen selbst oder von einem Gläubiger gestellt werden. Nach Eingang des Antrages prüft das Insolvenzgericht die vorhandenen Vermögenswerte und gibt dem Antrag in der Regel statt.

Wie läuft das Insolvenzverfahren für Unternehmen ab?

Wie läuft das Insolvenzverfahren für ein Unternehmen ab?
Wie läuft das Insolvenzverfahren für ein Unternehmen ab?
Wird ein Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht eingereicht und angenommen, wird für das betroffene Unternehmen ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Daraufhin beauftragt das Gericht einen Insolvenzverwalter, der die Geschäfte weiterführt.

Zusammen mit den Verantwortlichen des Unternehmens erstellt der Insolvenzverwalter einen Insolvenzplan, der vorsieht, wie das Unternehmen saniert werden kann. In der Insolvenzordnung findet sich ebenfalls die Grundlage für den Insolvenzplan.

Von der Insolvenzordnung können abweichende Regelungen getroffen werden, um die Ansprüche bestimmter Gläubiger zu befriedigen.

Diese abweichende Regelungen könnten beispielsweise die Absonderung bestimmter Güter sein.

In dem Insolvenzplan wird der Ist-Zustand der Firma abgebildet und die Gläubigergruppen definiert. Es wird zwischen folgenden Gläubigergruppen unterschieden:

  • Absonderungsberechtigte Gläubiger: Diese Gruppe bekommt besondere Sicherheiten gestellt, die außerhalb der Insolvenzmasse liquidiert werden können. Das Ziel ist, die Ansprüche dieser besonderen Gläubiger gesondert gerecht zu werden.
  • Gläubiger ohne besondere Sicherung der Ansprüche.
  • Arbeitnehmer.

Nach Erstellung des Insolvenzplans stellt der Insolvenzverwalter diesen allen Beteiligten vor. Die Unternehmensinsolvenz kann nur eröffnet werden, wenn alle Gläubiger der zustimmen. Ein einziger Gläubiger kann die Eröffnung verhindern.

Welche Dauer hat ein Insolvenzverfahren für Unternehmen?

Welche Dauer hat ein Insolvenzverfahren für Unternehmen?
Welche Dauer hat ein Insolvenzverfahren für Unternehmen?
Die Dauer einer Unternehmensinsolvenz ist von Fall zu Fall verschieden und kann nicht pauschal bestimmt werden. Es hängt unter anderem von der Organisationsform des Unternehmens ab.

In der Regel dauert ein Unternehmensinsolvenz von juristischen Personen durchschnittlich vier Jahre. Dabei wird nur die Zeit eingerechnet, ab der der Antrag stattgegeben ist.

Eine Unternehmensinsolvenz einer Stiftung, einer Genossenschaft oder einer GmbH & Co. KG dauert in der Regel länger. Unter Umständen kann die Unternehmensinsolvenz bis zu zehn Jahren dauern.

Die Vorbereitung auf die Unternehmensinsolvenz kann zwischen sechs Wochen und drei Monaten dauern.

Ab Eintritt der Zahlungsunfähigkeit muss das Unternehmen innerhalb von drei Wochen beim zuständigen Gericht den Insolvenzantrag stellen. Nach Ablauf der Frist macht sich das Unternehmen des Straftatbestandes der Insolvenzverschleppung strafbar.

Im Fall der Unternehmensinsolvenz von natürlichen Personen ist eine Restschuldbefreiung möglich – anders als bei Gesellschaften oder Vereinen. Natürliche Personen sind selbständige Einzelunternehmer oder Freiberufler.

An das eigentliche Insolvenzverfahren schließt die sogenannte Wohlverhaltensperiode an, an deren Ende immer die Restschuldbefreiung steht. Bereits nach dreieinhalb Jahren nach Eröffnung des eigentlichen Insolvenzverfahrens kann bei Freiberuflern und Einzelunternehmern die Restschuldbefreiung erteilt werden, wenn zu diesem Zeitpunkt 35 % der Schulden und alle Verfahrenskosten getilgt wurden.

Was passiert mit den Arbeitnehmern bei der Unternehmensinsolvenz?

Was passiert mit den Arbeitnehmern bei einer Unternehmensinsolvenz?
Was passiert mit den Arbeitnehmern bei einer Unternehmensinsolvenz?
Nach Eintritt der Unternehmensinsolvenz sind die Arbeitnehmer zunächst verpflichtet, ihrer Tätigkeit bei der Firma weiter nachzugehen. Das Unternehmen ist in dem Fall dazu verpflichtet, den Lohn weiterzuzahlen und ggf. Gratifikationen und Sonderzahlungen zu leisten, wenn diese im Arbeitsvertrag geregelt sind.

Unter Umständen hat der Insolvenzverwalter das Recht, Mitarbeiter freizustellen. In diesem Fall entfällt häufig die Lohnfortzahlung, da keine Liquidität vorhanden ist. Die offenen Löhne und Gehälter werden in dem Fall zu der Masseverbindlichkeit des insolventen Unternehmens gezählt.

Um nicht selbst insolvent anmelden zu müssen, haben die Arbeitnehmer des insolventen Unternehmens die Möglichkeit, bei der zuständigen Bundesagentur für Arbeit für drei Monate Insolvenzgeld zu beantragen. Folgende Arbeitnehmer sind bezugsberechtigt:

  • Angestellten
  • Arbeiter
  • Auszubildende
  • Praktikanten
  • Geringfügig Beschäftigte.
Damit seine Arbeitnehmer Anspruch auf Insolvenzgeld hat, muss das Unternehmen im Handelsregister oder Gewerberegister gelöscht sein. Der Anspruch besteht dann auch, wenn das Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt wurde.
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